Jude Bellingham schraubt weiter am Ballon d'Or, Harry Kane in anderer Rolle als beim FC Bayern München: Drei Dinge, die beim Sieg von England gegen Serbien auffielen

Von Tim Ursinus
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England ist mit einem knappen 1:0 gegen Serbien in die EM gestartet. Während Jude Bellingham als Alleskönner überzeugte, fielen in Harry Kane und Phil Foden gleich zwei Superstars ab. Es herrscht Steigerungsbedarf bei den Three Lions. Drei Dinge, die auffielen.

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Jude Bellingham schraubt weiter am Ballon d'Or

Der Champions-League-Sieger wurde nicht von ungefähr bei der Kader-Verkündung von England im Angriff aufgeführt. Jude Bellingham markierte das so wichtige 1:0 für die Three Lions auf eine Art und Weise, wie er es in der abgelaufenen Saison schon häufiger für Real Madrid tat. Die Fans quittierten seine Aktion völlig zu Recht mit dem Beatles-Klassiker "Hey Jude".

Der ehemalige Spieler von Borussia Dortmund wartete im Halbraum auf die Flanke von Bukayo Saka (nach tollem Pass von Kyle Walker) und lief im richtigen Moment in den Strafraum. Eine Qualität, die er erst seit seinem Wechsel zu den Königlichen so richtig für sich entdeckte. Bellingham kann das Spiel lesen, welches er obendrein selbst bestimmt.

Auch abseits des Tores war der 20-Jährige Dreh- und Angelpunkt der englischen Nationalmannschaft. Meist im Zentrum hinter dem Offensiv-Trio oder auf halblinker Position lenkte Bellingham das Geschehen nach seinem Gusto. Sinnbildlich waren seine 24 Pässe ins Angriffsdrittel - die mit Abstand meisten auf dem Platz.

Hält Bellingham sein Niveau und bringt den Fußball tatsächlich "nach Hause", schraubt er weiter an seinem ersten Ballon d'Or. Diesen kann ihn wohl ohnehin nur ausgerechnet Real-Teamkollege Vinícius Júnior streitig machen.

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Harry Kane in anderer Rolle als beim FC Bayern München

Das krasse Gegenteil von Bellingham scheint für England derweil Harry Kane zu sein. Klar, der Stürmer des FC Bayern München ist mit seinen zweifellos herausragenden Torjäger-Qualitäten ein ebenso wichtiger Baustein für die Mannschaft von Gareth Southgate. Doch eben in einer ganz anderen Rolle als sein Hintermann.

Das trifft auch auf seine Spielweise beim deutschen Rekordmeister zu. Bei den Bayern lässt sich Kane in häufiger Regelmäßigkeit fallen, um das Spiel mitzugestalten. Gegen Serbien blieb er meist an vorderster Front kleben und lauerte in klassischer Neuner-Manier auf ein Zuspiel. Doch seine Mitspieler fanden ihn vor allem in den ersten 45 Minuten schlichtweg nicht, dementsprechend schwach auf der Brust war er auch in Sachen Ballaktionen.

In den ersten 30 Minuten berührte er den Ball nur einmal, zur Pause waren es zwei - einer davon endete in einem Fehlpass. Am Ende waren es immerhin 24, weil er etwas mehr integriert und gesucht wurde. Seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor ist trotz ausgelassener Großchance (Kopfball an die Latte) jedoch weiterhin unumstritten. Darauf wird und kann England im weiteren Wettbewerb freilich nicht verzichten.

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Phil Foden fällt Bukayo Saka zum Opfer

Der Premier-League-Spieler des Jahres erlebte einen Abend zum Vergessen. Phil Foden gelang wenig bis gar nichts - ganz anders als sein Pendant Saka. Der dribbelstarke Flügelflitzer des FC Arsenal bereitete nicht nur das 1:0 vor, sondern hatte auch deutlich gefährlichere Aktionen.

Der Grund für Fodens verhaltenen Auftritt liegt mehr oder weniger auf der Hand. 28 seiner insgesamt 38 Scorerpunkte erzielte der 24-Jährige in der abgelaufenen Saison in rechter oder zentraler Position in Manchester Citys Offensive. Bei den Three Lions ist für ihn aufgrund von Southgate-Liebling Saka jedoch nur auf dem linken Flügel Platz.

Womöglich war es nur eine Momentaufnahme von Foden, der im Vorfeld als einer der größten Hoffnungsträger bei der Mission EM-Titel galt. Steigert er sich allerdings nicht, könnte er im Laufe des Turniers sogar seinen Stammplatz verlieren. Hinter ihm pochen schließlich gleich mehrere hochklassige Offensivspieler auf einen Startplatz.

Apropos steigern: Das gilt auch für das gesamte Team, wenn es seiner Favoritenrolle gerecht werden will. Nach der Halbzeit war es nicht immer sattelfest, wie sich England gegen den Underdog aus Serbien präsentierte. In Teilen offensiv, aber besonders defensiv ist noch deutlich Luft nach oben.

Serbien vs. England: Die Daten zum Spiel

Serbien vs. England: 0:1 (0:1)

Tore0:1 Bellingham (13.)
Aufstellung SerbienRajkovic - Veljkovic, Milenkovic, Pavlovic - Gudelj (45. Ilic), Lukic (61. Jovic), A. Zivkovic (74. Birmancevic), Kostic (44. Mladenovic), S. Milinkovic-Savic - Vlahovic, A. Mitrovic (61. Tadic)
Aufstellung EnglandPickford - Walker, Stones, Guehi, Trippier - Alexander-Arnold (69.Gallagher), Rice, Saka (76. Bowen), Bellingham (86. Mainoo), Foden - Kane
Gelbe KartenSerbien: Gudelj (39.), Tadic (75.)