"Meistens haben sie einfach nur genervt": Schottlands Fan-Sprecher im Interview

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Rund 200.000 Schotten sorgten in den vergangenen zwei Wochen für beste Stimmung in Deutschland. Nach dem Ausscheiden lässt Hamish Husband, Sprecher der Tartan Army, das Turnier im Interview revue passieren.

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Schottland stellte eine der schlechtesten Mannschaften dieser EM, dafür aber die faszinierendsten Fans. Egal durch welche deutsche Stadt man in den vergangenen zwei Wochen spaziert ist, egal welchen Zug man bestieg - die Schotten waren schon da mit ihren Dudelsäcken, Schottenröcken und dem Schlachtruf "No Scotland, no Party".

An der famosen Stimmung der Fans änderte auch das enttäuschende Abschneiden ihrer Mannschaft nichts. Auf ein 1:5 im Eröffnungsspiel von München gegen Deutschland folgten ein Remis gegen die Schweiz in Köln und eine Pleite gegen Ungarn in Stuttgart. Schottland scheiterte als Schlusslicht der Gruppe A.

Schottland ist zwar in der Gruppenphase ausgeschieden, die Fans haben aber ordentlich Eindruck in Deutschland hinterlassen. Wie haben Sie das Turnier erlebt?

Husband: Am Tag nach meiner Abreise aus Deutschland bin ich aufgewacht und habe mich gefragt: War das alles nur ein Traum? Diese EM war schöner, als ich es mir je hätte erträumen können - mal abgesehen von den sportlichen Leistungen. Wir wussten aber vorher schon, dass unsere Mannschaft nicht die beste Europas sein wird. Deshalb war es unser Auftrag, die besten Fans Europas zu sein. Ich war davor schon bei zwei Weltmeisterschaften und zwei Europameisterschaften, aber diese EM in Deutschland war das schönste Turnier. Ich hatte zehn überragende Tage. Jeden Abend habe ich gedacht: Noch lustiger und kurioser kann es nicht mehr werden, aber dann kam der nächste Tag.

Was ist Ihnen Kurioses widerfahren?

Husband: Zum Beispiel unser Airbnb in Bonn. Der Besitzer hat sich im Garten zwei Kängurus gehalten. In Reutlingen habe ich Belgien gegen Rumänien geschaut und dabei zwei rumänische Fans getroffen, die - warum auch immer - Fans von meinem Lieblingsverein Ayr United sind, einem schottischen Zweitligisten. Solche Erlebnisse bleiben in Erinnerung.

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Schottland hat in München, Köln und Stuttgart gespielt. Wo hat es am meisten Spaß gemacht?

Husband: Von den Spielorten her in München: Eröffnungsspiel, ganz Europa hat zugeschaut, überall waren Schotten, wir haben den Marienplatz übernommen. Das war sehr emotional. Ich weiß nicht warum, aber auch Düsseldorf hat sich zu einem schottischen Fan-Zentrum entwickelt, obwohl wir dort gar nicht gespielt haben. Viele Schotten haben zehn Tage lang in Düsseldorf gewohnt und dort gefeiert, ohne Tickets für Spiele zu haben. Es gab sogar eine eigene Facebook-Gruppe für Schottland-Fans in Düsseldorf. In dieser Party-Straße in der Altstadt waren immer so viele Fans aus verschiedenen Ländern. Darum geht es bei einem Turnier. Es ist schade, dass wir kein Spiel in Düsseldorf hatten. Vor der EM wusste ich nichts über Düsseldorf, aber jetzt hat die Stadt einen super Ruf in Schottland.

Mit welchen anderen Fangruppen war es am lustigsten?

Husband: Mit den Deutschen, die waren so freundlich und haben uns immer wertgeschätzt. Zu unserem Fan-Marsch in Köln sind sogar Deutsche mit Schottland-Fahnen gekommen und haben "No Scotland, no Party" gesungen. Generell hatten wir aber mit fast allen Fans Spaß. Die einzige Ausnahme waren die Engländer. Meistens haben sie einfach nur genervt.

Haben Sie bei der EM irgendwelche Probleme erlebt?

Husband: Das einzige echte Problem waren die deutschen Züge. Wir waren nicht verärgert von den Zuständen, sondern eher geschockt. Wir dachten, alles in Deutschland ist effizient. Die Probleme mit den Zügen waren aber auch Teil des ganzen Spaßes.

EM 2024: Die Tabelle der Gruppe A

#MannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Deutschland32108:267
2Schweiz31205:325
3Ungarn31022:5-33
4Schottland30122:7-51