Mehrsport

Schmidt gibt deutschen Fechtern Auftrieb

SID
Die deutschen Fechter liegen bei der Heim-WM im Soll

Mutige Auftritte, respektable Ergebnisse - und sogar eine Medaille: Als Verbandspräsidentin Claudia Bokel dem Degenspezialisten Richard Schmidt bei der Siegerehrung das erste deutsche Edelmetall der Heim-WM in Leipzig um den Hals hängte, hatten sich schon vor den Teamwettbewerben eine ganze Menge Hoffnungen der deutschen Fechter erfüllt.

Denn nicht nur das Überraschungsbronze des Weltranglisten-135. Schmidt ließ bei dem im Umbruch befindlichen und zuletzt kriselnden Deutschen Fechter-Bund (DFeB) Aufbruchstimmung aufkommen. Degenspezialistin Alexandra Ndolo (Leverkusen) und Anna Limbach (Dormagen) mit dem Säbel kämpften sich beherzt bis ins Viertelfinale vor - ihnen fehlte am Ende nur ein Sieg zu einer weiteren deutschen Medaille.

"Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Bokel nach dem sensationellen Wettkampf von Schmidt. Und Sportdirektor Sven Ressel ergänzte: "Ein Debütant gewinnt hier schon eine Medaille - ein besseres Zeichen konnten wir gar nicht setzen." Da konnte es das deutsche Team auch verschmerzen, dass im Herrenflorett am Sonntag der viermalige Einzel-Weltmeister Peter Joppich (Koblenz) und Peking-Olympiasiegerin Benjamin Kleibrink (Tauberbischofsheim) leer ausgingen.

Denn das Schreckensszenario einer Heim-WM ohne deutsche Medaille war bereits am zweiten Tag abgewendet. Ausgerechnet durch die Waffe, in der der Verband - im vergangenen Jahr erstmals seit 36 Jahren ohne Medaille von Olympischen Spielen abgereist - den radikalsten Umbruch vollzogen hatte.

Böttcher schenkt Nachwuchs mehr Vertrauen

Junioren-Coach Mario Böttcher, selbst erst Mitte 30, wurde zum Bundestrainer ernannt, jungen Nachwuchsfechtern mehr Vertrauen geschenkt. Alle vier deutschen Starter im Degen waren erstmals bei einer WM dabei. Und sie waren erfolgreich. Schmidt gewann die erste Einzelmedaille in der einstigen deutschen Paradewaffe seit 2001.

"Es zeigt, dass sich was bewegt: Neuer Trainer, neues Team - alte Stricke abschneiden", sagte Schmidt: "Der neue Bundestrainer ist sicherlich nicht ganz unschuldig, dass es ein bisschen Aufbruchstimmung gibt. Jeder hat eine neue Chance bekommen, er hat frischen Wind reingebracht."

So dürften sich die Verantwortlichen des zuletzt so gescholtenen Verbands das Auftreten in Leipzig vorgestellt haben. Denn obwohl es offiziell kein Medaillenziel vorgegeben wurde, weiß auch der Verband, wie wichtig zählbare Erfolge - sprich Medaillen - in der Außendarstellung und natürlich auch bei der vieldiskutierten Leistungssportreform sind.

Ndolo unter den besten Acht

Degenfechterin Ndolo (Leverkusen) schaffte ebenfalls den Sprung unter die besten Acht. Auf dem Weg dahin bezwang die 30-Jährige, die im vergangenen Monat schon mit EM-Silber überrascht hatte, sogar die Olympiasiegerin Emese Szazs-Kovac aus Ungarn nervenstark mit 15:14 im Sudden Death. Im Viertelfinale war dann aber Julia Beljajeva aus Estland beim 9:15 zu stark.

Bei den Florettfechtern kam etwas überraschend Andre Sanita aus Bonn am weitesten. Während Joppich (Koblenz) und Kleibrink (Tauberbischofsheim) in der zweiten Runde ausschieden, verlor der nach einem starken Wettkampf im Achtelfinale denkbar knapp mit 14:15 gegen den favorisierten Weltranglistenachten Race Imboden. "Das Auftreten war sehr reif. Ich hoffe, das hier gibt weiter Selbstvertrauen", sagte Bundestrainer Uli Schreck über den 25-Jährigen.

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