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Golf

Der Po-Grabscher des Jahres

Von Florian Regelmann
Jason Dufner - Held des Par 10 und der PGA Championship in Oak Hill
© getty

5. Justin Rose: Darum ist Golf unfassbar! Jedes Major erklärt uns immer wieder aufs Neue, dass wir diesen Sport niemals verstehen werden. Justin Rose entpuppte sich an den ersten beiden Tagen als Liebhaber der ersten Neun im Oak Hill Country Club.

In Runde eins benötigte Rosie nur 32 Schläge vornerum, in Runde zwei legte er sogar eine unfassbare 29 mit 6 Birdies hin! So war der Engländer vor dem Wochenende voll im Rennen. Die Chance, in einem Jahr nach der US Open auch noch die Wanamaker Trophy einzusacken, war groß.

Aber was machte Rose dann? Er absolvierte die Front Nine in Runde drei in 42 (!) Schlägen. 29 Schläge am Freitag, 42 am Samstag. Irre. Seinen Putter (35 Putts am Moving-Day) hat er hoffentlich sofort entsorgt. Und wenn wir schon bei unfassbaren Dingen sind: Das Monster-Divot, das Rose an Tag eins produzierte, der soften Bedingungen sei Dank, ist auch Wahnsinn.

4. Wo kommt der denn her? Jim Furyk ist unbestritten seit langer Zeit ein Weltklasse-Spieler. Furyk beißt auf dem Platz so brutal, wie man es von jemandem erwartet, der ein fanatischer Pittsburgh-Steelers-Fan ist. Es kann einen wahnsinnig machen, wenn er vor Putts ständig noch mal neu ansetzt, aber er beißt, beißt und beißt. Furyk hat eine US Open gewonnen und hätte einige Majors mehr gewinnen können, wenn ihm nicht des Öfteren die Nerven versagt hätten. Furyk war jahrelang immer jemand, den man auf dem Zettel haben musste.

Aber aktuell eigentlich nicht mehr so wirklich... Furyks kumulierter Score bei den drei Majors 2013 vor der PGA: +28. Da ging eigentlich nichts beim Mann mit dem schönsten Golfschwung der Welt (Sorry, Adam!).

Und dann kommt Furyk zur PGA und liegt nach 54 Löchern plötzlich in Führung. "Wisst Ihr was, ich liege noch nicht im Grab", sorgte Furyk für einen Spruch der Woche. In der Finalrunde traf er dann zwar viel zu wenige Fairways, aber letzten Endes hat er sich nichts vorzuwerfen.

Im Gegensatz zur US Open 2012 oder zu seinem epischen Ryder-Cup-Match gegen Sergio Garcia hat es Furyk diesmal nicht weggeschmissen. Ein anderer Spieler war einfach besser.

3. Vogelwilder Kaymer: Leider keine richtig gute Woche aus deutscher Sicht. Marcel Siem verpasste den Cut, wie auch schon bei der Open Championship oder der Open de France davor - bei Siem läuft es 2013 leider ausgerechnet bei den dicken Dingern nicht so wie erhofft.

Nach der tollen letzten Saison schien es so, als ob Siem jetzt sicher auch bei Majors ganz vorne angreifen würde können. 2013 ist das leider noch nicht eingetreten. In den letzten Wochen haderte Siem oft mit dem Putter ("der fliegt jetzt gleich gegen die Wand"), so richtig bekommt er gerade keine vier Tage am Stück zusammen. Spätestens, wenn die Quali-Phase für den Ryder Cup 2014 Ende August in Wales beginnt, wird sich das hoffentlich wieder ändern.

Im Fall von Martin Kaymer war bei der PGA auch wieder etwas Kopfschütteln angesagt. An den ersten beiden Tagen bestätigte er die ansteigende Form aus den letzten Wochen, lochte per Traumschlag zum Eagle an der 13 und hatte vor dem Wochenende nach längerer Zeit mal wieder Major-Siegchancen.

Auch Tag 3 startete mit einem Birdie an der 1 optimal, aber dann folgte ein Einbruch mit 8 Bogeys und einem Triple-Bogey. Kaymer wurde komplett durchgereicht. Vogelwild wurde es dann am Sonntag. Start mit 3 Birdies in 4 Löchern, dann ein furchtbarer Triple-Bogey-Bogey-Doppel-Bogey-Lauf, später wieder eine furiose Birdie-Eagle-Birdie-Kombination. Die beiden genialen Eagles an der 13 waren definitiv die Highlights seiner Woche.

Kaymer vergeigte eine viel bessere Platzierung an wenigen Löchern, dennoch zeigt die Tendenz klar nach oben. Punkt 1: Kaymer gehört zu einer Gruppe von nur 13 Spielern, die bei allen 4 Majors 2013 den Cut schafften. Punkt 2: Kaymer scheint sich insgesamt so wohl zu fühlen wie vielleicht noch nie mit seinem Spiel. Sein Spiel ist kompletter, er kann jetzt wirklich jeden nur vorstellbaren Schlag spielen, im Gegensatz zu früher.

Auch im Umgang mit dem Druck und den Erwartungen Anderer ist Kaymer gereift. 2013 könnte ein sehr lehrreiches Übergangsjahr gewesen sein in den Majors - 2014 sollten wir Kaymer bei den großen vier Events wieder um Siege kämpfen sehen. Liebe Kritiker, glaubt dem Par-10, es ist wirklich nur eine Frage der Zeit.

2. Henrik Stenson - brutal stark ohne Sieg: Der Schwede ist auch eines dieser Beispiele dafür, dass im Golf bis auf ganz wenige Ausnahmen jeder Spieler brutalen Höhen und Tiefen unterworfen ist. Seit seinem Sieg bei der Players Championship 2009 ging es abwärts bei Stenson.

Vor zwei Jahren, als die PGA Championship in Atlanta ausgetragen wurde, spielte er bei sich in Schweden die Clubmeisterschaft - und nicht mal die konnte er gewinnen! Stenson arbeitete hart, vor allem an seiner Fitness, baute Muskelmasse auf und kämpfte sich wieder zurück.

Das Ergebnis: Stenson spielt in diesem Sommer grandios. Scottish Open: 3. Platz. The Open: 2. Platz. Bridgestone: 2. Platz. PGA: 3. Platz. Klar, es fehlt der Sieg, aber die Konstanz ist dennoch bemerkenswert. Stenson ist ein klarer Ryder-Cupper für 2014.

Neben Stenson herauszuheben: Adam Scott. Der Aussie fuhr 2013 bei den Majors neben seinem Masters-Sieg zwei weitere Top-5-Resultate ein, seit 2009 landete er 9 Mal in den Top 15, das steht für sich.

1. Verliebt in einen Zombie! Alle, die Jason Dufner aus irgendeinem Grund nicht sonderlich mögen, sollten jetzt aufhören zu lesen. Achtung, Achtung, hier kommt das Abfeiern des PGA-Champions 2013! Das Par-10 liebt Duffy. Das Par-10 liebt alles, was er tut.

Wie er nach seinem Sieg seiner bezaubernden Frau Amanda vor allen Kameras landesweit im Fernsehen an den Po fasste (und sie so: "später") - sensationell. Es wurden sofort Stimmen laut, die den Po-Grabscher noch mal in der Konica Minolta BizHub SwingVision, analysiert von Peter Kostis, sehen wollen.

Wie er sein Eisen-3 mehrfach für Tap-In-Birdies an den Stock zimmerte - überragend. Wie sauber er generell den Ball trifft - kaum zu glauben. Wie er Anfang der Woche 31 Löcher in Folge ohne Bogey blieb und dann noch mal 26 Löcher ohne Bogey am Wochenende - genial.

Man weiß bei Duffy ja nie so genau, was oder ob überhaupt etwas in ihm vorgeht. Mit seinem Zombie-Style hat er Kultstatus erreicht, spätestens seit "Dufnering" zum Internet-Phänomen wurde. Ob er Puls hat? Auch das ist manchmal fraglich, wenn man Dufner über den Platz schlafwandeln sieht. Wobei er jetzt in der PGA-Woche bemerkenswerte Ansätze von Wut-Anfällen zeigte und sogar mal den Schläger schmiss. Für Dufner-Verhältnisse war das vulkanartig.

Auch ganz groß war sein Statement über sich als Emotions-Monster: "Andere Sportarten sind aufregender als Golf. Im Basketball gibt es Big Plays, im Baseball Homeruns, im Football Touchdowns - so was pumpt dich dann auf. Für mich ist Golf da ein bisschen langweiliger. Ich treffe das Fairway, oder ich treffe es eben nicht. Normalerweise habe ich auch so meine Probleme mit dem Putter, also gibt es da auch nicht so viel, wo ich vor Freude ausrasten könnte."

In der PGA-Woche funktionierte der Putter aber sehr gut. Okay, abgesehen von den verrückten Dufner-Tap-Ins, die er so leicht schlägt, dass die Bälle kaum zum Loch kommen. Und abgesehen vom kurz gelassenen Birdie-Putt an der 18 zur 62 am Freitag. Und wie kurz der war! Ein Putt zu einem Score, den es in der Historie noch NIE NIE NIE gegeben hat. Und der Typ lässt ihn so kurz.

Aber klar, Dufners 63 war auch so gigantisch. Es war erst die 26. 63er-Runde in einem Major (24 Spieler). Und das in Oak Hill, wo es in allen bisherigen Majors zusammen nach 72 Löchern nur 10 Scores unter Par gegeben hatte. Der Kurs war unglaublich soft und so angreifbar, aber eine 63 musst du trotzdem erst mal schießen. Eine krasse Statistik: Von den 24 Spielern mit 63er-Runden in Majors ist Dufner erst der sechste, der dann auch das Turnier gewonnen hat.

Mit seinem Triumph hat Dufner auch seine bittere Pleite vor zwei Jahren bei der PGA überwunden. Damals schenkte er bekanntlich eine 4-Schläge-Führung her und verlor im Stechen gegen Keegan Bradley. Dieser Keegan Bradley war schon auf dem Weg zum Flughafen, als er sich entschied, beim Sieg seines Freundes dabei sein zu müssen. Bradley drehte um, eine rote Ampel wurde auch noch überfahren, dann war er genau rechtzeitig da, um seinem Buddy zu gratulieren. Es war zum Abschluss des Major-Jahres 2013 eine richtig coole Szene.

Was bleibt noch? Wie jedes Jahr schließen wir nach der PGA mit der folgenden bitteren Frage: Was machen wir die nächsten acht Monate? Es ist jedes Jahr der gleiche Mist.

Weltrangliste: Dufner entert die Top 10

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