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Fussball

Der neue Maldini und ein eiserner Krieger

Von Gunnar Göpel
Mattia De Sciglio wird in Italien die Rolle eines neuen Paolo Maldini zugetraut
© getty

Der Confed Cup (ab Sa., 15.06 um 21 Uhr im LIVE-TICKER) ist das Warm-Up zur WM 2014 in Brasilien. Der ideale Schauplatz für Talente, sich in den Fokus von Topklubs zu spielen.

Maya Yoshida (24/Japan), Innenverteidiger

Mit 1,89m ist Maya Yoshida der mit Abstand größte Spieler der japanischen Defensive. Gerade nach Standards kassierten die Blue Samurai in der Vergangenheit zu viele Gegentore. Das besserte sich, seit Yoshida im Jahr 2010 gegen den Yemen für die Nationalmannschaft debütierte. Unter Nationaltrainer Alberto Zaccheroni wurde er zur zentralen Abwehrfigur des japanischen Fußballs und gewann 2011 die Asienmeisterschaft.

Doch bereits 2008 sammelte der damals 19-Jährige als Teilnehmer der Olympischen Spiele von Peking erste internationale Erfahrungen. Vier Jahre später führte Yoshida die japanische Olympiaauswahl als Kapitän bis in das Halbfinale.

Mit 20 wechselte er zur Saison 2009/2010 von der japanischen Talentschmiede Nagoya Grampus in die Niederlande. Für den VVV Venlo lief der ruhige und eloquente Leader in 55 Begegnungen auf, eher er im letzten Sommer den Sprung in die Premier League wagte. Bei seiner Vorstellung in Southampton zeigte sich der rund Drei-Millionen-Einkauf selbstbewusst. Er wolle ein "Wegbereiter für asiatische Verteidiger" sein.

Seinen Worten folgten Taten. Als Stammspieler in seiner ersten Saison gelang ihm auf Anhieb die schwierige Umstellung auf den englischen Fußball. Der exzellenten japanischen Fußballausbildung verdankt er seine Passgenauigkeit.

Yoshida hatte maßgeblichen Anteil daran, dass den Saints der Klassenerhalt im Aufstiegsjahr gelang. Lediglich auf sein erstes Premier-League-Tor muss der Hobby-Autor noch warten.

In Japan ist Maya Yoshida nicht nur als Fußballer eine Berühmtheit, sondern auch wegen seines äußerst populären Blogs. Sein beliebter Humor kam so gut an, dass ein Verlag einige seiner Beiträge zusammentrug und in einem Buch veröffentlichte. Das Werk wurde ein Bestseller.

Diego Reyes (21, Mexiko), Innenverteidiger

Wenn der FC Porto einen jungen Spieler aus Süd- oder Mittelamerika verpflichtet, dann lässt das häufig auf eine große anstehende Karriere schließen. Wenn ein junger Spieler dazu noch die Auszeichnungen "Mexikos Rookie of the Year 2011" und Olympia-Sieger 2012 trägt, dann lässt das den Marktwert schnell steigen. Sieben Millionen Euro überweist der amtierende portugiesische Meister im Sommer an den mexikanischen Spitzenklub CF America.

Ein Schnäppchen für einen vielseitigen 20-Jährigen Defensiv-Allrounder. Diego Reyes durchlief die U-17, U-20 und U-23-Nachwuchsmannschaften Mexikos. 2012 gewann der über 1,90m-Hüne mit den extralangen Stelzen mit Mexiko auch das renommierte Nachwuchsturnier in Toulon.

Inzwischen ist Reyes fester Bestandteil der A-Nationalmannschaft. Für El Tri lief er inzwischen sechs Mal auf. Dort muss er sich hinter dem Ex-Stuttgarter und Kapitän Francisco "Maza" Rodriguez (CF America) und Hector Moreno (Espanyol Barcelona) anstellen. Doch Coach Jose Manuel de la Torre weiß um die Vielseitigkeit seines Talents.

Die Mannschaften: Vorschau Gruppe A

Reyes, Jahrgang 1992, weckt in seinem Land viele Hoffnungen. Der Rechtsfuß soll eines der ganz großen Idole des mexikanischen Fußballs beerben. Aufgrund seiner Eleganz, Spielintelligenz und Robustheit wird er bereits heute mit dem Barcelona- und Monaco-Star Rafael Marquez verglichen. Der galt auf seinem Zenit als der beste Defensivspieler in der Historie der Tricolor.

Mattia De Sciglio (20, Italien), Außenverteidiger

Beim AC Milan stehen nur Fußballrentner auf dem Platz. Diesen Vorwurf mussten sich die Ergebenen von Vereinsboss Silvio Berlusconi lange Zeit gefallen lassen. In der abgelaufenen Saison spielten sich in der Mannschaft von Massimiliano Allegri zwei absolute Youngsters in die Stammformation.

Während Stephan El Shaarawy in der gegnerischen Hälfte für Furore sorgte, hielt ein ebenfalls 20-Jähriger die Außenbahnen dicht. Mattia De Sciglio stand in 27 Spielen auf dem Platz, in 25 Partien lief er von Beginn an auf. Wettbewerbsübergreifend bereitete er vier Treffer vor.

Im Alter von zehn Jahren wechselte der Außenverteidiger in die Jugendabteilung des AC Milan. Dort durchlief er alle Stationen und wurde parallel in die Nachwuchs-Nationalmannschaften berufen. Sein Profidebüt für die Rossoneri gab der vielseitige Beidfüßler 2011 im Champions-League-Spiel gegen Viktoria Pilsen.

Im März 2011 lief De Sciglio im Freundschaftsspiel gegen Brasilien erstmals auch für die Azzurri auf. Nationaltrainer Prandelli lobte seinen Debütanten nach der Partie: "Mattia hat Persönlichkeit auf dem Platz und eine gute technische Qualität."

Auch der ehemalige Milan-Star Alberigo Evani (297 Spiele) beschrieb De Sciglio im August 2012 als "schnellen beweglichen Läufer mit einer guten Technik".

Defensivstark, guter Antritt und präzise Flanken. Attribute, die De Sciglio zu einem Doppelgänger von Ignazio Abate machen. Der 26-Jährige ist allerdings an seine rechte Außenbahn gebunden und auf seinen rechten Fuß beschränkt. De Sciglio hingegen ist polyvalent einsetzbar. Das verdankt er seinem Jugendtrainer Giovanni Stroppa, der ihn auf jeder Abwehrposition, sowie im rechten Mittelfeld spielen ließ.

Beim 18-fachen Meister geht man noch weiter. Dort wird der Jungspund sogar mit der populären Vereinsikone Paolo Maldini verglichen. De Sciglio zeigt sich bescheiden und wiegelt ab: "Der Vergleich mit einem so unerreichbaren Phänomen wie Maldini ehrt mich, mehr aber auch nicht. Ich habe noch einen weiten Weg vor mir. Maldini war immer mein Vorbild. Er war Milans Kapitän und ich ein glühender Milan-Tifoso, ehe ich Spieler wurde."

Mattia De Sciglio hätte aufgrund seines Alters mit seinen namhaften Alterskumpanen wie Lorenzo Insigne oder Marco Verratti nach Israel zur U-21-EM fahren können. Cesare Prandelli nominierte ihn jedoch für den Confed Cup. Als dauerhaften Bankwärmer hat der 55-Jährige das Megatalent sicher nicht zur A-Nationalmannschaft berufen.

Paulinho (24, Brasilien), Zentrales Mittelfeld

Jose Paulo Bezerra Maciel Junior, kurz Paulinho, debütierte 2011 gegen Argentinien für die Selecao. Seitdem stehen 13 Länderspiele auf dem Konto des 24-Jährigen. Der Corinthians-Stratege ist beheimatet im zentralen Mittelfeld. Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari schätzt vor allem seine raumdeckende, moderne Spielweise.

Eine ausgezeichnete Sprungkraft, ein präzises Kopfballspiel und ein großes Laufpensum sind weitere Eigenschaften, welche Paulinho zu Gute kommen. Während die Mannschaftskollegen um Oscar, Lucas und Neymar die technisch feine Kunst zelebrieren, ist Paulinho der Motor der Kanariengelben (Canarinhos).

Doch der 24-Jährige ist kein raubeiniger Sechser. Im Gegenteil. Er agiert weiter vorne. Als Achter schaltet er sich aufgrund seiner überdurchschnittlichen Technik regelmäßig in die Offensive ein. In Brasilien avancierte er so zu einem Idol.

"Das war ein rasanter Aufstieg, vor allem auch für mich persönlich. Jetzt muss ich diese gute Phase nutzen, natürlich immer mit der Unterstützung meiner Mannschaftskameraden, muss für das Team arbeiten, um mehr Titel zu gewinnen und in der Selecao zu bleiben", erklärte er im Gespräch mit "FIFA.com".

Doch die Karriere lief nicht immer so rund. Viel zu früh wechselte Paulinho nach Europa. Mit 18 wurde er von seinem damaligen Verein Pao de Acucar EC nach Litauen verliehen. Nach 38 Einsätzen und fünf Toren für den Erstligisten FC Vilnius wurde er nach Polen weiterverliehen. Beim LKS Lodz lief es wenig vielversprechend. Das Experiment Europa scheiterte und er kehrte nach Brasilien zurück.

Vor allem die mentale Stärke, eine gute Auffassungsgabe und ein starkes Stellungsspiel machen den 24-Jährigen bei europäischen Spitzenteams begehrt. Neben Inter Mailand und dem AS Monaco soll auch Schachtjor Donezkam Corinthians-Star interessiert sein. Der amtierende Copa Libertadores- und Klub-WM-Sieger soll mindestens 20 Millionen Euro für Paulinho fordern.

Der Spielplan des Confed Cup

Seite 2: Das Wiesel und ein verehrter Exot

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