WM

Elber: WM "Turnier der reichen Leute"

Von Marco Heibel
Giovane Elber hält Deutschland und Spanien bei der WM für die Favoriten
© getty

Der 15-malige brasilianische Nationalspieler Giovane Elber bezweifelt, dass in den Stadien bei der Weltmeisterschaft 2014 die breite Masse vertreten sein wird. Ein buntes Fest erwartet er trotzdem. Auch um die rechtzeitige Fertigstellung der Arenen macht er sich keine Sorgen. In der Favoritenrolle sieht der frühere Bundesliga-Star Deutschland und Spanien.

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"Es wird eine WM für die reichen Leute", sagte Elber im Interview mit der "Welt" und führte aus: "Das war schon beim Confed-Cup so. Ich war bei einem Spiel in Fortaleza. Da habe ich nur Ausländer oder Leute von hier gesehen, die in dicken Autos vorgefahren sind." Überteuerte Flüge und Hotels, zusammen mit der Korruption im Land, würden ihr Übriges tun.

Dennoch ist der ehemalige Torjäger des VfB Stuttgart und von Bayern München überzeugt, dass das Turnier eine große Party wird: "Wer nach Brasilien fliegt, braucht nicht unbedingt eine Eintrittskarte. Er kann in eine tolle Atmosphäre eintauchen und einfach mitfeiern. Die WM wird ein zweiter Karneval."

"Alles auf den letzten Drücker"

Elber zeigte Verständnis für die Proteste beim Confed Cup, glaubt aber, dass "die Leute die unerfreulichen Begleitumstände vergessen" werden. Auch die Sicherheit vor Ort macht ihm ebenso wenig Sorgen wie die rechtzeitige Fertigstellung der Stadien: "Wir Brasilianer erledigen gerne alles auf den letzten Drücker. Wir sind halt so."

Allerdings stößt dem früheren Top-Stürmer auf, dass einige der zwölf Arenen nach dem Turnier voraussichtlich zu Ruinen verkommen werden: "Jeder Kommunalpolitiker hat versucht, die WM in seine Stadt zu holen. So entstehen Stadien, die nach dem Turnier leer stehen." So werde in Natal und Cuiaba "nicht wirklich Fußball gespielt. Und in Manaus gibt es keine Erstligamannschaft. Wer soll nach der WM dort spielen? Die Affen? Oder die Krokodile?"

Favoriten Deutschland und Spanien

Obwohl die brasilianische Nationalmannschaft im Sommer 2013 die WM-Generalprobe Confed-Cup gewonnen hat, sieht Elber die Selecao nicht in der Favoritenrolle: "Wer Weltmeister werden will, muss Deutschland und Spanien schlagen. Wir sind auf einem guten Weg, aber nicht alle Probleme sind gelöst." Der Verlust von Diego Costa, der für Spanien spielen wird, sei er herber Verlust, der Verband hätte Fehler gemacht. "Fußballerisch sind wir weltklasse, organisatorisch Zweite Liga", bilanziert Elber.

Seine Hoffnungen knüpft der "ARD"-Experte für das Turnier an Superstar Neymar. Hierbei verriet Elber, dass er den heutigen Barca-Angreifer vor fünf Jahren an den FC Bayern vermitteln wollte: "Neymar war schon mit 16 zwei Klassen besser als alle Gleichaltrigen." Die Münchner hätten sich aber gegen eine Verpflichtung entschieden, weil er "schon damals sehr teuer" gewesen sei und "niemand wusste, wie seine weitere Entwicklung verlaufen würde."

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