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Fussball

#removeGazprom: Wie eine kleine Idee eine große Wirkung haben könnte

Von Stefan Rommel
So einfach geht's: Trikot einschicken, Logo überpressen, fertig

Das Oldenburger Startup Fan12 pimpt Schalke-Trikots mit dem Logo des ehemaligen Hauptsponsors auf - und verlangt dafür keinen Cent. Wie die Idee entstanden ist und was es damit auf sich hat...

Ein noch junges Unternehmen aus Oldenburg hat zum Zeichen der Solidarität mit der Ukraine und für den Frieden eine der bisher größten Ideen entwickelt. Unter dem Hashtag #removeGazprom firmiert seit einer Woche die Aktion, alle mit dem Logo des ehemaligen Hauptsponsors gefertigten Schalke-Trikots neu zu gestalten. Und zwar umsonst.

Das Upgrade - und in diesem Fall ist es das tatsächlich - sieht vor, das alte Gazprom-Logo mit einem "love, peace, 04"-Aufdruck zu überpressen. Fan12 nimmt unter einer extra eingerichteten Seite seit letztem Dienstag Schalke-Trikots aller Farben und Größen an und verschönert die Jerseys mit dem eigens dafür konzipierten Logo. Das Logo gibt es in zwei verschiedenen Versionen: In weiß und in blau - je nachdem, welche Farbe das eingeschickte Trikot hat.

Das alte Logo wird dabei so überpresst, dass es danach nur noch ganz sachte durchschimmert. "Das finden wir eigentlich sogar ganz cool, dass man das noch leicht so sehen kann", sagt Thomas Hayen, einer der Geschäftsführer von Fan12.

Eigentlich sehen sich er und seine Mitstreiter als Dienstleister für den Amateurfußball: Jeder Klub bis hinunter in die Kreisklasse kann sich hier seinen eigenen kleinen Online-Shop zusammenstellen und darüber Artikel verkaufen. Nun ist Fan12 der Erfinder einer ebenso simplen wie genialen Idee.

"Das ist ne geile Idee"

Wobei: Streng genommen hatte den Einfall ein Kunde. "Die Idee kam vom Mitglied eines Partnervereins, der seine Trikots mit dem Gazprom-Logo überdruckt haben wollte. Da war uns sofort klar: Das ist eine geile Idee, das können wir auch für alle Schalke-Fans machen", sagt Hayen.

Wie schnell die Theorie aber von der Praxis eingeholt wird, muss der Geschäftsführer schon nach den ersten Tagen der Aktion erfahren. Da Fan12 die Bearbeitung der Trikots kostenlos anbietet und nur 4,95 Euro für das fällige Porto verlangt, dürfte die schöne Idee bald zu einem für das Unternehmen recht kostspieligen Unterfangen werden.

Jedes bearbeitete Trikot koste Hayen "ein paar Euro", die genaue Zahl will er aber nicht verraten. Was das dann ausmacht, wenn ein paar tausend Trikots in Oldenburg eingehen, kann man sich leicht ausrechnen. "Wir müssen tatsächlich überlegen, wie wir das gegenfinanzieren können und müssen uns deshalb Grenzen setzen, wann wir aufhören müssten." Da trifft es sich ganz gut, dass Hayen mittlerweile einen Partner finden konnte, der zumindest die Folien für den Druck finanziert.

Über 3000 Bestellungen in den ersten Tagen

In den ersten Tagen sind über 3000 Bestellungen eingegangen, die Trikots dürften in den kommenden Tagen in Oldenburg eintrudeln. Aber bereits jetzt schlägt die Aktion in den sozialen Medien hohe Wellen - was auf Sicht durchaus auch ein paar Finanzierungsprobleme mit sich bringen könnte. Hayen jedenfalls ist für weitere externe Hilfe jederzeit offen.

Vom FC Schalke 04 haben die Macher bisher noch nichts gehört. Dabei könnte ein wenig inhaltliche oder Medien-Unterstützung sicher nicht schaden. "Das wäre schon cool und dafür ist die Aktion eigentlich ja auch gedacht. Je mehr das verbreitet wird, desto eher finden wir auch weitere Unterstützer und können dann auch noch mehr machen."

In erster Linie geht es jetzt aber darum, die Aktion so groß und so breit wie möglich aufzustellen und zu streuen. Deshalb soll es auch keine alternativen Aufdrucke geben. "Das hatten wir zwar entwickelt, uns dann aber dagegen entschieden. Wir wollen ein einheitliches Design haben und müssen da stringent bleiben", sagt Hayen.

"love, peace, 04" im ganzen Stadion

Und auch für andere Kleidungsstücke und Produkte wie Aufwärmleibchen, Pullover oder Stadionjacken soll es keinen Flock geben. Das würde die Kosten einfach zu stark in die Höhe treiben. In einem zweiten und dritten Schritt könnten dann auch Fans anderer Klubs ihre Trikots mit missliebigen Werbebotschaften darauf optimieren.

"Das kann man sicher auch mal anbieten, das wird einigen Fans vielleicht auch etwas wert sein", sagt Hayen. "Aber wir müssten das dann anders aufziehen als die Aktion jetzt. Denn damit verdienen wir kein Geld. Das wollten wir auch nicht, weil sonst - aus unserer Sicht - weniger Fans die Leistung in Anspruch nehmen würden."

Also bleibt es bis auf Weiteres bei den Schalke-Trikots, von denen es alleine in Deutschland nach der 15-jährigen Partnerschaft mit dem russischen Energie-Riesen eine wohl siebenstellige Anzahl geben dürfte. "Wir hegen mit unserer Aktion die Hoffnung, dass Russlands Bevölkerung ein wenig mitbekommt, was gerade los ist in der Welt", hofft Hayen und fügt noch an: "Es wäre traumhaft, bei einem Schalke-Heimspiel in vier Wochen die Trikots mit den Peace-Zeichen im Publikum zu sehen, statt jene mit dem Gazprom-Logo."

Und wenn sich durch die erhöhte Aufmerksamkeit doch noch mehr Partner und Unterstützer finden lassen und dadurch sogar Geld in die Kassen fließt? "Wenn auch nur ein Cent übrigbleiben sollte", sagt Thomas Hayen, "dann würden wir den sofort spenden."

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