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Boxen

"Man kann auch innerlich weinen"

SID
Regina, Halmich
© Getty

Karlsruhe - Um 23.24 Uhr war es geschafft. Mit dem Schlussgong nach zehn harten Runden ging Freitagnacht in Karlsruhe die große Box-Karriere von Regina Halmich mit dem erhofften Sieg zu Ende.

Goldenes Lametta rieselte von der Hallendecke, Halmich drückte ihren Trainer Torsten Schmitz lange und innig. Ihre Eltern Günter und Erika, die den Kampf wie stets in einem Auto vor der Halle verbrachten, weil sie immer noch nicht zusehen können, wenn die Tochter boxt, trauten sich in den Ring. Und Rockstar Doro Pesch sang passend die extra komponierte Hymne: "She is a Queen."

Anschließend sprach die 31-Jährige im Interview über ihren gradiosen Abschied. 

Frage: Frau Halmich, Sie haben mit einem knappen Punktsieg gegen Hagar Shmoulefeld Finer Ihren Weltmeistertitel verteidigt und treten nun zurück. Wie bewerten Sie Ihren letzten Kampf?

Regina Halmich: Es war nicht der typische Abschiedskampf gegen eine leichte Gegnerin. Es war ein spannender Kampf bis zur letzten Minute gegen eine ernsthafte Gegnerin. Der Sieg war hart erarbeitet, aber ich wollte ihn auch nicht geschenkt. So manche andere hätte sich zum Abschied eine leichtere Gegnerin gesucht. Aber ich wollte immer gegen die Besten boxen.

Frage: In der vorletzten Runde mussten Sie harte Treffer einstecken. Haben Sie da gewackelt?

Halmich: Nein, zu keiner Zeit. Es waren keine schweren Wirkungstreffer. Es war die Anzahl der Treffer, die den Unterschied gemacht hat. Deshalb habe ich die neunte Runde auch ganz sicher abgegeben. Ich habe aber nie an mir gezweifelt. Ich habe in meiner Karriere schließlich schon die eine oder andere enge Runde mitgemacht.

Frage: Wie sieht Ihr Fazit beim Rückblick auf Ihre Karriere mit 56 Profikämpfen aus?

Halmich: Ich bin sehr zufrieden mit meiner Karriere. Ich habe eigentlich alles richtig gemacht. Immer dann, wenn ich eine Chance bekommen habe, konnte ich sie nutzen. Ich bin sehr glücklich über das, was mir das Boxen gegeben hat. Ich habe immer alles intuitiv gemacht und war mir meiner Vorreiterrolle für das Frauenboxen eigentlich nie bewusst. Es war mit Sicherheit die schönste Zeit. Alles ist in Erfüllung gegangen.

Frage: Sie wirkten bei Ihrem Abschied aus dem Ring sehr gefasst. Täuschte dieser Eindruck?

Halmich: Man kann auch innerlich weinen. Es ist mir schon sehr schwer gefallen. Ich musste gegen eine starke Gegnerin und meine Gefühle kämpfen.

Frage: Wie sieht es nun mit Ihrer Zukunft aus? Geben Sie nur das Boxen oder gleich ganz den Sport auf?

Halmich: Ich bin eine Frau und eitel. Wenn ich keinen Sport mehr machen würde, würde ich auseinandergehen. Ich kann mir ein Leben ohne Sport nicht vorstellen. Aber ich werde natürlich nicht mehr so hart trainieren, und Boxtraining werde ich erstmal keines machen. Da wäre die Gefahr zu groß, dass es wieder in den Fäusten kribbelt.

Frage: Was wollen Sie abgesehen vom Sport machen? Gehen Sie erst einmal in Urlaub?

Halmich: Nein, Urlaub werde ich vorerst nicht machen. Schon nächste Woche werde ich Co-Moderatorin im TV sein, wenn Susi Kentikian um meinen Gürtel kämpft. Danach bin ich bei Günther Jauch in Stern-TV zu Gast und bei der Spendengala "Ein Herz für Kinder" dabei. Ich will aber eigentlich nicht die große Karriere als Moderatorin machen, denn es ist klar, dass ich nichts mehr so gut machen werde wie Boxen. Ich muss aber weiter das Gefühl haben, dass ich gebraucht werde und etwas bewegen kann. Das strebe ich an.

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