Cookie-Einstellungen
Handball

DHB-Frauen verpassen bei der EM die nächste Chance: "Nie war es leichter"

SID
Die DHB-Frauen treten enttäuscht die Heimreise von der EM an.
© getty

Nach dem erneut verpassten EM-Halbfinale rumort es im deutschen Frauen-Handball. Während Bundestrainer Henk Groener Rückendeckung von der Verbandsspitze erhält, kommt harsche Kritik aus der Liga.

Kein Siegeswille, zu wenig Führung, fehlende Ambition: Das Urteil von Herbert Müller nach dem EM-Scheitern der deutschen Handballerinnen fiel vernichtend aus. Während Kapitänin Kim Naidzinavicius und Co. am Donnerstag deprimiert die Heimreise antraten, legte der hochdekorierte Bundesliga-Trainer den Finger tief in die Wunde.

"Mit dieser EM können und dürfen wir überhaupt nicht zufrieden sein", sagte Müller dem SID: "Nie war es leichter, in ein EM-Halbfinale zu kommen. Es nicht zu schaffen, war fast schwierig."

Doch statt nach der ersten EM-Medaille seit Silber 1994 zu greifen, gab es nach dem 20:23 im entscheidenden Hauptrundenspiel gegen Kroatien einmal mehr bittere Tränen. Und so machte Müller fehlenden "Siegeswillen und Mentalität" im deutschen Team aus: "Als es in der Hauptrunde darauf ankam, unsere Matchbälle auf das Halbfinale zu verwandeln, haben wir alles vermissen lassen."

Beim Deutschen Handballbund (DHB) vermied man derart deutliche Kritik an der eigenen Mannschaft und stattete Bundestrainer Henk Groener lieber ungefragt mit einer Jobgarantie aus. "Wir haben den besten Trainer auf dieser Position, den man sich vorstellen kann", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann und erstickte mögliche Personaldiskussionen im Keim.

Ziel sei, so formulierte es das Verbandsoberhaupt, die Heim-WM 2025: "Da wollen wir erfolgreich sein. Bis dahin haben wir eine ganze Reihe von Baustellen, an denen wir zu arbeiten haben. Die Trainerstelle gehört ausdrücklich nicht dazu."

DHB-Frauen: "An Führungspersönlichkeiten gehapert"

Groener, dessen Vertrag bis Ende 2021 läuft, erlebte in Dänemark sein drittes Turnier als DHB-Coach. Bei der EM 2018 belegte der Niederländer mit der DHB-Auswahl den neunten Platz, bei der WM in Japan verpasste sein Team als Achter den Sprung ins Halbfinale und zugleich auch das Ticket für die Olympischen Sommerspiele in Tokio. Nun war erneut nach der Hauptrunde Schluss.

Obwohl vor dem Turnier sogar die eigenen Spielerinnen wie Naidzinavicius und Emily Bölk vom Halbfinale gesprochen hatten, beklagten sich Groener und Michelmann hinterher über den hohen Druck von außen - eine Tatsache, die Müller, der mit seinen Teams in den letzten 15 Jahren zehn Mal den deutschen Meistertitel gewonnen hat, überhaupt nicht nachvollziehen kann.

"Als Handballnation wie Deutschland müssen wir einen hohen Anspruch an unsere Nationalmannschaft formulieren. Wir dürfen die Ansprüche keinesfalls runterschrauben, sonst laufen wir Gefahr, in der Öffentlichkeit überhaupt nicht mehr wahrgenommen zu werden", sagte Müller: "Als Leistungssportler muss man mit einem solchen Druck umgehen können.

Eine Trainerdiskussion vermied Müller, da wolle er sich "komplett raushalten. Es wäre zu einfach, das Thema an Henk Groener festzumachen. Das Team muss als Einheit funktionieren und gesehen werden", sagte der 58-Jährige: "Die Leistungsträgerinnen müssen besser vorneweg marschieren. An den Führungspersönlichkeiten, die das Spiel lenken und leiten, hat es gehapert."

Nun gehe es darum, "den Karren mit allen gemeinsam aus dem Dreck zu ziehen: Wir müssen in der Nationalmannschaft wie auch in den Vereinen der Liga schnellstmöglich die bedingungslose Siegermentalität und den Willen, gnadenlos hart an sich zu arbeiten, wieder erlernen."

Eines steht allerdings fest: Der deutsche Frauenhandball hat in Dänemark eine große Chance leichtfertig vergeben. Es ist nicht die erste.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung