"Haben noch Großes vor"

SID
Dagur Sigurdsson hat das HDB-Team zur Em-Teilnahme geführt
© getty

Dagur Sigurdsson war bester Laune, als er am Donnerstag mit dem EM-Ticket im Gepäck in den Flieger nach Deutschland stieg. "Wir sind stolz auf diesen Erfolg", sagte der Bundestrainer nach der souveränen Qualifikation seiner Handballer für die Europameisterschaft 2016 in Polen: "Die Mannschaft hat Charakter gezeigt und ihre Sache sehr gut gemacht."

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Das Team um Kapitän Uwe Gensheimer feierte den 34:20-Kantersieg in Finnland und die vorzeitige Rückkehr auf die große europäische Handballbühne bei Bier und Burger. "Es ist eminent wichtig für den deutschen Handball, bei den großen Turnieren dabei zu sein. Wir sind sehr stolz darauf", sagte Gensheimer dem SID in Vantaa: "Genauso müssen wir jetzt weitermachen."

Das abschließende Heimspiel gegen Österreich am Sonntag (15.15 Uhr) in Kiel dürfte allerdings zu einem besseren Schaulaufen werden, auch wenn Sigurdsson für die letzte Partie einer kräftezehrenden Saison noch einmal "volle Pulle" versprach.

In der Verbandsspitze des zuletzt arg gebeutelten DHB machte sich nach dem vierten Sieg im fünften Quali-Spiel Erleichterung breit. "Nachdem wir uns zuletzt dreimal sportlich nicht qualifiziert haben, freuen wir uns natürlich sehr. Wir haben eine tolle Qualifikation gespielt", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning: "Das war ein weiterer Schritt auf unserem Weg. Wir haben noch Großes vor." Schon bei der EM-Endrunde in Polen (17. bis 31. Januar 2016), deren Gruppenauslosung am 19. Juni in Krakau stattfindet, könnte es für die DHB-Auswahl wieder um Medaillen gehen.

"Umbruch war wichtig"

Vater des Aufschwungs ist zweifelsohne Coach Sigurdsson. Der Isländer brachte das schlingernde Team innerhalb weniger Monate wieder auf Vordermann und impfte seinen Spielern nach den herben Enttäuschungen der vergangenen Jahre (Verpassen von Olympia 2012 und EM 2014, WM-Teilnahme 2015 nur dank Wildcard) in Rekordzeit das Sieger-Gen ein. Aus einem Haufen durchaus talentierter Handballer formte er seit seinem Amtsantritt am 1. September eine verschworene Einheit, die nach Platz sieben bei der WM zu Jahresbeginn nun das nächste Ausrufezeichen setzte.

"Es war wichtig, dass wir diesen Umbruch im deutschen Handball vollzogen haben. Man merkt, dass Dagurs Arbeit Früchte trägt", sagte Verbandsvize Hanning, der Sigurdsson als Nachfolger von Martin Heuberger beim DHB installierte, dem SID. Sigurdsson habe es geschafft, "die richtige Balance für dieses Team zu finden". Die vorzeitige Qualifikation zeige, dass "wir wieder in der Weltspitze angekommen sind".

Auch Rückraumspieler Steffen Weinhold, der wie viele andere Nationalspieler unter dem neuen Coach zur Höchstform aufläuft, hebt den Anteil von Sigurdsson hervor: "Er strahlt im Spiel eine gewisse Ruhe aus und gibt den Spielern das Vertrauen. Jeder einzelne merkt, dass er ein wichtiger Teil des Teams ist."

Der frische Wind kehrt ein

Nicht nur bei den Spielern genießt Sigurdsson einen ausgezeichneten Ruf. Der 42-Jährige gilt in der Szene als gewiefter Taktiker mit einem wachen Auge für Talente. Spieler wie die Berliner Youngster Paul Drux (20) und Fabian Wiede (21) sind unter ihm zu Stammkräften gereift.

Als in Martin Strobel und Tim Kneule zuletzt zwei Leistungsträger auf der Spielmacherposition kurzfristig ausfielen, lamentierte er nicht und schenkte kurzerhand Niclas Pieczkowski (25) das Vertrauen - der zahlte es mit einem bärenstarken Auftritt gegen Ex-Weltmeister Spanien (29:28) und jetzt in Finnland zurück.

"Man hat schon gemerkt, dass mit ihm ein frischer Wind kam", sagte Teammanager Oliver Roggisch dem SID: "Er hat mutige Entscheidungen getroffen bei Nominierungen von jungen Spielern, er trifft den richtigen Ton bei Ansprachen und ist taktisch ein hervorragender Trainer." Diese Qualitäten muss Sigurdsson auch bei der EM Anfang nächsten Jahres wieder unter Beweis stellen.

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