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Basketball

"Es wird mehr NBA-Spieler in Europa geben"

Von Interview: Philipp Dornhegge
Josh Childress strebt mit Olympiakos Piräus den größten Titel im europäischen Klub-Basketball an
© Imago

Das Euroleague-Final-Four ist das größte Basketballevent in Deutschland seit der EM '93. In Berlin treffen am kommenden Wochenende die vier größten Klubs Europas aufeinander. Mit dabei ist auch Josh Childress. Der ehemalige Spieler der Atlanta Hawks trifft mit Olympiakos Piräus auf Panathinaikos Athen, zuvor stehen sich ZSKA Moskau und der FC Barcelona gegenüber (Fr., 18 Uhr, im LIVESCORE).

Der Wechsel von Josh Childress von den Atlanta Hawks nach Europa schlug im europäischen Basketball ein wie eine Bombe. Dass ein talentierter und athletischer Spieler mit besten Aussichten auf eine erfolgreiche NBA-Karriere ins Ausland wechselt, machte den europäischen Klubbossen Mut für die Zukunft. Der Respekt vor Basketball made in Europe wächst offenbar in Übersee.

Knapp eine Saison spielt Childress nun bei Olympiakos Piräus, und bisher hat der sprunggewaltige Flügelspieler nicht enttäuscht. Er hat den ungewohnten Spielstil schnell verinnerlicht, opfert sich für das Team und kann doch immer wieder seine Stärken einbringen.

8,7 Punkte, 4,7 Rebounds und 1,1 Assists in der Euroleague mögen vielleicht nicht berauschend klingen, aber auch dank Childress hat das griechische Traditionsteam das Final Four erreicht. Am 1. Mai trifft Olympiakos in der Berliner O2-World auf den Ligakonkurrenten Panathinaikos Athen.

Im Gespräch mit SPOX verrät Childress, wie groß die Chancen auf den Titelgewinn sind, wie es ihm in Europa gefällt und ob in den kommenden Jahren weitere NBA-Größen den Sprung über den großen Teich wagen werden.

SPOX: Josh, wie war Ihr erstes Jahr in Europa?

Josh Childress: Besser als ich erwartet hatte. Und es wird sogar noch besser, wenn wir erstmal erreicht haben, was wir uns vorgenommen haben.

SPOX: Und wie gefällt es Ihnen privat? Waren Sie vielleicht vorher schon mal in Europa?

Childress: Nein, noch nie. Aber es ist wunderschön hier. Leider haben wir auf Auswärtsreisen keine Zeit für Sightseeing, deshalb konnte ich mir bisher nicht allzu viel ansehen.

SPOX: Inwiefern, glauben Sie, haben Sie sich seit Ihrem Wechsel als Mensch weiterentwickelt?

Childress: Ich habe viele neue Seiten an mir entdeckt und bin unheimlich gereift. Das war bisher eine unglaubliche Erfahrung für mich.

SPOX: Wer hat Ihnen denn geholfen, sich in Griechenland zurechtzufinden?

Childress: Mein Landsmann und Mitspieler Lynn Greer hat mir sehr viel geholfen, da er ja schon vor mir in Griechenland war und das Land kennt. Auch der Klub hat mich sehr gut unterstützt. Meine Teamkollegen stehen mir immer zur Seite.

SPOX: Sie wurden also auch in der Mannschaft gut aufgenommen?

Childress: Klar, wir sind eine große Gemeinschaft. Wir haben Spaß zusammen, die Atmosphäre ist wirklich super. Das Ganze erinnert mich irgendwie an meine College-Zeit in Stanford.

SPOX: Schon in Ihrem ersten Jahr haben Sie die Chance, die größte europäische Krone zu gewinnen. Wie groß ist Ihr Anteil an diesem Erfolg?

Childress: Der Coach hat uns eingetrichtert, dass jeder bei uns den gleichen Anteil hat, egal wie viel Spielzeit er bekommt. Mein Beitrag ist nicht größer als der meiner Teamkollegen.

SPOX: Welche Unterschiede haben Sie zwischen dem europäischen Spiel und der NBA feststellen können?

Childress: Da gibt es eine Menge Unterschiede. Wir spielen hier Teambasketball, die Leistung jedes Einzelnen ist viel mehr abhängig von der Mannschaft. Hier gibt man für das Team alles, oftmals ist es wichtiger einen Rebound zu holen als zehn Punkte zu machen.

SPOX: Fiel es Ihnen schwer, sich darauf einzustellen?

Childress: Anfangs hatte ich einige Probleme, diese Philosophie zu verstehen. Aber der Trainer hat mich immer unterstützt.

SPOX: Im Halbfinale der Euroleague treffen Sie mit Panathinaikos Athen auf eine weitere griechische Mannschaft. Sehen Sie es positiv, dass Sie die Mannschaft gut kennen? Oder hätten Sie lieber gegen Barcelona oder Moskau gespielt?

Childress: Klar, wir haben schon dreimal gegen Athen gespielt. Beide Teams kennen sich in- und auswendig. Wir wollen dieses Spiel gewinnen, aber es spielt für uns keine Rolle, gegen wen wir spielen. Immerhin reden wir hier über die besten Mannschaften in Europa!

SPOX: Olympiakos mal ausgenommen: Wer ist der Favorit?

Childress: Es gibt keinen anderen Favoriten als uns!

SPOX: Sehen Sie einzelne Spieler, die den Unterschied ausmachen können?

Childress: Nicht auf diesem Niveau. Da zählt nur das Team, und Olympiakos ist das beste Beispiel dafür.

SPOX: Wie geht's für Sie nach dieser Saison weiter? Zuletzt gab es Gerüchte, dass Sie in die NBA zurückkehren möchten. Soweit ich weiß, haben Sie eine Ausstiegsklausel in Ihrem Vertrag...

Childress: Im Moment geht es mir wirklich nur um das Final Four. Bis zur Sommerpause sind es außerdem immer noch zwei Monate, da haben wir noch viele wichtige Spiele zu spielen. Alles Weitere kommt danach.

SPOX: Wie gefallen Ihnen denn Ihre Atlanta Hawks in diesem Jahr?

Childress: Ich verfolge natürlich, was die Jungs machen und habe immer noch häufig Kontakt. So ein bisschen fehlt mir das Team schon, aber ich freue mich, dass es derzeit so gut aussieht. Hoffentlich können sie in diesem Jahr noch mehr erreichen.

SPOX: Sie waren einer der größten Namen, die es in den letzten Jahren nach Europa zog. Glauben Sie - auch angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation in den USA -, dass in der nahen Zukunft noch mehr hochklassige NBA-Spieler den Schritt wagen werden?

Childress: Also zunächst einmal glaube ich, dass die Lage nicht nur in den Staaten schwierig ist. Davon abgesehen kann ich mir das aber durchaus vorstellen. Finanziell und auch von der Qualität des Sports sind die Unterschiede längst nicht mehr so groß.

Euroleague: Ergebnisse im Überblick

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