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Fussball

Das 1:7 vergessen machen

SID
Brasilien verlor 1:7 gegen Deutschland im WM-Halbfinale.

"Warum nicht?": Costa Rica hofft auf neues WM-Märchen

Die wundersame Reise der Ticos durch Brasilien ist unvergessen, aber sie soll keine Einmaligkeit bleiben. Wie bei der Fußball-WM vor bald vier Jahren, will Costa Rica auch 2018 in Russland für Furore sorgen. "Unser Ziel muss es sein, das gleiche Niveau wie in Brasilien zu erreichen. Und wenn es mehr wird, warum nicht?", sagt Trainer Oscar Ramirez sehr selbstbewusst.

Der 52-Jährige war 1990 bei der ersten WM-Teilnahme der Ticos als Spieler dabei und trägt nun erstmals als Coach die Verantwortung. Aber ob seine Mannschaft tatsächlich die Qualität für eine nochmalige Viertelfinal-Teilnahme besitzt, darf bezweifelt werden. Die jüngsten Tests sorgten jedenfalls für Ernüchterung. Beim 0:5 gegen Spanien gelang so gut wie nichts, beim 0:1 gegen Ungarn kaum mehr.

Verbandspräsident Rodolfo Villalobos hofft allerdings auf einen positiven Effekt und sieht die Pleiten als Wachrüttler. "In wenigen Wochen werden wir für diese schmerzhaften Niederlagen dankbar sein, denn sie haben uns aus der Komfortzone geholt", sagte er. Zudem hatten die Ticos zwei ihrer Schlüsselspieler nicht zur Verfügung: Torwart Keylor Navas (30) und Kapitän Bryan Ruiz (32).

In Brasilien waren Navas und Ruiz die Hauptfiguren auf dem Weg durch die Gruppenphase, als England und Italien gegen die Lateinamerikaner strauchelten, und in den K.o.-Duellen gegen Griechenland und die Niederlande. Letztlich scheiterte "Europa-Schreck" Costa Rica im Viertelfinale gegen Oranje erst im Elfmeterschießen auch durch den Torhüter-Wechseltrick Louis van Gaals.

Ruiz weiß aber genau, dass diese traumhaften Wochen bei der insgesamt fünften WM-Teilnahme kaum zu wiederholen sind. "Wir können nicht sagen, dass wir es besser machen. Denn in Brasilien haben wir Unglaubliches geleistet", sagt der Spielmacher, der bei Sporting Lissabon nicht zum Zug kommt und zeitweise sogar vom Trainingsbetrieb ausgeschlossen war.

Auch Nationalheld Navas, mit Real Madrid zweimaliger Champions-League-Sieger, ist bei den Königlichen nicht mehr unantastbar. Aber es ist deswegen nicht ausgeschlossen, dass er in eine Verfassung wie damals kommt, als Navas sich für die europäischen Großklubs empfahl. "Wenn einem eine kostbare Ming-Vase aus dem Fenster des zehnten Stocks fällt", schrieb die spanische Sportzeitung AS damals, "dann wünscht man sich unten auf der Straße Keylor Navas."

Costa Rica erlebte im der WM-Qualifikation des Kontinentalverbandes CONCACAF ein Auf und Ab, die wechselhaften Leistung reichten aber für Rang zwei und das direkte WM-Ticket. Nun werden die Ticos "sehr, sehr hart" (Ruiz) dafür arbeiten, ihren Landsleuten wieder unvergessene Erlebnisse zu schenken.

Als 2014 die WM-Euphorie ihren Höhepunkt erreicht hatte, gingen in der Hauptstadt San Jose die Männer im Trikot der "Ticos" ins Büro, Mütter schminkten ihren Kindern die Nationalflagge ins Gesicht - selbst die Bäume in den Straßen wurden rot-weiß-blau bemalt. "Es ist wie im Märchen", schrieben die Zeitungen. Mit der Kraft ihres Lebensmottos Pura Vida - dem puren Leben soll dieses Märchen weitererzählt werden.

Serbiens Fußball feiert bei WM Wiederauferstehung

Für Serbiens Fußball kommt die Teilnahme an der WM-Endrunde 2018 in Russland einer Wiederauferstehung gleich. Nach dem Vorrunden-Aus beim WM-Turnier vor acht Jahren in Südafrika trotz eines beachtlichen 1:0-Sieges gegen Deutschland war der Balkan-Staat bei allen folgenden Großereignissen (EM 2012, WM 2014 und EM 2016) immer nur Zaungast.

Die Zuschauerrolle bei den Elitetreffen kam nicht von ungefähr. Denn die politischen Probleme im ehemaligen Jugoslawien seit der Auflösung des Vielvölkergebildes Mitte der 1990er Jahre bis hin zur 2006 ausgerufenen Eigenständigkeit des einst größten Teilstaates haben Auswirkungen auch auf den Fußball und spiegeln die gesellschaftlichen Schwierigkeiten wider.

Bis heute ist der Fußball in Serbien denn auch immer auch ein Vehikel politischer Machtkämpfe - angeblich bis hinauf zu Staatspräsident Aleksandar Vucic. Aus dem Sozialismus bestehen gebliebene Strukturen mit häufig mafiösen Zügen in Verbands- und Vereinsspitzen sowie nicht selten rassistisch-nationalistischen Tendenzen in der Fan-Szene lähmen die Entwicklung. Der Sport ächzt unter rückläufigen Zuschauerzahlen, Ausschreitungen und immer wieder auch Manipulationen von Spielen.

Die massive Einflussnahme von außen trat erst zuletzt sogar nach der erfolgreichen Qualifikation für Russland wieder zu Tage: Nach dem Gruppensieg in der europäischen Ausscheidungsgruppe D vor Irland, Wales, Österreich, Georgien und Moldau warf Erfolgstrainer Slavoljub Muslin entgegen der offiziellen Darstellung die Brocken aus Verärgerung über Vorgaben "von oben" für die Zusammenstellung seines WM-Kaders selbst hin.

Wer in Russland auf Serbiens Bank sitzen wird, ist derzeit nicht abzusehen. Nach Muslins Demission übernahm sein bisheriger Assistent Mladen Krstajic interimsweise für die letzten WM-Vorbereitungsländerspiele des Jahres (2:0 in China und 1:1 bei WM-Teilnehmer Südkorea) die Verantwortung. Doch ob der frühere Bundesliga-Profi von Werder Bremen und Schalke 04 auch dauerhaft die Chefrolle übernimmt, darf durchaus bezweifelt werden.

Möglicherweise bessere Chancen auf den Russland-Trip mit Serbiens WM-Tross als Krstajic dürfen sich mehrere Bundesliga-Legionäre ausrechnen. Die Mittelfeldspieler Filip Kostic (Hamburger SV) und Mijat Gaciniovic (Eintracht Frankfurt) sowie Verteidiger Matija Nastasic (Schalke) gehören in jedem Fall zum erweiterten Kreis der Kandidaten.

In Russland kann Serbien in der Tradition von Jugoslawiens durchaus auf eine beachtliche Fußball-Vergangenheit zurückblicken. Schon bei der WM-Premiere 1930 in Uruguay kam das damalige Königreich auf Anhieb bis ins Halbfinale, ebenso 1962 in Chile. Beim EM-Turnieren stand Jugoslawien 1960 und 1968 im Finale, und bei Olympischen Spielen gewannen die Staatsamateure 1960 in Rom nach zuvor dreimal Silber in Folge sogar die Goldmedaille, ehe 1980 erneut der Einzug ins Halbfinale und vier Jahre später nochmals der Sprung ins Endspiel gelangen.

Auf Vereinsebene liegt der letzte große Erfolg eines serbischen Klubs schon über ein Vierteljahrhundert zurück. 1991 gewann Roter Stern Belgrad die letzte Austragung des Champions-League-Vorläufers Europapokal der Landesmeister. Mit modernem Fußball düpierte das mit Stars wie Darko Pancev oder Sinisa Mihajlovic gespickte Balkan-Team die Konkurrenz des gesamten Kontinents.

Die entsprechend aufgekommenen Träume vom Triumph für Jugoslawiens "goldene Generation" bei der EM ein Jahr später in Schweden platzten jedoch jäh: Wegen des inzwischen ausgebrochenen Bürgerkrieges wurde Jugoslawien vom Turnier ausgeschlossen. Seither ist keine Mannschaft aus dem heutigen Serbien mehr qualitativ so hoch eingeschätzt worden.

Kroatien liebäugelt mit K.o.-Runde - Hoffnungsträger Dalic

Trainer Zlatko Dalic übernahm seinen Job erst kurz vor Ende der WM-Qualifikation, Verbandsboss Davor Suker steht stark unter Beschuss: In Kroatiens Fußball-Verband (HNS) ging es zuletzt turbulent zu. Dennoch lösten die Kockasti ("Die Karierten") über den Umweg Playoffs das WM-Ticket für Russland und wollen dort über die Gruppenphase hinaus eine gute Rolle spielen.

"Ich bin stolz auf das, was wir in den vergangenen drei Spielen erreicht haben, denn die Qualifikation für die WM ist wichtig für den gesamten kroatischen Fußball", sagte Dalic nach den erfolgreichen Playoffs gegen Griechenland unter Trainer Michael Skibbe (0:0/4:1). Kurz darauf wurde der frühere Profi vom Interimscoach zum Cheftrainer befördert und erhielt einen Vertrag bis nach der EURO 2020.

Erst zwei Tage vor dem letzten Gruppenspiel hatte der 51 Jahre alte Dalic die Nachfolge des glücklosen Ante Cacic angetreten und gewann prompt in der Ukraine mit 2:0. Cacic hatte zuvor durch Niederlagen in Island, in der Türkei und zu Hause gegen die Ukraine die fünfte WM-Teilnahme des noch jungen Landes gehörig in Gefahr gebracht.

Die Erfolge von Dalic überraschten ein wenig, zumal der frühere defensive Mittelfeldspieler zuvor nicht als großer Trainer in Erscheinung getreten war. Von 2006 bis 2011 betreute er als Assistent die kroatischen U21, im Anschluss arbeitete er im arabischen Raum.

Doch schon bei seinem ersten Auftritt in der Ukraine bewies Dalic ein glückliches Händchen und beorderte Andrej Kramaric in die Startelf. Der Mittelfeldspieler von 1899 Hoffenheim erzielte beim 2:0-Triumph beide Tore und führte sein Land doch noch in die Playoffs.

Kopf der Mannschaft ist Luka Modric. "El Pony" hat mit Real Madrid alles gewonnen, was es als Vereinsspieler zu gewinnen gibt und zählt zu den besten zentralen Mittelfeldspielern der Welt. Auch Ivan Rakitic (FC Barcelona), Mario Mandzukic (Juventus Turin) und Ivan Perisic (Inter Mailand) sind international gestandene Top-Spieler.

Aktuell steht das Star-Ensemble vom Balkan auf Platz 17 der Weltrangliste. Bei der letzten WM scheiterte die stolze Fußball-Nation unter dem heutigen Coach von Eintracht Frankfurt, Niko Kovac, unglücklich in der Gruppenphase. Das soll sich in Russland auf keinen Fall wiederholen.

Noch immer ist Platz drei 1998 in Frankreich bei einer WM-Endrunde der größte Erfolg der Osteuropäer. Damals erzielte der spätere WM-Torschützenkönig Davor Suker im Viertelfinale den Treffer zum 3:0-Endstand gegen ein aus allen Wolken fallendes DFB-Team, das unter Bundestrainer Berti Vogts auf ganzer Linie enttäuschte.

Suker ist mittlerweile seit 2012 Verbandspräsident. Besonders populär ist der frühere Star von Real Madrid allerdings nicht und muss um seine Wiederwahl fürchten. Mit dem früheren Nationalspieler Dario Simic ist ihm ein gefährlichen Gegenkandidat erwachsen. Suker ließ jüngst die Wahlen überraschend um ein halbes Jahr auf Dezember 2017 vorziehen. Warum, weiß keiner so genau. Ob es hilft, wird man sehen.

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