Mehrsport

Coronavirus - Athleten schlagen Alarm: "Diese Krise ist größer als Olympia"

SID
Deutsche Spitzenathleten und erstmals auch Mitglieder aus dem eigenen Haus schlagen Alarm, nachdem der Ringeorden am Dienstag erklärt hatte, dass an der Austragung der Olympischen Spiele in Tokio vom 24. Juli bis 9. August festgehalten werde.

Der Druck auf das IOC wächst: Das Festhalten am Termin für die Olympischen Spiele 2020 sorgt für immer lauter werdende Kritik. Doch Präsident Thomas Bach bekommt für seine Haltung auch Unterstützung.

IOC-Präsident Thomas Bach gerät mit seiner Coronavirus-Politik immer stärker in Bedrängnis. Deutsche Spitzenathleten und erstmals auch Mitglieder aus dem eigenen Haus schlagen Alarm, nachdem der Ringeorden am Dienstag erklärt hatte, dass an der Austragung der Olympischen Spiele in Tokio vom 24. Juli bis 9. August festgehalten werde.

"Das ist eine unverständliche und überhaupt nicht nachvollziehbare Hinhaltetaktik vom IOC und den Japanern", sagte die weltbeste Reiterin Isabell Werth dem SID. "Sie sollten sich am Fußball und an der Formel 1 ein Beispiel nehmen und jetzt sagen: 'Olympia im Juli wird nichts'", meinte die sechsmalige Dressur-Olympiasiegerin.

Ähnlich sieht das Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler, der darauf hinwies, dass das Training von Land zu Land längst anders aussehe und keine Chancengleichheit mehr gewahrt ist. "Deshalb würde ich mich über eine Verschiebung der Olympischen Spiele freuen, um die Ausgangslage für alle auf null zu setzen", sagte Röhler dem Portal Sportbuzzer.

Bach musste nach der zweistündigen Telefonkonferenz mit den Fachverbänden am Dienstag sogar Kritik aus den eigenen Reihen hinnehmen. Als "unsensibel" und "verantwortungslos" bezeichnete IOC-Mitglied Hayley Wickenheiser die Tatsache, dass in der Sitzung eine Verschiebung oder Verlegung von Olympia nicht intensiver erörtert worden sei. "Diese Krise ist sogar größer als Olympia", schrieb die IOC-Athletensprecherin.

OSB-Präsident Hörmann: "Müssen nüchtern und konsequent prüfen"

Stabhochsprung-Olympiasiegerin Katerina Stefanidi ging mit dem IOC ebenfalls hart ins Gericht. "Das IOC möchte, dass wir weiterhin unsere Gesundheit, die Gesundheit unserer Familien und die öffentliche Gesundheit aufs Spiel setzen", schrieb die Griechin bei Twitter und wies auf die Ansteckungsgefahr hin, die durch den Alltag im Training gegeben sei.

Verständnis äußerten dagegen die Spitzensportfunktionäre Alfons Hörmann und Thomas Weikert für das Zögern der hohen Herren in Lausanne. "Wer das große Ganze sieht und die berühmte Medaille von beiden Seiten betrachtet, der kann Verständnis dafür haben, dass man sehr sachgerecht, nüchtern und konsequent prüfen muss", sagte DOSB-Präsident Hörmann dem SID.

Gleichzeitig nehme er aber auch die Sorgen der Athleten ernst, die mit der "unklaren Situation hadern und diese zurecht kritisieren. Deshalb kann man sich nur wünschen, dass dieser Schwebezustand bald beendet wird."

Weikert, Chef des Tischtennis-Weltverbands ITTF, begrüßte sogar Bachs Kurs. Auch er ist im Moment gegen eine Absage der Spiele. "Dafür ist es wirklich noch zu früh. Wir brauchen jetzt noch keinen Plan B", sagte der Limburger dem SID. Auch Säbel-Europameister Max Hartung, Präsident des Vereins Athleten Deutschland, hofft weiter, im Sommer in Tokio um Medaillen zu fechten.

Weikert lobte das IOC für die Eingeständnisse bei den Qualifikationen. Da derzeit keine Wettkämpfe bestritten werden können, müssten die Verbände ihre Athleten am Ende verstärkt über die Bestenliste für Olympia nominieren. "Und da machte das IOC Zugeständnis. Um Streitfälle zu vermeiden, können wir mehr Plätze in Anspruch nehmen", erklärte Weikert.

Das IOC indes reagierte auf die harsche Kritik der Athleten und räumte ein, dass es am Dienstag keine "ideale Lösung" gegeben habe. Man sei aber in dieser schwierigen Situation auf das Verständnis aller angewiesen: "Deshalb setzen wir auf die Verantwortung und Solidarität der Athleten."

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung