Fussball

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo: Studium an der Eliteuni, Oberliga in Bad Kreuznach, Nagelsmanns Zimmerkollege

VOn Januar 2018 bis Sommer 2019 war Pellegrino Matarazzo Julian Nagelsmanns Co-Trainer bei der TSG Hoffenheim.

Der neue Trainer des VfB Stuttgart Pellegrino Matarazzo studierte an einer US-amerikanischen Eliteuniversität angewandte Mathematik, spielte für Eintracht Bad Kreuznach in der Oberliga und teilte sich bei Trainerlehrgängen das Zimmer mit Julian Nagelsmann. Die Geschichte eines ungewöhnlichen Karrierewegs.

Der entscheidende Moment kam irgendwann im Jahr 2000. Es war in einem Park in einem Vorort von New York. Pellegrino Matarazzo kickte dort gerade mit seinen Freunden, als zufällig ein in den USA lebender deutscher Scout vorbeikam, ihn ansprach und einen Wechsel zum damaligen Oberligisten Eintracht Bad Kreuznach in Aussicht stellte. 22 Jahre war Pellegrino damals alt und er hatte die Wahl.

Entweder weiterhin in New York leben und viel Geld verdienen. Pellegrino hatte die High-School mit einem Schnitt von 1,0 abgeschlossen, was ihm ein Studium der angewandten Mathematik an der angesehenen Columbia University aus der legendären "Ivy League" ermöglichte. Das hatte er ähnlich souverän wie die High-School beendet und schon ein Jobangebot von einer Investmentbank vorliegen.

Oder ohne Deutschkenntnisse nach Bad Kreuznach ziehen, um dort in der Oberliga Fußball zu spielen. Und natürlich zog er ohne Deutschkenntnisse nach Bad Kreuznach, um dort in der Oberliga Fußball zu spielen! Knapp 20 Jahre später ist Matarazzo immer noch in Deutschland und der neue Cheftrainer des VfB Stuttgart.

Napoli-Spiele im Bett und Italien-Spiele im Stadion

Matarazzo wurde 1977 als Sohn italienischer Einwanderer in Wayne, New Jersey geboren, als erster von vier Brüdern. Er besitzt beide Staatsbürgerschaften, die Bindung zu Italien war aber stets größer als die zu den USA. "Ich hatte nur wenig Kontakt zu US-amerikanischen Kindern, weil meine Eltern wollten, dass ich mich im Kreis der Großfamilie oder zumindest in der italienischen Gemeinschaft bewege", erzählte Matarazzo einst in einem Interview mit der Homepage seines Ex-Vereins TSG Hoffenheim.

Matarazzo hat 45 Cousins und Cousinen und war regelmäßig bei seinen Großeltern in Italien zu Besuch. Die Familien seiner Eltern stammen aus dem Großraum Neapel. Natürlich gab es im Fußball nur die SSC, die während Matarazzos Kindheit mit Diego Maradona seine größte Zeit erlebte. "Wir haben sonntags früh im Bett die Napoli-Spiele geschaut", erinnerte sich Matarazzo an seine Jugend in Paterson, einem Vorort von New York. Auch in einem lokalen Napoli-Fanklub war die Familie aktiv. Bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA besuchte Matarazzo zwei Spiele der italienischen Nationalmannschaft im Stadion.

Mit zwölf Jahren trat er erstmals einem Fußballverein bei, zu Uni-Zeiten spielte er dann im Mittelfeld der Columbia Lions. "Ich war durchschnittlich schnell und technisch nicht immer ganz sauber, hatte aber ein gutes Auge und war knallhart im Zweikampf", sagte er selbst. Seine Körpergröße von 1,98 Metern verschaffte ihm einen physischen Vorteil. Ab 2000 durften das auch seine Gegenspieler in der deutschen Oberliga feststellen.

Nagelsmanns Zimmerkollege bei den Trainerlehrgängen

Nach nur einem Jahr in Bad Kreuznach zog Matarazzo aber schon weiter zum SV Wehen, später spielte er noch für Preußen Münster und Wattenscheid 09. Insgesamt 142 Regionalliga- und ein DFB-Pokalspiel mit Wattenscheid gegen Werder Bremen absolvierte er. Eine erfolgreichere Karriere verhinderten vor allem permanente Verletzungsprobleme. Mit 28 Jahren wechselte er 2006 zur Reserve des 1. FC Nürnberg, wo er bald zum Spieler-Co-Trainer wurde. "Zu diesem Zeitpunkt war mir schon klar, dass ich Trainer werden will", sagte Matarazzo.

Mit 32 Jahren beendete er schließlich seine aktive Karriere und widmete sich ganz dem Trainerberuf. In den darauffolgenden sieben Jahren übte Matarazzo bei Nürnberg die unterschiedlichsten Trainertätigkeiten aus. Er führte die U17 in der Bundesliga auf Platz drei und verhalf der U19 zum Bundesligaaufstieg.

Unterdessen machte er seine Trainerscheine - gemeinsam unter anderem mit Domenico Tedesco und Julian Nagelsmann. Vor allem mit Zweiterem verstand sich Matarazzo bestens und teilte sich mit ihm bei den Lehrgängen an der Sportschule Hennef sogar das Zimmer. Es war ein Kontakt, der ihm noch behilflich sein sollte.

Matarazzo hat einen kurz- und einen langfristigen Auftrag

Im Sommer 2017 suchte Matarazzo nämlich eine neue Herausforderung und fand sie bei Nagelsmanns Hoffenheim, wo er zunächst ein halbes Jahr lang als U17-Trainer fungierte, ehe er zu Nagelsmanns Co-Trainer aufstieg. Als Nachfolger von Alfred Schreuder, der den Klub zu Ajax Amsterdam verlassen hatte. Eineinhalb Jahre später verließ Nagelsmann den Klub zu RB Leipzig und Schreuder kehrte als dessen Nachfolger zurück. Matarazzo blieb Co-Trainer - bis Stuttgart nach der Entlassung von Tim Walter Interesse zeigte und ihn schließlich als neuen Cheftrainer verpflichtete.

Matarazzo soll den Klub, der aktuell in der 2. Liga auf Tabellenplatz drei rangiert, zunächst zurück in die Bundesliga führen und langfristig für eine engere Verzahnung zwischen Nachwuchs- und Profibereich sorgen. "Wir wollen kurzfristig erfolgreich sein, unser fußballerisches Profil weiter schärfen und sicherstellen, dass die Tür zur Profimannschaft für unsere Jugendspieler auch in Zukunft offensteht", sagt der Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger. "Für all diese Herausforderungen sehen wir uns mit Pellegrino Matarazzo als Cheftrainer sehr gut aufgestellt."

Sollten unerwarteterweise auch mathematische Herausforderungen anstehen, könnte Matarazzo sicherlich ebenfalls Abhilfe schaffen.

Die aktuelle Tabelle der 2. Bundesliga

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Arminia Bielefeld1835:211434
2.Hamburger SV1836:191731
3.VfB Stuttgart1830:24631
4.1. FC Heidenheim1827:18930
5.FC Erzgebirge Aue1829:26329
6.VfL Osnabrück1825:19626
7.SSV Jahn Regensburg1832:28426
8.SpVgg Greuther Fürth1825:24125
9.SV Sandhausen1821:20124
10.Holstein Kiel1829:30-123
11.FC Sankt Pauli1824:23121
12.SV Darmstadt 981820:25-521
13.Hannover 961822:30-821
14.VfL Bochum1832:34-220
15.Karlsruher SC1829:36-720
16.1. FC Nürnberg1826:34-819
17.SV Wehen Wiesbaden1821:35-1417
18.SG Dynamo Dresden1817:34-1713
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