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Handball

HBL will Manipulation unterbinden

SID
HBL-Präsident Reiner Witte unterstützt den Maßnahmenkaalog
© sid

Mit einem Maßnahmenkatalog will die HBL dem vermeintlichen Manipulations-Skandal zuvor kommen. Von einem "Schritt in die richtige Richtung", sprach HBL-Präsident Reiner Witte.

Als Reaktion auf den vermeintlichen Manipulations-Skandal hat die Handball-Bundesliga (HBL) einen ersten Maßnahmenkatalog geschnürt.

Als wichtigste Neuerung beschlossen das Präsidium und der Aufsichtsrat am Sonntag bei einem Krisengipfel in Frankfurt/Main die Installierung eines Ausschusses, der konkrete Maßnahmen für die Risikoverminderung der Manipulation erarbeiten soll.

Dazu gehören insbesondere die Einrichtung eines Kontrollausschusses, die Erarbeitung von Ethik- und Verhaltensrichtlinien sowie die Berufung eines neutralen Ansprechpartners. Dieser soll die Einhaltung der Richtlinien überwachen.

Klare Vorgaben für Schiedsrichter

"Die Dringlichkeit ist sehr groß. Unsere Entscheidung war ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt gilt es, die Maßnahmen mit Leben zu füllen", erklärte HBL-Präsident Reiner Witte nach einer fünfstündigen Sitzung in einem Flughafen-Hotel. Der Katalog soll unter anderem klare Vorgaben für Schiedsrichter und Vereinsbetreuer enthalten.

"Sie müssen klare Korridore haben. Da geht es zum Beispiel darum, ob die Schiedsrichter nach dem Spiel in den VIP-Raum dürfen oder Geschenke annehmen dürfen", erklärte Witte.

Sein eigener Rücktritt sei am Sonntag "kein Thema" gewesen. Witte war zuletzt wegen seines freundschaftlichen Verhältnisses zu dem in der Manipulations-Affäre stark belasteten Kieler Manager Uwe Schwenker kritisiert worden. Schwenker fehlte am Sonntag, nachdem sein Amt als HBL-"Vize" derzeit ruht.

Die Maßnahmen des Ausschusses, dem HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, die Aufsichtsrats-Mitglieder Torsten Burmester, Uli Derad sowie Jan Zilius angehören, werden nach Befassung in den Gremien der HBL-Mitgliederversammlung am 27. Juni zur Entscheidung vorgeschlagen. Am Dienstag hat der Deutsche Handball-Bund (DHB) bei seiner Präsidiums-Sitzung in Dortmund ebenfalls das Thema Manipulations-Bekämpfung auf der Agenda.

Kritik am Weltverband IHF

Harsche Kritik übte Bohmann am Weltverband IHF und der Europäischen Handball-Federation (EHF). "Die müssen zusehen, dass sie aus dem Quark kommen", forderte Bohmann ein forciertes Tempo in der Aufklärungspolitik.

Die beiden Dachverbände hatten erst in der vergangenen Woche einen Maßnahmenkatalog verabschiedet, "dies ist aber nicht zuletzt auf Initiative der HBL geschehen", bekräftigte Witte.

Nach Vorstellung von IHF und EHF soll unter anderem die Ernennung der IHF-Schiedsrichter nur noch für ein Jahr gelten. Die Referees stehen künftig zudem unter verstärkter Beobachtung. Bei IHF-Turnieren wie beispielsweise einer WM werden ihre Leistungen zeitnah analysiert.

Crashkurs für Unparteiische

Sechs Wochen vor einem Großereignis werden die Unparteiischen außerdem in einem einwöchigen Crashkurs mit Hilfe von Trainern und Psychologen auf die anstehenden Aufgaben vorbereitet. Bei WM und Olympia sollen die Ansetzungen in Zukunft erst am Spieltag bekannt gegeben werden, um so mögliche Manipulationsversuche zu erschweren.

Rekordmeister THW Kiel soll seit 2000 mehrere Spiele in der Champions League verschoben und allein für das gewonnene Final-Rückspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt 2007 96.000 Euro gezahlt haben.

Gegen Schwenker wird derzeit von Seiten der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, gegen den langjährigen Kieler Coach Noka Serdarusic wegen Verdachts der Beihilfe dazu.

Zudem gibt es Manipulationsvorwürfe gegen die deutschen Spitzen-Schiedsrichter Frank Lemme/Bernd Ullrich, die derzeit vom Spielbetrieb suspendiert sind. Russische Zollbeamte hatten im Gepäck der Magdeburger 50.000 US-Dollar gefunden.

Die Tabelle der Handball-Bundesliga

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