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Jonny Wilkinson: Trittspezialist und Tackler

SID
Rugby, England, Wilkinson
© Getty

Paris - Jonny Wilkinson ist kein Mann fürs Grobe. Während sich seine Kollegen dreckverschmiert ins Getümmel stürzen, wirkt der 28-Jährige aus Newcastle fast immer wie aus dem Rugby-Ei gepellt. Selbst dann, wenn er den Gegner attackiert und zu Boden reißt. 

Wilkinson ist Englands großer Hoffnungsträger im Finale der 6. Weltmeisterschaft am Samstag gegen Südafrika. Der "Rugby-Beckham" zählt zu den besten Spielern der Welt. Mit 243 Punkten führt der Kickspezialist die Liste der erfolgreichsten Scorer bei WM-Turnieren an.

Seinen Wert für das englische Team unterstrich Wilkinson bereits vor vier Jahren. Mit einem Straftritt in der Verlängerung entschied er das WM-Endspiel in Sydney gegen Gastgeber Australien.

Verletzungsprobleme stoppen Wilkinson

Danach schien für den Blondschopf, der das ovale Leder ähnlich präzise durch die Malstangen kicken kann wie Beckham seine Freistöße ins gegnerische Tor, der Weg frei zu sein für eine Karriere als Weltstar. Doch zahlreiche Verletzungen stoppten den 88 kg-Mann, dem Pop-Allüren a la Beckham allerdings fremd sind. "Zuerst war es die Schulter, dann der Arm und die Knie", berichtete Wilkinson.

Zwischen den WM-Turnieren 2003 und 2007 bestritt der Verbinder nicht einmal zehn Länderspiele. Auch zu Beginn der WM in Frankreich war der Mann mit der Trikot-Nummer zehn verletzt. Ohne Wilko gingen die Engländer im Gruppenspiel gegen Südafrika mit 0:36 förmlich unter. Doch Trainer Brian Ashton zog im richtigen Moment den Joker. Mit der Rückkehr der Schaltzentrale Wilkinson ging ein Ruck durch die englische Mannschaft. Dank seiner Trittkünste wurden auf dem Weg ins Finale die Favoriten Australien und Frankreich ausgeschaltet.

Südafrikaner haben großen Respekt  

"Er ist nicht so dominant wie 2003, seine Anwesenheit auf dem Platz gibt der englischen Mannschaft aber enormes Selbstvertrauen. Die anderen spielen viel besser, wenn sie wissen, dass Jonny dabei ist. Außerdem ist er auch ein guter Tackler, urteilte Eddie Jones über Wilkinson. Jones war vor vier Jahren Trainer der australischen Nationalmannschaft und arbeitet jetzt als Berater für den südafrikanischen Verband und Cheftrainer Jake White.

Der Respekt der Südafrikaner vor dem Mann mit den goldenen Füßen ist groß. Dennoch verbreiteten die Springboks einen Tag vor dem weltweit mit großer Spannung erwarten Endspiel Zuversicht. "Wir wissen genau, was wir tun müssen", sagte Trainer White. Immerhin haben auch die Südafrikaner, die viel variabler agieren als England, einen guten Kicker in ihren Reihen. Percy Montgomery hat im WM-Verlauf bereits 93 Punkte erzielt, bei Wilkinson stehen "nur" 61 zu Buche.

Englands Ausnahmekönner sieht sich trotz seiner ungewöhnlichen Fähigkeiten immer als Teamspieler. Vor Beginn der K.o.-Runde schrieb Wilkinson in seiner wöchentlichen "Times"-Kolumne Rugby-Philosophie: "Die nächsten Spiele werden eine echte Prüfung sein, wer wir als Menschen und als Team sind." 

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