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Fussball

Adrian Fein vom HSV im Interview: "Die Debatte um Jatta hat den Verein zusammengeschweißt"

Von Robin Haack
Adrian Fein steht beim HSV unter Vertrag.

Sie spielen eine starke Saison und es hagelt aktuell Lob von allen Seiten. Zuletzt nannte Sie die Hamburger Morgenpost schon das "Herzstück des HSV".

Fein: (lacht) Ich versuche auszublenden, was in den Medien geschrieben wird, aber bekomme natürlich trotzdem einiges mit, weil ich immer wieder darauf angesprochen werde. Man sollte nicht zu hoch hängen, was geschrieben wird. Für mich zählt nur, mich weiterzuentwickeln, gut zu trainieren und in den Spielen meine Leistung zu bringen. Nun muss ich beweisen, dass ich mein Niveau auch über eine komplette Saison halten kann.

Was machen Sie, um nicht abzuheben?

Fein: Ich nehme mich selbst nicht zu ernst. Ich bin nur ein normaler 20-Jähriger, der gut Fußball spielen kann. Bis heute habe ich noch viele Freunde aus Kindertagen, Jungs mit denen ich schon als Sechsjähriger im Verein gespielt habe. Wenn ich jetzt anfangen würde, abzuheben, würde ich von ihnen eine ordentliche Ansage bekommen - gleiches gilt für meine Familie.

Ihr Spiel zeichnet sich durch Ruhe und Handlungsschnelligkeit aus. Gibt es Spieler, an denen Sie sich orientieren?

Fein: Paul Pogba ist ein Vorbild von mir. Ich finde seine Spielweise beeindruckend. Doch auch Spieler wie Yaya Toure oder Bastian Schweinsteiger haben mich immer begeistert. Es sind Spielertypen, von denen ich mir einiges abschauen möchte.

Sie sind gebürtiger Münchner, haben das Stadtwappen tätowiert und sind schon mit sieben Jahren zum FC Bayern gewechselt. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr erstes Training mit den Profis des Rekordmeisters?

Fein: Ich war noch U19-Spieler und während einer Länderspielpause hat Carlo Ancelotti mich und einige Teamkollegen hochgezogen. Plötzlich Zweikämpfe gegen einen Weltmeister wie Philipp Lahm zu führen war aufregend, ich war tierisch aufgeregt. Das hat sich mit zunehmenden Einheiten zum Glück etwas gelegt.

Adrian Fein: "Arjen Robben war absolutes Vorbild"

Von welchem Erlebnis aus den Profi-Einheiten der Bayern erzählen Sie bis heute besonders gern?

Fein: Im Januar 2017 durfte ich mit den Profis ins Trainingslager nach Doha. Die komplette Reise war unglaublich. Ich habe Eindrücke gesammelt, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Die Trainingsbedingungen, das Hotel, das Essen, der Service - einfach alles war perfekt. Nachdem ich diese Erfahrung machen durfte, wäre ich am liebsten direkt für immer bei den Profis geblieben. Doch mit 18 Jahren ist das beim FC Bayern nicht so einfach.

Welcher Spieler hat Sie im Training damals am meisten beeindruckt?

Fein: Um beim FC Bayern zu spielen, muss man mit dem kompletten Herzen dabei sein und alles andere unterordnen. Macht man das nicht, hat man auf Top-Niveau keine Chance. Arjen Robben hat die Bereitschaft, sich aufzuopfern, immer perfekt vorgelebt. Er achtet sehr auf seine Ernährung, nimmt jedes Training ernst und macht auch nebenbei viel für seinen Körper. Spieler wie Robben zeigen einem, wie es im Profigeschäft laufen muss. Er ist ein absolutes Vorbild für jeden jungen Fußballer.

In München stehen Sie noch bis 2021 unter Vertrag und sind aktuell die zweite Saison in Serie in die 2. Liga ausgeliehen. Wie plant der Klub mit Ihnen?

Fein: Fußball ist nicht planbar. In der vergangenen Saison war ich bei Jahn Regensburg auf einem guten Weg, mich in der 2. Bundesliga zu etablieren, doch habe mich in der Wintervorbereitung verletzt und fast die komplette Rückrunde verpasst. Ich schaue nur von Woche zu Woche, konzentriere mich auf meine Leistungen und versuche, verletzungsfrei zu bleiben.

Adrian Fein: "Nie gesagt, dass ich den HSV verlassen möchte"

Stehen Sie als Leihspieler in regelmäßigem Kontakt mit den Verantwortlichen des FC Bayern?

Fein: Der Kontakt mit dem FC Bayern läuft aktuell nur über meine Berater. Sie tauschen sich regelmäßig mit den Verantwortlichen aus, während ich mich voll auf den HSV konzentriere.

Was hat man Ihnen in München vor der Leihe mit auf den Weg gegeben?

Fein: Neben dem HSV gab es noch andere Interessenten, aber ich habe den Verantwortlichen des FC Bayern gesagt, dass ich diesen Schritt unbedingt gehen will. Da ich mir sicher war, waren auch sie überzeugt, dass ich mich in Hamburg durchsetzen werde. Rückblickend bin ich sehr froh, mich so entschieden zu haben.

In den vergangenen Jahren gelang es beim FC Bayern kaum einem Jugendspieler, sich bei den Profis zu etablieren. Was stimmt Sie positiv, es trotzdem schaffen zu können?

Fein: In den ersten Wochen beim HSV habe ich enorm viel gelernt, sowohl sportlich als auch menschlich. Gerade in meinen ersten Einheiten mit den Bayern-Profis war ich noch sehr zurückhaltend und glaube, dass ich diese Zurückhaltung inzwischen abgelegt habe. Trotzdem bin ich Realist und weiß, dass ich nächsten Sommer nicht zurück zum FC Bayern gehe und sofort Stammspieler bin - das kann ich mir gleich aus dem Kopf schlagen. Aktuell zählt nur, Leistung für den HSV zu bringen. Mal schauen, wo ich dann im nächsten Jahr lande.

Trotzdem ist es Ihr Traum, sich irgendwann beim Rekordmeister durchzusetzen.

Fein: Natürlich träume ich davon, eines Tages in der Bundesliga für den FC Bayern zu spielen. Ich bin Münchner und schon seit Kindertagen großer Fan des Klubs. Trotzdem habe ich keinen Karriereplan, der vorsieht, dass ich in zwei oder drei Jahren bei Bayern spielen muss. Selbst wenn ich es erst in neun Jahren zum FCB schaffen würde, würde ich sagen, dass ich eine erfolgreiche Karriere gehabt habe.

Viele HSV-Fans hoffen schon jetzt, dass Sie über den Sommer hinaus ein Hamburger bleiben. Wie stehen die Chancen?

Fein: Ich habe nie gesagt, dass ich den HSV im Sommer wieder verlassen möchte. In vorangegangenen Interviews habe ich nur gesagt, dass ich irgendwann mal für den FC Bayern spielen will. Da wurden mir die Worte ein bisschen im Mund verdreht. Wenn es weiter so gut läuft wie aktuell, spricht nichts dagegen, zu bleiben. Hamburg ist eine tolle Stadt, der HSV ein super Verein mit unglaublichen Fans - da stimmt alles. Aber die Entscheidung liegt nicht allein bei mir. Auch die Vereine müssten sich einigen.

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