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Fussball

Das 1:7 vergessen machen

SID
Brasilien verlor 1:7 gegen Deutschland im WM-Halbfinale.

Dopingfall Guerrero, Umweg Playoff: Peru leidet sich zur WM

Totgesagte leben länger: Als jeder Peru nach zehn Eliminatorias-Runden mit gerade einmal acht Punkten auf der Habenseite abgeschrieben hatte, scharte der "Krieger" Paolo Guerrero seine Mitkämpfer um sich und erklomm heroisch noch Rang fünf in der südamerikanischen WM-Qualifikation. Doch dann folgte der Dopingschock und die 30-Tage-Suspendierung des Ex-Bundesliga-Stars.

Immerhin: Auch ohne den gesperrten 33-Jährigen machten die Blanquirrojas, die Weiß-Roten, anschließend in den Kontinental-Playoffs gegen Neuseeland auch noch den letzten Schritt. Und wollen nun nach 36 Jahren Turnier-Abstinenz in Russland ein Wörtchen mitreden.

Guerrero, der einst für Bayern München und den Hamburger SV auf Torejagd ging, kämpfte derweil um seine Reputation. Eine Urinprobe am 5. Oktober nach dem Eliminatorias-Spiel in Argentinien (0:0) hatte ein "von der Norm abweichendes Analyseergebnis" auf ein verbotenes Stimulanz ergeben. Der Stürmer des brasilianischen Erstligisten CR Flamengo verteidigte sich: unwissentliche Einnahme, zu geringer Wert.

Gegen die Kiwis sprang ein alter Bekannter aus Bundesliga-Zeiten in die Bresche. Jefferson Farfan stieß nach dem 0:0 in Ozeanien mit seinem Führungstreffer beim 2:0 in Lima die Pforte zur WM weit auf. Vom "wichtigsten Tor meiner Karriere" hatte der 33 Jahre alte Ex-Schalker, der heute bei Lokomotive Moskau spielt, in der Nacht zuvor geträumt.

Im fernen Köln jubelte Perus Idol Claudio Pizarro und twitterte: "Endlich haben wir das Ziel erreicht, auf das wir so lange hingearbeitet haben." Der 39-Jährige hofft nun auf eine tolle Bundesliga-Rückrunde mit dem FC und Tore, um noch auf den WM-Zug aufzuspringen.

Das Anden-Team, schon 1930 bei der Premiere dabei, war zuletzt 1982 in Spanien am Start, als die Vorrunde nach einem 1:5 gegen Polen Endstation war. Es war das einzige Spiel der Gruppe mit dem späteren Weltmeister Italien und Kamerun, das nicht Remis endete. Und das einzige WM-Turnier, bei dem Teofilo Cubillas nicht traf.

Zuvor erzielte Perus lebende Fußball-Legende 1970 und 1978 zehn Tore, eines davon in Mexiko beim 1:3 in der Vorrunde gegen Deutschland. Am Ende sprang immerhin noch das Viertelfinale (2:4 gegen den späteren Champion Brasilien) raus. Acht Jahre später ging es ebenfalls in die zweite Finalrunde, die mit dem 0:6 gegen Argentinien aber skandalös endete.

Ihrer fünften Teilnahme kamen die Peruaner bei den Eliminatorias zur WM 1986 am nächsten, als sie im letzten Gruppenspiel neun Minuten vor Ende 2:1 gegen Argentinien vorne lagen, ehe ein gewisser Ricardo Gareca den Ausgleich erzielte und Diego Maradona stattdessen zur WM nach Mexiko schoss.

Seit März 2015 sitzt jener Gareca nun bei Peru auf der Trainerbank, schrammte auf der Suche nach der idealen Mischung aus Jung und Alt haarscharf am K.o. vorbei, bekam dann aber 2017 ohne Niederlage (6 Siege, 4 Remis in Pflicht- und Testspielen) noch die Kurve.

"Peru, equipo magico, goles fantasticos, es mi Peru", magisches Team, fantastische Tore, singen seitdem die Fans. Auf die Melodie des Gassenhauers "Moskau" der deutschen Popgrupp Dschinghis Khan. Ein Hit, der aus der Zeit stammt, als Peru zuletzt bei einer WM-Endrunde war.

"Jeder ist besser als wir": WM-Underdog Südkorea hofft auf Jogi-Double

Bräuchte Joachim Löw ein Double für den asiatischen Markt, Shin Tae-Yong würde auch ohne Casting engagiert. Das ebenholzfarbene Haar, die leichten Furchen im Gesicht: Die Ähnlichkeit zwischen dem Nationaltrainer Südkoreas und dem deutschen Weltmeister-Macher sind verblüffend. Doch das war es auch fast schon mit den Gemeinsamkeiten. Während Löw bei der WM in Russland mit Deutschland zu den absoluten Titel-Favoriten gehört, kämpft Shin bei den Asiaten um deren fußballerische Identität.

"Wir müssen beweisen, dass der südkoreanische Fußball nicht tot ist. Ich versuche, ein Team zusammenzustellen, das dies hinbekommt", sagte Shin. So lange hat der 48-Jährige noch gar nicht das Sagen. Erst im Juni hatte sein deutscher Vorgänger Ulli Stielike gehen müssen. Die WM-Teilnahme war nach Qualifikations-Pleiten im Iran, China und Katar (!) stark gefährdet.

Mit Ach und Krach (zweimal 0:0 gegen den Iran und Usbekistan) hievte Shin die Mannschaft noch auf Rang zwei ihrer Gruppe. Das direkte WM-Ticket war gesichert. Zum neunten Mal in Folge; seit 1986 war Südkorea immer dabei. Doch mit einem Überraschungscoup wie 2002, als bei der Heim-WM sensationell Platz vier rausgesprungen war, kann nicht gerechnet werden. Das Team ist 59. der Weltrangliste - und dort gehört es auch hin.

"Jede Mannschaft bei der WM ist stärker als wir", sagte Kapitän Ki Sung-Yong von Swansea City. Tatsächlich mangelt es den Südkoreanern an Klasse. Doch Shin gibt sich kämpferisch: "Wenn wir nicht mit Talent mithalten können, müssen wir unsere Gegner kaputtarbeiten."

Ex-Bundesliga-Profi Heung-Min Son von Tottenham Hotspur ist der unangefochtene Star der Taeguk Warriors, wie die Mannschaft daheim genannt wird. "Son könnte in einem System mit zwei Stürmern spielen und mit seinen Fähigkeiten die gegnerische Abwehr auseinandernehmen", sagte Shin. Unterstützung bekommt Son dabei von den Augsburgern Ja-Cheol Koo und Dong-Won Ji.

Und obwohl nicht zum Besten gehört, was in Russland für Südkorea über den Rasen rennen wird: Shin ist für seine Spieler voll des Lobes: "Ich denke, das ist die beste Mannschaft, die ich bisher als Trainer betreut habe". Generell steht für den Trainer die Entwicklung seiner Mannschaft im Vordergrund. "Wir sind nicht die Besten der Welt, aber müssen zeigen, dass wir Schritt für Schritt besser werden können", sagte Shin.

Diesen Satz hatte bestimmt auch Joachim Löw zu Beginn seiner Ära gesagt.

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