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Golf

Die Boo-Weekley-Show

Von Florian Regelmann
Golf, Ryder Cup, Europa, USA, Weekley
© Getty

Der Ryder Cup im Valhalla Golf Club in Louisville/Kentucky schrieb so einige Geschichten. Was es nicht alles gab: Einen verrückten US-Boy, den neuen Tiger Woods und jemanden, der sich als Sergio Garcia ausgab.

Der amerikanische Alptraum hat ein Ende. Nach drei Niederlagen in Serie haben die USA den Ryder Cup zurückgewonnen. Europa blieb diesmal ohne Chance. Nach einem dramatischen Finaltag hieß es am Ende 16,5:11,5 für das Team von Captain Paul Azinger.

SPOX hat die Tops und Flops des Ryder Cups:

Top: Boo Weekley

Gestatten, mein Name ist Thomas Brent "Boo" Weekley und ich bin der albernste Golfer der Welt! Als ein Hauptgrund für die amerikanischen Probleme bei den letzten Ryder Cups hatte man fehlende Emotionen angesehen. Zu ernst liefen die US-Boys über den Platz, während die Europäer eine einzige Spaßtruppe waren. Bei diesem Ryder Cup war alles anders, dank Weekley. Was dieser Typ am Finaltag veranstaltete, war ohne Worte. Als er in seinem Match gegen Oliver Wilson abgeschlagen hatte, tanzte Weekley seine ganz persönliche "Happy Gilmore"-Imitation und galoppierte das erste Fairway entlang. Den Driver zwischen den Beinen.

Jetzt mal ehrlich: Wer macht so was? "Das war eine der großartigsten Sachen, die ich in meinem Leben gesehen habe", meinte Azinger. Weekley war einer der Schlüsselspieler für den amerikanischen Sieg, denn er pumpte sich und die Fans nicht nur andauernd auf, er spielte vor allem zwischendurch herausragendes Golf. "A B(oo)tiful Day", lautete die Schlagzeile von "ESPN". "Boo-S-A", riefen die Fans. Es waren die drei besten Tage im Leben des albernen Weltklasse-Golfers Thomas Brent "Boo" Weekley.

Flop: Sergio Garcia

Wer bitte war das, der sich in Kentucky als Sergio Garcia ausgegeben hat? Als hätte ihm jemand den Stecker rausgezogen, lief Garcia bis auf eine kurze Ausnahme am zweiten Tag fast teilnahmslos über den Platz. Wie sehr er durch seine Krankheit vor dem Ryder Cup geschwächt war, weiß nur er, aber das war auf jeden Fall nicht der Garcia, den man kennt.

Dass der Spanier sich freiwillig eine Pause verordnete und am zweiten Tag die Foursomes nicht spielen wollte? Er, der den Ryder Cup so liebt? Es ist schwer nachzuvollziehen. Mit einem Sieg gegen Anthony Kim hätte er noch vieles herausreißen können, aber stattdessen lief gar nichts zusammen. Garcias Bälle landeten im Wasser, mehrfach, seine kurzen Putts schob er auch noch vorbei. Kurzum: Garcias Ryder-Cup-Woche war eine einzige Katastrophe.

Top: Anthony Kim

Die USA brauchten nicht mal Tiger Woods, um sich den Cup zurückzuholen. Dieser musste wegen seiner Knieverletzung das Geschehen vom Sofa aus anschauen und konnte nicht mehr tun als Glückwunsch-SMS zu verschicken. Mehr brauchte er auch nicht zu tun, denn es gab ja Anthony Kim. Er sieht nicht nur ein bisschen aus wie Tiger Woods, er hat auch golferisch das Zeug, irgendwann mal die Nummer eins zu werden. Kim hat es echt drauf.

Es war klar, dass sein Kracher-Match gegen Garcia im ersten Einzel von entscheidender Bedeutung sein würde. Auf der einen Seite der 23-jährige Rookie mit der glitzernden "USA"-Gürtelschnalle, auf der anderen Seite Europas Mister Ryder Cup. Kim besiegte Garcia nicht, er vernichtete ihn und setzte so gleich zu Beginn des Finaltages ein Ausrufezeichen. Kim wird mal ein ganz Großer, so viel steht fest. Er ist es fast jetzt schon.

Flop: Padraig Harrington und Lee Westwood

Es ist ja nicht so, dass Garcia alleine Schuld hätte. Man kann keinen Ryder Cup gewinnen, in dem seine drei besten Spieler nicht ein einziges Match gewinnen. Besonders die Leistung von Padraig Harrington war eine große Enttäuschung. Der Ire hat die beiden letzten Majors gewonnen und brachte in Valhalla nichts auf die Reihe. Niemand wird über die fehlende Form mehr enttäuscht sein als Harrington selbst.

Kaum besser erging es Lee Westwood. Zugegeben: Die US-Fans hatten sich auf ihn eingeschossen und die Beleidigungen, die er über sich ergehen lassen musste, waren sehr unschön. Aber dann darf man eben nicht jammern, sondern muss seine Matches gewinnen und so zurückschlagen. Westwood schaffte das nicht.

Top: Ian Poulter

Nick Faldos umstrittene Entscheidung, Ian Poulter und nicht Darren Clarke eine Wildcard zu geben, war seine beste als Ryder-Cup-Kapitän. Poulter war mit Abstand der beste Europäer. Er spielte als einziger alle fünf Matches und gewann vier davon. Aber nicht nur das, Poulter ist einfach ein überragender Typ.

Ein Typ, wie man ihn im Ryder Cup braucht. Einer, der das Herz am rechten Fleck hat und mit dem man gerne in den "Krieg" zieht. Poulter war heiß und gab alles, um sein Team zum Sieg zu führen. Er hatte nur zu wenig Unterstützung. Der Schotte muss beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder dabei sein.

Flop: Nick Faldo

Paul Azinger hatte einen Master-Plan und dieser ging perfekt auf. Er unterteilte seine zwölf Spieler in drei Vierergruppen, die während der ganzen Woche nie getrennt wurden. Im Nachhinein ein genialer Schachzug. In Nick Faldos Woche war dagegen eher wenig Geniales dabei. Dafür umso mehr Peinliches. Erst wurden seine Paarungen öffentlich, weil sein Zettel gefilmt wurde, dann brachte er bei der Eröffnungszeremonie Spieler und Nationalitäten durcheinander. Deswegen ging der Cup sicher nicht verloren, aber Faldo wird sich einige Kritik gefallen lassen müssen.

Vor allem bleibt es völlig unverständlich, warum er Westwood, Harrington, Poulter und den starken Graeme McDowell in den Einzeln ganz nach hinten setzte. Das kann man machen, wenn man führt, aber nicht, wenn man hinten liegt. So ging im Mittelteil der Cup schon verloren. Bei Azinger scheint es nicht ausgeschlossen, dass er in zwei Jahren vielleicht sogar wieder der Captain sein wird, bei Faldo kann man das vergessen. Dann doch bitte viel lieber wieder Bernhard Langer.

Top: Der Ryder Cup

Der größte Sieger beim Ryder Cup waren nicht die USA, es war der Ryder Cup selbst. Aus europäischer Sicht tut es weh, es zu sagen, aber ein amerikanischer Sieg war wohl das Beste, was dem Wettbewerb passieren konnte. In den USA hätte das Interesse bei einer weiteren Niederlage noch mehr nachgelassen. Das hat sich nun schlagartig wieder geändert.

So waren es drei faszinierende Tage, die alles hatten, was den Ryder Cup ausmacht. Eine ausgezeichnete  Atmosphäre und eine unglaubliche Dramatik. Fast alle Matches wogten immer wieder hin und her.

Wie viele Wahnsinns-Putts wieder gelocht wurden, wie viele sensationelle Schläge gespielt wurden, alles unter dem größten vorstellbaren Druck - das ist immer wieder beeindruckend. Der nächste Ryder Cup 2010 in Wales kann gar nicht schnell genug kommen.

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