"Daran kannst du kaputtgehen"

Von Daniel Reimann
Daniel Adlung (r.) erzielte für 1860 den Ausgleich gegen Kiel
© imago

Daniel Adlung leitete die Aufholjagd gegen Holstein Kiel ein, die 1860 letztlich den Klassenerhalt brachte. Im Interview spricht der Löwe über den unmenschlichen Druck, die Verdienste von Trainer Torsten Fröhling und die Quittung für die Kritiker.

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Frage: Herr Adlung, haben Sie im Laufe dieses Spiels denn immer die Hoffnung bewahrt, dass man die Partie noch drehen könnte?

Daniel Adlung: Wir haben nie die Hoffnung verloren. Es war ein schwieriges Spiel, 70 Minuten haben wir kaum stattgefunden. Aber wir haben immer an uns geglaubt. Jeder, der sagte, wir wären keine Mannschaft, hat heute die Quittung bekommen. Keiner hat mehr etwas auf uns gegeben. Jeder hat Kiel schon in der zweiten Liga gesehen. Wir haben bewiesen, dass wir eine Mannschaft sind. Jeder ist ans Limit gegangen und hat sich den Arsch aufgerissen.

Frage: Wie kam es, dass gerade in der ersten Halbzeit bei 1860 kaum etwas zusammenlief?

Adlung: Wir wollten eigentlich agieren, nicht nur reagieren. Aber man muss Kiel auch ein Kompliment machen. Sie haben sich sehr gut geschlagen. Trotzdem dürfen wir nicht zu passiv werden in solchen Situationen, das ist uns diese Saison schon sehr oft passiert. Trotzdem: Wir haben das Spiel gewonnen. Für die ersten 75 Minuten brauche ich jetzt nicht mehr nach Erklärungen suchen.

Frage: Man hatte nicht über die gesamte Saison den Eindruck, dass alle Spieler stets alles gegeben haben...

Adlung: Da stimme ich Ihnen nicht zu. In Sachen Einstellung kann man niemandem einen Vorwurf machen. Bei einer solch jungen Mannschaft ist es nun einmal logisch, dass, wenn mal zwei oder drei Spieler abfallen, sich andere anstecken lassen. Das müssen wir in der neuen Saison abstellen. Wir werden daran arbeiten. An dem heutigen Erfolg kann jeder wachsen.

Frage: Würden Sie sich wünschen, dass Trainer Torsten Fröhling auch in der neuen Saison Coach bleibt?

Adlung: Man muss ihm ein Riesenkompliment machen für das, was er mit dem Trainerteam auf die Beine gestellt hat. Er hat uns immer Mut gemacht, er hat uns positive Gedanken mitgegeben. Am Ende hat sich das ausgezahlt. Er hat einen sehr großen Anteil daran, dass wir jetzt hier stehen.

Frage: Hat diese Mannschaft denn eine Perspektive?

Adlung: Definitiv. Natürlich hat jeder Fehler gemacht, doch die werden wir gemeinsam aufarbeiten. Nichtsdestotrotz steckt in diesem Team großes Potenzial. Sie ist so oft nach Rückschlägen zurückgekommen. Wir haben so oft noch Punkte geholt, wenn wir mit dem Rücken zur Wand standen.

Frage: Wie steht es denn um ihre eigene Perspektive?

Adlung: Ich habe noch ein Jahr Vertrag, alles Weitere wird man im Sommer sehen. Man konnte ja nicht planen, da wir nicht wussten, in welcher Liga wir nächste Saison spielen. Das wird sich jetzt alles in den nächsten Wochen konkretisieren.

Frage: Kai Bülow hat beschrieben, wie immens der Druck in den letzten Wochen gewesen sein muss. Wir sind Sie damit umgegangen?

Adlung: Ich habe versucht, immer positiv zu denken, auch wenn ich Fehler aufgearbeitet habe. Ich wollte das Ganze nicht zu sehr an mich ranlassen, denn daran kannst du auch kaputt gehen. Es war wichtig, dass ein paar ältere Spieler vorneweg gehen, an denen sich die jungen aufrichten können. Diese Rolle habe ich versucht einzunehmen.

Frage: Ist es für Sie ein schönes Happy End einer Saison, die für Sie sportlich und mit Bezug auf die "Party-Affäre" gar nicht so gut begann?

Adlung: Diese "Party-Affäre" wurde ein wenig hochgehängt. Jeder macht Fehler, ich stehe dazu. Man kann im Leben nicht alles richtig machen. Ich habe immer an mich geglaubt, auch in der Zeit, wo es nicht lief. Ich wusste, dass meine Chance irgendwann kommt.

1860 München - Holstein Kiel : Die Statistik zum Spiel