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Fussball

Kern: "Der Abstieg wäre der Abgrund"

Von Benny Semmler
Hansas Enrico Kern (m.): "Für den Verein steht viel auf dem Spiel. Die dritte Liga wäre der Abgrund."
© Getty

Was wäre wenn? Fragen wie diese lässt man in Rostock besser bleiben. Es könnte schnell ungemütlich werden. Denn über der Ostseestadt liegt seit Monaten ein extremes Stimmungstief. Jetzt muss gegen den SC Freiburg (20.15 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere) die Wende her.

"Ich bin davon überzeugt, dass wir wieder um den Aufstieg mitspielen können", sagte immerhin Hansas Vorstands-Vorsitzender Dirk Grabow (37) im Mai 2008 vor Hansas letztem Bundesligaauftritt gegen den VfL Bochum. Neun Monate später ist der Optimismus futsch. Es regiert die Angst.

"Die Situation ist kritisch. Ich denke, jeder in der Mannschaft hat begriffen, worum es geht.", sagte Grabow vor dem Aachen-Spiel vor einer Woche. Es half nichts. Hansa verspielte in den letzten 14 Minuten eine 3:1-Führung. Am Ende hieß es 3:3.  "Das war sehr ärgerlich. Aber wir dürfen nach so einem Spiel nicht den Kopf hängen lassen. Das wäre in unserer jetzigen Situation das Schlimmste", sagt Enrico Kern zu SPOX:

Kern: "Es wäre der Untergang für die ganze Region."

Denn nach Aachen ist vor Freiburg. Und das bedeutet: Rostock steht auf einem Abstiegsplatz. Und Schuld daran sind die mageren 18 Punkte aus 19 Spielen.

Spätestens jetzt merkt jeder in Rostock: Der Ostsee-Klub ist in Gefahr. Denn der Absturz in die 3. Liga wäre der Totalschaden. Und "der Untergang für die ganze Region", wie Hansa-Stürmer Kern betont.

Es wäre der Abstieg nach dem Abstieg. Und den hatten die Rostock-Bosse nicht eingeplant. Was die sportliche Misere aber bei Weitem übertrifft, wäre der wirtschaftliche Knockout. Es geht um Existenzen. Kern: "Es hängen einfach eine Reihe von Arbeitsplätzen dran."

Kaum Verträge für Liga 3

Eine DKB-Arena mit immerhin 29.000 Zuschauerplätzen bräuchte in der dritthöchsten Spielklasse niemand mehr. Auch das kostspielige Jugendinternat, das als eines der Besten in Deutschland gilt, wäre kaum noch tragbar.

Aktuell hat Hansa außerhalb des Profiteams 50 feste Mitarbeiter. Steigt Rostock ab, gilt es als sicher, dass passiert, was passieren muss: Massiver Personalabbau. Was vor allem auch die bestehende Mannschaft betreffen wird. Denn die würde sich nahezu komplett auflösen.

Die Eilts-Bilanz: Vier Punkte aus sechs Spielen

Kaum ein Spieler aus dem aktuellen Profikader hat einen Vertrag für die dritte Liga. Nahezu alle Sponsorenverträge sind ausschließlich für die jetzige Liga gültig. Dazu kommen geschätzte sechs Millionen Euro Verbindlichkeiten. Mit diesen ungemütlichen Voraussetzungen wäre sogar die Lizenz für Liga 3 gefährdet.

Hansa ist gewaltig angeschlagen. Da konnte auch ein für seine Ruhe bekannter Dieter Eilts bislang nichts ändern. Der ehemalige U-21-Trainer ist seit zehn Wochen Hansa-Coach. Er ersetzte Frank Pagelsdorf und die Ein-Spiel-Lösung Juri Schlünz. Eilts' Bilanz: vier Niederlagen aus sechs Spielen.

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Ein holpriges 1:0 gegen Kellerkind Wehen Wiesbaden war sein bestes Ergebnis. Eilts zu "Bild": "Die Bilanz ist nicht nur schlecht, sie ist katastrophal." Auch Kern gibt offen zu: "Wenn man das Potential der Mannschaft sieht, dann muss man sagen: Das ist unterirdisch!"

"Jeder kann absteigen"

Dabei hat der Kader mit Spielern wie Wächter, Orestes, Gledson, Retov und Kern durchaus die Qualität für andere Tabellenregionen. Auch der geschrumpfte Etat von 27 (1. Liga) auf 17 Millionen ist trotz Sparzwang überdurchschnittlich.

Doch Fehler wie ihn Traditionsvereine in Abstiegsnot panisch praktizieren, will Rostock vermeiden. Die Negativ-Beispiele Nürnberg und Kaiserslautern sind Warnung genug. "Jeder kann absteigen", sagt Hansa-Stürmer Kern. "Wir sind nicht so naiv, und sagen: Uns passiert schon nichts."

Kern: "Der Abstieg wäre der Abgrund"

Muss Hansa im Mai tatsächlich in die 3. Liga runter, dann wäre das wohl der K.o. für einen weiteren Verein aus dem Fußballosten.

Grabow ehrlich: "Dann müsste man vieles einmal umkrempeln. Langfristig ist der Klub nicht für die Liga 3 ausgelegt." Und Kern gesteht ein: "Der Abstieg wäre der Abgrund!"

Doch noch darf Hansa 15 Spiele versuchen, den Totalschaden zu verhindern. Denn auf Montagsspiele will man auch in Zukunft nicht verzichten ...

Zum Kader von Hansa Rostock

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