WM

"Es wird keine Ausreden geben"

Von SPOX
Kapitän Steven Gerrard und die Three Lions wollen bei der WM für eine Überraschung sorgen
© getty

Vom 12. Juni bis 13. Juli 2014 findet im Land des fünfmaligen Weltmeisters Brasilien die 20. Fußball-WM statt. SPOX stellt die 32 Endrunden-Teilnehmer vor. Heute: England.

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Land: England

Einwohner: 53,5 Millionen

Aktive Spieler: 1,5 Millionen

FIFA-Weltrangliste: 11.

WM-Teilnahmen: 13

Größter WM-Erfolg: Weltmeister (1966)

Hier geht's zur WM-Gruppe D

Der Star: Wayne Rooney hat mit Manchester United eine katastrophale Spielzeit hinter sich. Zwar erzielte der Angreifer in 29 Liga-Partien ganze 17 Treffer, dennoch verpassten die Red Devils zum ersten Mal seit fast einem Vierteljahrhundert das internationale Geschäft. Ein Umstand, der dem 28-Jährigen als Gesicht der Mannschaft mit Sicherheit zu schaffen macht. Dass Rooney zudem die letzten Saisonspiele aufgrund einer Verletzung ausfiel und seine Leistungen bei großen Turnieren in der Regel weit unter den vorhandenen Möglichkeiten blieben, dürfte die Anhänger der Three Lions nachdenklich stimmen. Doch es gibt Grund zur Hoffnung: Im Gegensatz zur EM 2012, als der Stürmer kurz vor Beginn des Turniers feiernd in Las Vegas gesichtet wurde, liegt diesmal der Fokus einzig und allein auf der WM. Um in Brasilien in absoluter Bestform zu sein, absolvierte er vor dem gemeinsamen Trainingslager mit zwei Trainern in Portugal ein individuelles Fitnessprogramm. Vor allem seine Explosivität und seine starke Physis, generell eine der Stärken der englischen Mannschaft, sollen für den gewünschten Erfolg sorgen. "Ich glaube, dass ich diesmal zeigen muss, was ich kann und ich glaube, ich bin in der bestmöglichen Verfassung dafür", so Rooney in einer bis dato kaum gekannten Ernsthaftigkeit: "Ich bin bereit. Dieses Mal wird es keine Ausreden geben."

Der Trainer: Roy Hodgson ist auf der Insel nach wie vor umstritten, verfolgt jedoch konsequent seine Linie. Nach der Schweiz, die er 1994 in den USA bis ins Achtelfinale führte, sowie den Vereinten Arabischen Emiraten und Finnland handelt es sich bereits um die vierte Nationalmannschaft, die der 66-Jährige betreut. Erst kurz vor der letzten EM, bei der gegen den späteren Finalisten und diesjährigen Gruppengegner Italien im Elfmeterschießen Endstation war, übernahm er das Ruder der Three Lions. Zwei Jahre später muss Hodgson nun beweisen, dass er mit ausreichend Zeit in der Lage ist, eine Elf zu formen, die England zum ersten Titel seit 1966 führen kann. Gelingen soll dies mit einer Mischung aus Jugend und Erfahrung. Zwar verlief der von Hodgson angestrebte Umbruch weit weniger radikal als erwartet, dennoch änderte er das Gesicht der Mannschaft. Als Grundsystem wird noch immer das 4-4-2 favorisiert, jedoch sah man zuletzt vermehrt eine modifizierte Variante, die einem 4-2-3-1 gleichkam. Das englische Spiel wirkt somit etwas variabler als in den Jahren zuvor, dennoch wird auch unter Hodgson weiterhin gradliniger und unkomplizierter Fußball gezeigt.

Der Kapitän: Steven Gerrard kann getrost als das Kernstück der Mannschaft bezeichnet werden. Der Kapitän ist mit seinen 34 Jahren nicht nur der wichtigste Baustein im System der Three Lions, sondern befindet sich auch in ausgezeichneter Verfassung. Der geborene Anführer musste sein Spiel in den letzten Jahren unter anderem aufgrund nachlassender Schnelligkeit, eigentlich ein K.o.-Kriterium für einen defensiven Mittelfeldspieler, allerdings weiterentwickeln. Interessant dürfte beim 110-fachen Nationalspieler darüber hinaus sein, wie er es schafft, die zurückliegende Saison und damit das Trauma der verpassten Meisterschaft zu verkraften. Zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren hätte der FC Liverpool den Titel an die Anfield Road holen können, bis ausgerechnet ein Ausrutscher des Routiniers im Spiel gegen den FC Chelsea den Verlust der Titelchance einleitete. Schafft Gerrard es nicht, den vollen Fokus auf das Turnier in Brasilien zu legen, oder hat er aufgrund seines Alters Probleme mit den ungewohnten klimatischen Bedingungen, sinken Englands Chancen rapide.

Der Spieler im Fokus: Daniel Sturridge ballerte sich mit 22 Treffern in der zurückliegenden Saison hinter Luis Suarez auf den zweiten Platz der Torjägerliste der Premier League und schaffte es somit endlich sein Potential abzurufen. Die Erwartungen vor der WM sind deshalb allerdings auch entsprechend hoch. Gelingt es dem Stürmer des FC Liverpool, seine Leistungen bis zum Turnier in Brasilien zu konservieren oder diese gar zu steigern, dann könnte er über die Gruppenphase hinaus für Aufsehen sorgen. Aufgrund seiner Schnelligkeit, Ballsicherheit und Abschlussstärke, ist Sturridge in der Offensive der Three Lions ohne Zweifel gesetzt. "Wayne und ich haben hart zusammen trainiert, wir kommen auf und neben dem Platz super miteinander aus", lobte der 24-Jährige zuletzt zudem die so wichtige Zusammenarbeit mit Englands Star.

Die Wunschelf (4-2-3-1): Hart - Johnson, Cahill, Jagielka, Baines - Henderson, Gerrard - Sterling, Rooney, Welbeck - Sturridge

Die Prognose: Zwar hat sich das Spiel der Three Lions unter Hodgson in den letzten Jahren durchaus gewandelt, dennoch darf man nicht erwarten, dass England seine Gegner in Brasilien mit spielerischer Dominanz in die Knie zwingen wird. Zwar musste man in der Qualifikation keine einzige Niederlage hinnehmen und verfügt mit 31:4 Toren hinter den Niederlanden (34:5) über die zweitbeste Tordifferenz Europas, doch zeigten die Unentschieden gegen die Ukraine (Hin- und Rückspiel), Polen und Montenegro, dass Statistiken oft trügerisch sein können. Aufgrund der teils noch immer zu statischen und damit leicht zu durchschauenden Spielweise ist und bleibt vieles Stückwerk. Vor allem die Mischung aus Jugend und Erfahrung bietet, neben einem gewissen Gefahrenpotential, allerdings durchaus Raum für Überraschungen. Da zehn Spieler des 23-Mann-Kaders nur auf zehn oder weniger Länderspiele kommen, ist die Rolle der Routiniers Rooney, Gerrard und Lampard, die ihre dritte gemeinsame WM bestreiten, auch abseits des Feldes von großer Bedeutung. Entscheidend wird sein, wie die Spieler in der kurzen Vorbereitung zusammenfinden. Dies wissen auch die Fans und so ist die Erwartungshaltung im Land verhältnismäßig niedrig. Während es für Italien nicht reichen wird, kommt es mit Uruguay zum Showdown um den zweiten Platz der Gruppe. Überstehen die Three Lions die Vorrunde, dann ist aufgrund der schwachen Gruppe C das Viertelfinale möglich - zumindest solange es nicht zu einem Elfmeterschießen kommt...

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