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Mehrsport

Einen Brandy mit Stierhoden, bitte!

Von Stefan Zieglmayer
Stiere und Alkohol spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte des Dopings
© getty

Im Sport wurde schon immer mit abenteuerlichen Methoden nachgeholfen. Manch einer schreckte nicht einmal vor Rattengift zurück. Heute bringen die Kämpfer gegen das Doping mit hartnäckigen Kontrollen manchen Sportler auf Palme. Es stellt sich die Frage: Legalize it?

Wenn man an Doping denkt, kommt einem die Tour de France, Anabolika oder neuerdings auch Russland in den Sinn. Blickt man über den Tellerrand hinaus entdeckt man die kuriosesten Dopingmittel.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich auch die unerlaubte Leistungssteigerung erst entwickeln musste. In der Antike experimentierten Athleten, unwissend und abergläubisch, noch mit Kräutern und Pilzen. Hin und wieder stand ein Stierhoden auf dem Ernährungsplan.

Ja - richtig gehört. Die Sportler aßen Stierhoden zur Stärkung und Ziegenfleisch zur Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit. Was sich heute nach Dschungelcamp anhört, war anno dazumal feste Überzeugung. Später waren beispielsweise getrocknete Feigen das Mittel der Wahl.

Aber auch heute noch finden sich auf der verbotenen Liste der WADA Substanzen, die man so nicht erwartet hätte. Obwohl jeder Leistungssportler weitestgehend auf Alkohol verzichtet, ist das Feuerwasser als Dopingmittel aufgeführt. Das betrifft allerdings nur ausgewählte Sportarten. Im Bogenschießen etwa ist eine ruhige Hand schon von Vorteil. In diese Kategorie fällt auch Marihuana.

Nullmaliger Tour-Sieger

Der bekannteste Dopingfall ist mit Sicherheit der von Lance Armstrong. Sechs Mal wurde der siebenmalige Tour-de-France-Sieger positiv auf EPO getestet. Die Konsequenz: Armstrong ist all seine Titel los. EPO wurde durch den Radsport regelrecht berühmt. Doch was ist EPO?

Erythropoetin reguliert die Bildung der roten Blutkörperchen und ist ein natürliches Hormon. Bei künstlicher Mehrzufuhr steigert es die Produktion der roten Blutkörperchen. Der Sauerstofftransport steigt und die Ausdauerleistungsfähigkeit wird erhöht.

Neben der Armstrong-Causa gibt es dutzende kuriose Fälle und Missverständnisse. Das Wissen über einige Substanzen ist und war nun mal noch nicht vollends erforscht. Der erste dopingbedingte Tod resultierte 1886 aus einer Überdosis Stimulanzien, die der Radrennfahrer Arthur Lincoln zu sich genommen hatte.

In der Tat...

Eine Nahtoterfahrung machte auch Thomas Hicks 18 Jahre später. Der Marathonläufer wollte nach 23 Kilometern schon aufgeben, als ihm sein Trainer ein paar Schluck Brandy und Strychnin verabreichte. Diese Kombination war beinahe tödlich für den späteren Olympiasieger. Strychnin wurde später als Rattengift eingesetzt, da es die Muskeln erstarren lässt.

Neben den üblichen Mitteln ist des Öfteren auch die Rede von Dopingfallen. Das bekannteste Missverständnis der Dopinggeschichte ist das Haarwuchsmittel. Mehrere Sportler wie Ex-Löwe Nemanja Vucicevic oder Weltmeister Romario wurden positiv auf Finasterid getestet. Die Substanz markiert die Einnahme von Anabolika und ist deshalb verboten. Blöd nur, dass es auch in Haarwuchsmitteln enthalten war.

Als Profisportler muss man also genau aufpassen, was man zu sich nimmt. Sogar Mohnkuchen kann zum Verhängnis werden. Mohn enthält Morphin. Das ist verboten. Bei manchen Mohnsorten kann ein Stück Kuchen so zu einem positiven Dopingbefund über mehrere Tage führen.

Ho, ho, ho! Und jetzt bitte pinkeln

Das Wort Doping geht auf den holländischen Begriff "Doop" zurück, das einen südafrikanischen, vitalisierenden Schnaps bezeichnete. Das Praktizieren der Einnahme leistungssteigernder Mittel geht aber weiter zurück. Da überrascht es, dass der aktive Kampf gegen die gesundheitsgefährdende Mogelei erst im 20. Jahrhundert begann.

Die erste offizielle Dopingkontrolle wurde bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko durchgeführt. Erst ein Jahr vor der Jahrtausendwende wurde die Welt-Anti-Doping-Agentur gegründet. Der Erfolg der WADA beruht auf stringenten Regeln.

Die Meldepflicht der Spitzensportler ist eine davon. Damit sich die Athleten nicht auf Kontrollen vorbereiten können, darf die WADA unangekündigt aufschlagen - prinzipiell zu jedem Zeitpunkt - und um eine Urinprobe bitten.

Dazu müssen die Sportler ihren Aufenthaltsort regelmäßig angeben. "Der Kontrolleur kann auch am Weihnachtsabend kommen", erklärte DFB-Teamarzt Tim Meyer dem Tagesspiegel. "Du musst dein ganzes Leben offenlegen. Das kann doch nicht sein", kritisierte Mountainbiker Manuel Fumic bei taz.de den Eingriff in die Privatsphäre.

Legalize it?

Fakt ist, dass der Kampf gegen Doping immer wieder Fragen aufwirft. "Warum legalisiert man nicht alle Drogen im Sport? Wenn jeder Dopingmittel nimmt, wäre es fairer", fragte der neue Box-Champion Tyson Fury vor dem WM-Kampf gegen Wladimir Klitschko. Diese Frage scheint zwar unüberlegt, der Brite steht damit aber keineswegs alleine da.

Das finanzielle Problem wäre damit auf jeden Fall gelöst, das moralische aber ignoriert. "Im Prinzip ist das ein gesellschaftliches Problem. Wie wichtig sind uns Doping-Kontrollen? Wie viel sind wir bereit, dafür aufzuwenden?" Denkanstöße wie dieser von Dr. Meyer führen zu der Diskussion, ob Doping legalisiert werden soll.

Angesichts von möglichen Nebenfolgen wie multiplem Organversagen, plötzlichem Herztod, Impotenz oder psychischer Dysbalance gibt es nur eine vernünftige Antwort. Die Legalisierung von Doping würde im Spitzensport aufgrund von finanziellen Gründen und Leistungsdruck nicht funktionieren. Im Breitensport würde eine globale Katastrophe resultieren.

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