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Fussball

Der ewige Mike Büskens bei Schalke 04: Der Retter muss ein Schöpfer sein

Von Fatih Demireli
Mike Büskens, Schalke 04

Für Mike Büskens' abermalige Berufung als Interimstrainer bei Schalke 04 gibt es beim zweiten Hinsehen gute Gründe. Die lebende Vereinslegende hat sogar schon bewiesen, als Trainer den Aufstieg schaffen zu können. Die Rückkehr in die Bundesliga würde nicht zur Schalke retten, sondern auch die Klub-Bosse, die diesen Weg eingeschlagen haben.

Es gab in der Bundesliga-Historie schon die eine oder andere großmäulige Ankündigung, die sich hinterher frei nach Konrad Adenauer, der sich für sein gestriges Geschwätz nicht mehr interessierte, in Luft auflöste.

Da wären wir bei Mohamadou Idrissou. Der früher recht erfolgreiche Bundesliga-Stürmer soll beim SC Freiburg einst seine Mitspieler angegiftet haben: "Ich habe keine Lust, mit euch Absteigern zu spielen. Ich spiele nächstes Jahr in der Champions League."

Er ging davon aus, dass 2010 sein Wechsel zu Schalke 04 - ja, damals noch oft in der Champions League unterwegs - klappt, landete aber dann bei Borussia Mönchengladbach.

Als Idrissou eine Saison später als Tabellenletzter mit Gladbach in Freiburg gastierte, sangen die Sportclub-Fans beim 3:0-Sieg ihrer Mannschaft: "Idrissou spielt Champions League, auf PS3, die ganze Nacht, von zwei bis acht."

Auch Max Kruse, wieder so ein Fall von unvollendeter Ankündigung, wollte in die Champions League, als er 2019 Werder Bremen den Rücken kehrte. Und landete bei Fenerbahce in der Türkei, das nicht Champions League spielte und später sein Gehalt nicht bezahlte.

Schalke 04 kündigte einen Impuls an - und holte Mike Büskens

Und da ist der FC Schalke 04, der am Sonntag Dimitrios Grammozis freistellte, weil man "der Meinung" war, "dass das Team im Saisonfinale einen neuen Impuls benötigt".

Schon schwirrten viele Namen durch die Medienlandschaft. Von Daniel Farke bis Thomas Letsch, von Bruno Labbadia bis Peter Neururer. Verkündet wurde die "Verpflichtung" von Mike Büskens (53). Der angekündigte Neu-Impuls ist der bisherige Co-Trainer, der - wenn man es nicht besser wüsste - als Vereinsheld wahrscheinlich auch am Vereinsgelände leben könnte.

Natürlich hat es einen Impuls, wenn der bisherige Cheftrainer nicht mehr da ist und mit ihm seine Ideen und seine beiden Assistenten gehen müssen. Aber ist er groß genug, wenn ein Gesicht, das jeder kennt, den Job übernimmt?

Auch der neue Torwart-Trainer ist der alte. Simon Henzler arbeitete schon 2015 bis 2021 beim FC Schalke 04. Dass er nach all den Jahren von Wil Coort ersetzt wurde, lag daran, dass Schalke - Achtung! - "einen neuen Impuls" setzen wollte, wie es Sportdirektor Rouven Schröder formulierte. Nun also wieder Henzler als neuer und alter Impulsgeber.

Schalke 04 setzt immer wieder auf Rückkehrer

Es ist ein erprobtes Mittel auf Schalke, auf alte Gesichter zu setzen. Büskens ist schon zum dritten Mal Interimstrainer. Auch Huub Stevens war schon vier Mal Schalke-Trainer, zwei Mal als Interims-Impulsgeber. Ralf Rangnick durfte sich zwei Mal probieren. Als Schalke in der letzten Saison in der Bundesliga große Sorgen hatte, kam Sead Kolasinac als Heilsbringer und wurde sofort Kapitän.

Kolasinac ging mit Schalke dann aber unter. Bei Büskens erhofft man sich das Gegenteil und dass er Schalke zum Aufstieg führt. "Die Überzeugung, dass unser avisiertes Ziel, der Aufstieg in die Bundesliga, in der bestehenden Konstellation noch eine ausreichend hohe Wahrscheinlichkeit besitzt, hatten wir nicht mehr", sagte Schröder. Bei Büskens ist er sich sicher: "Er ist derjenige, der den Turnaround schaffen kann."

Den Turnaround, den Büskens in seiner bisherigen Rolle als Grammozis-Assistent nicht bewirken konnte. Und auch dafür gibt es Gründe. "Als Assistent setzt du nicht die entscheidenden Impulse, hältst nicht die Ansprachen, hast nicht solch einen Einfluss wie der Cheftrainer. Vielmehr bist du ein Zulieferer für den Cheftrainer", so Schröder.

Bei Büskens konnte sich bis heute tatsächlich jeder Schalker Cheftrainer sicher sein, dass ihm der ewige Königsblaue loyal ergeben ist und keine krummen Geschäfte im Hintergrund treibt. Das wird auch für den kommenden Cheftrainer gelten, wenn Büskens im Sommer wieder ins zweite Glied rückt.

Die Aufgaben von Mike Büskens bei Schalke 04Saison
Spieler1992 - 01/2000
Spieler (ink. zweite Mannschaft)07/2000 - 2005
Co-Trainer Jugend2000 - 2002
Co-Trainer 2. Mannschaft2002 - 2005
Cheftrainer 2. Mannschaft2005 - 2008
Interimstrainer2008
Co-Trainer2008 - 2009
Interimstrainer2009
Berater2015 - 2016
Berater2016 - 2017
Co-Trainer2019
Betreuer der Leihspieler2019 bis heute
Co-Trainer2020
Co-Trainer2011 - 2022
Interimstrainerseit März 2022

Mike Büskens will der Hermann Gerland von Schalke werden

Denn Büskens hat keine Lust auf die erste Reihe. Er steht ungern im Fokus. Er wolle der Schalker Hermann Gerland sein, heißt es immer wieder aus dem Umfeld in Gelsenkirchen. Jahrelang war Gerland beim FC Bayern Co-Trainer, assistierte Größen wie Pep Guardiola, Jupp Heynckes, Louis van Gaal, Carlo Ancelotti und zuletzt Hansi Flick. Mike Büskens will der Hermann Gerland von Schalke werden

Gerland überlebte bis Nagelsmann jeden Trainer, ging im letzten Sommer, weil der aktuelle Bayern-Coach mit einem eigenen Team kam und wohl auch, weil es atmosphärische Störungen mit Sportvorstand Hasan Salihamdzic gab. Störungen dieser Art gab es bei Büskens noch nie, zumal Buyo, wie man ihn auf Schalke nennt, anders gestrickt ist als Gerland.

Man teilt ihm eine Rolle zu und er macht es gerne, weil er eine innige Bindung zum Verein fühlt. Daher kann man sich auch sicher sein, dass Büskens pragmatisch und erfolgsorientiert am Schalker Aufstieg arbeiten wird. Er wird Ansprache und Spielweise so einfach und transparent wie möglich halten, um alle mitzunehmen.

Es ist aber schon ein Unterschied zu seinen vorherigen Einberufungen als Interimschef, als er oftmals als Retter im Abstiegskampf oder als Platzhalter bis Ende der Spielzeit einsprang. Diesmal reicht es nicht, etwas zu verhindern. Diesmal muss etwas Geschaffen werden und dafür muss Schalke so oft wie möglich gewinnen.

Mike Büskens führte Fürth zum Aufstieg

Was die Schalker Vorgesetzten offensichtlich nicht abschreckte, abermals auf die Büskens-Karte zu setzen und nicht auf eine externe Lösung, zumal diese wohl auch teurer wäre. Und da wäre man wohl auch beim größten Argument, jetzt auf Büskens zu setzen.

Gerade erst verlor Schalke im Zuge der Russland-Invasion in der Ukraine mit Gazprom seinen Hauptsponsor. Die ohnehin finanziell angespannte Lage bei den Königsblauen wird dadurch kaum besser, zumal Grammozis weiter sein Gehalt bekommt.

Die Krux: Normalerweise endet der Vertrag im Sommer, steigt Schalke aber auf, verlängert sich der Kontrakt des Griechen automatisch. Laut Sport1 soll sich das Jahressalär im Falle eines Aufstiegs sogar verdreifachen.

Unter all diesen Umständen wäre die Verpflichtung eines neuen Trainers, der ambitioniert und qualifiziert genug ist, auch finanziell ein großes Wagnis für die Knappen. Im Sommer, wenn bis dahin auch der neue Hauptsponsor und die Liga-Zugehörigkeit feststeht, kann Schalke unter gesünderen Umständen handeln. Die Hoffnung ist, dass man für die Bundesliga sucht. Auch, damit die Schalker Bosse nicht in die Bredouille kommen, weil sie auf eine interne Lösung gesetzt haben, obwohl die Ankündigung anders klang.

Dass Büskens Aufstieg kann, bewies er bei der SpVgg Greuther Fürth: Unter ihm gelang den Franken in der Saison 2011/12 der Aufstieg in die Bundesliga und damit nach 49 Jahren die Rückkehr in die Erstklassigkeit. Fürth galt damals als "unaufsteigbar", scheiterte mehrmals in Folge knapp. Dann kam Büskens und machte Fürth vor Eintracht Frankfurt und Co. gar zum Zweitliga-Meister.

Von der Meisterschaft ist Schalke aktuell weit weg und selbst der Relegationsplatz ist sechs Punkte entfernt. Aber wer weiß, vielleicht hilft ja diesmal der neue Impuls.

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