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Kanuten mit gemischten Gefühlen

SID
Hat auch bei der WM in Moskau Medaillen im Visier: Sebastian Brendel
© getty

Die erfolgsverwöhnten deutschen Kanuten wollen auch bei der WM in Moskau Titel und Medaillen an Land ziehen. Die Vorbereitung verlief aber nicht optimal.

Leichte Skepsis statt grenzenlosen Selbstvertrauens: Die erfolgsverwöhnten deutschen Kanuten blicken den Weltmeisterschaften in Moskau mit gemischten Gefühlen entgegen.

Trotz einiger Rückschläge in der Vorbereitung halten die Medaillenjäger aber an ihren ehrgeizigen Vorgaben beim Saisonhöhepunkt fest. "Sechs Medaillen im olympischen Bereich sind das Ziel, zwei davon in Gold", sagte Sportdirektor Jens Kahl dem SID vor den am Donnerstag beginnenden Wettkämpfen auf der Krylazkoje-Regattastrecke.

Nach der nicht vollständig zufriedenstellend verlaufenen WM-Generalprobe bei der Heim-EM in Brandenburg machten sich aber leise Zweifel im Lager des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) breit.

"Wir haben aufgrund unseres trainingsmethodischen Vorgehens im zweiten Jahr nach Olympia immer einen kleinen Tiefpunkt", sagte Kahl und fügte mit Blick auf die zuletzt etwas vom Kurs abgekommenen Frauen an: "Gerade im Frauenbereich müssen wir aufpassen, dass wir nicht zu weit von der Weltspitze wegkommen."

Hoffnung auf etablierte Kräfte

In der russischen Hauptstadt setzt die deutsche Flotte in den wichtigen zwölf olympischen Klassen in erster Linie auf etablierte Kräfte. Canadier-Olympiasieger Sebastian Brendel (Potsdam) gilt ebenso als Goldhoffnung wie die Titelverteidiger im Kajak-Zweier, Max Rendschmidt/Marcus Groß (Essen/Berlin).

"Nach dem bisherigen Saisonverlauf reise ich natürlich mit hohen Erwartungen nach Moskau. Mein Anspruch ist es immer, der Beste zu sein", sagte Brendel.

Der 26-Jährige nimmt ebenso wie Rendschmidt/Groß und das Sprint-Duo Ronald Rauhe/Tom Liebscher (Potsdam/Dresden) als amtierender Europameister die Jagd nach WM-Gold auf.

Der Kajak-Zweier mit Rauhe/Liebscher steht symbolisch für den Aufschwung über die 200-m-Distanz, die erstmals vor zwei Jahren in London Bestandteil des olympischen Programms war. "Nach Olympia 2012 ist da eine Menge Schwung reingekommen", sagte Kahl.

Frauen-Kanuten schwächelten bei EM

Dafür schwächelten zuletzt die Frauen. Bei den Europameisterschaften vor vier Wochen fischte nur Zweier-Olympiasiegerin Franziska Weber (Potsdam) im Kajak-Einer mit Silber eine Medaille im olympischen Bereich aus dem Beetzsee. Mit fünf Medaillen in den olympischen Klassen blieb der DKV hinter den eigenen Ansprüchen zurück.

Cheftrainer Reiner Kießler blickt der WM daher mit "gespannter Erwartung" entgegen. "Ich hoffe, dass der eine oder andere Erfolg von Brandenburg bestätigt werden kann und dass die, die bei der EM noch nicht ganz zufrieden waren, sich in Moskau noch etwas steigern können", sagte der Erfolgscoach.

Brendel: Mangelndes Interesse am Kanu-Sport

Mit Siegen und Medaillen in Moskau will der erfolgreichste deutsche Sommersportverband die Aufmerksamkeit auf sich lenken, denn trotz aller Erfolge bei Olympischen Spielen ist das öffentliche Interesse weiter gering.

"Nach wie vor betreiben wir unseren Sport unter Ausschluss der Öffentlichkeit und bekommen nur alle vier Jahre zu den Olympischen Spielen angemessene Beachtung geschenkt", sagte Brendel dem "SID" und regte eine Änderung des Wettkampfprogramms abseits der Großveranstaltungen an: "Die Übertragungen von EM und WM reichen nicht aus, um uns einem breiten Publikum präsentieren zu können. Hier muss sich unbedingt etwas am Weltcup-Programm ändern. Drei Weltcups in einem Jahr sind einfach viel zu wenig."

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