Cookie-Einstellungen
Fussball

Christopher Schorch vom 1.FC Saarbrücken im Interview: "Mein Berater rief mich an und fragte, ob ich noch ganz sauber ticke"

Von Stanislav Schupp
Christopher Schorch steht mit dem 1.FC Saarbrücken im DFB-Pokal-Halbfinale.

Apropos Nationalmannschaft. Sie spielten in den U-Nationalmannschaften unter anderem an der Seite von Toni Kroos, Ilkay Gündogan und Thomas Müller. Konnte man bei ihnen früher schon erkennen, dass sie einmal auf diesem Niveau spielen werden?

Schorch: Damals war Müller noch nicht so weit. Er war bei uns Ersatzspieler, obwohl wir vorne im Sturm nicht solche Granaten hatten, wie er jetzt eine ist. Da sieht man auch, wie der Fußball funktioniert. Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und im richtigen Moment abliefern.

Wie war es bei Kroos?

Schorch: Toni hat früher in der Juniorennationalmannschaft gesagt: 'Schorchi, egal was ist, spiel' mir jeden Ball zu'. Ich mag es, ihm zuzuschauen. Diese Spielintelligenz hatte er schon in der Jugend. Es ist einfach geil anzusehen, wenn ein Spieler im Mittelfeld so geil aufdreht, jeden Ball haben will und quasi ausschließlich die richtigen Entscheidungen trifft. Toni ist vom Kopf her sehr schnell, das ist seine größte Stärke. Genauso ist es bei Ilkay. Wie die beiden das Spiel lesen können, da herrscht einfach eine ganz andere Mechanik als bei einem Großteil der anderen Spieler.

Im Laufe Ihrer Karriere haben Sie gegen zahlreiche Top-Stürmer verteidigt. Wer war Ihr härtester Gegenspieler?

Schorch: Auf jeden Fall Robert Lewandowski. Der war unfassbar. Edin Dzeko, Grafite und Diego hatten aber auch große Klasse.

Und Ihr bester Mitspieler?

Schorch: Lukas Podolski. Er war in Köln ein Ausnahmespieler, der immer seine Leistung abgerufen hat. Er war der Beste und Stärkste. In Köln gab es auch Maniche, aber der hat leider nicht das abgerufen, was man von ihm erwartet hat.

Schorch: DFB-Pokal? "Wenn du so etwas erreichst, steckt eine unfassbare Geschichte dahinter"

Im vergangenen Sommer unterschrieben Sie beim 1.FC Saarbrücken. In der Regionalliga sind Sie aktuell mit sechs Punkten Vorsprung Tabellenführer, außerdem stehen Sie mit dem FCS im Halbfinale des DFB-Pokals. Wie schafft man den Spagat zwischen dem Sensationserfolg und der Pflichtaufgabe Aufstieg?

Schorch: Pokalspiele sind Highlight-Spiele, aber unser Fokus war und ist immer die Liga. Im Pokal kann man Saarbrücken überregional bekannt machen, unser größter Ansporn ist aber die Rückkehr in den Profifußball.

Auf dem Weg ins Halbfinale setzten Sie sich gegen jeweils zwei Zweit- und Erstligisten durch. Haben die Gegner Sie zu sehr auf die leichte Schulter genommen?

Schorch: Genau so ist es. Sie denken: Das schaffen wir sowieso. Höherklassige Mannschaften haben immer im Hinterkopf, dass sie eine höhere Qualität haben. Man sieht aber immer wieder, wie schwer sich diese Vereine dann am Ende tun.

Als Underdog haben Sie in keinem Spiel gemauert, sondern mutig nach vorne gespielt.

Schorch: Wir haben einige Spieler, die schon höherklassig gespielt haben und auf die unterschiedlichsten Weisen in der vierten Liga zusammengekommen sind. Jeder Spieler hat immer noch eine unfassbare Qualität - und das merkt man vor allem, wenn man gegen höherklassige Mannschaften spielt. Wir können in keinem Spiel 90 Minuten vorne draufgehen, das schafft keine Mannschaft der Welt. Aber wir wollten zeigen, dass mit uns zu rechnen ist, gerade zu Beginn. Wenn du am Anfang merkst, dass du mithalten und bestehen kannst, kommst du in einen Flow, und der bestimmt dann, wie lange du es schaffst, bis du dich das erste Mal zurückziehen musst. Wenn du den Bus parkst und nur am Sechzehner verteidigst, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Tor fällt.

Im Viertelfinale gegen Düsseldorf ging es nach einem dramatischen Spiel in ein noch dramatischeres Elfmeterschießen, in dem Ihr Keeper Daniel Batz vier Strafstöße parierte. Was geht einem als Spieler in so einem Moment durch den Kopf?

Schorch: So eine Dramatik habe ich noch nie erlebt. Verschießen, treffen, verschießen. Ich musste treffen, damit wir überhaupt noch eine Chance haben. Dann hält Batz den Elfmeter von Kevin Stöger in unfassbarer Manier, und der nächste von uns jagt dann den Ball in die Schweiz. Das war der Wahnsinn. Wenn du so etwas erreichst, steckt eine unfassbare Geschichte dahinter. Nach dem Spiel haben wir mit der Mannschaft bis in die Morgenstunden in einer Bar gefeiert. Irgendwann kamen die Ultras dazu. Wir haben uns das Spiel dann nochmal gemeinsam re-live reingezogen, da herrschte eine unfassbare Stimmung.

Schorch: "Sonst wäre das Wettbewerbsverzerrung"

Sie haben auch im Elfmeterschießen im Achtelfinale gegen den KSC den entscheidenden Strafstoß verwandelt. Waren Sie schon immer ein sicherer Elfmeterschütze?

Schorch: Ich durfte in Cottbus Elfmeter schießen, aber nur, wenn Richard Sukuta-Pasu sein Tor bereits gemacht hatte (lacht). Auch in den U-Nationalmannschaften habe ich eigentlich immer die Elfmeter geschossen.

Hatten Sie dabei auch mal Versagensängste?

Schorch: Vor dem Elfmeterschießen gegen Karlsruhe haben wir uns gesagt, dass wir ein geiles Spiel abgeliefert haben. Wir haben uns vorgenommen, diese Momente einfach zu genießen und die Dinger reinzuknallen. Ich war die ganze Zeit tiefenentspannt - bis unser Stadionsprecher auf meinem Weg zum Elfmeterpunkt ins Mikrofon geschrien hat: 'Los Schorchi, jetzt schieß' uns ins Viertelfinale.' Da ging der Puls natürlich hoch (lacht).

Einige Bundesligisten haben das Training wieder in Kleingruppen aufgenommen, während der Spielbetrieb bis mindestens 30. April pausiert. Die Regionalliga hingegen ist bis auf Weiteres unterbrochen, auch trainieren dürfen Sie aktuell nicht. Sehen Sie mit Blick auf das Pokal-Halbfinale einen Nachteil?

Schorch: Wenn genehmigt wird, dass Bundesliga-Klubs wieder trainieren dürfen, sollte das auch für uns gelten. Sonst wäre das Wettbewerbsverzerrung.

Wie bewerten Sie die Situation mit Blick auf einen möglichen Saisonabbruch in der Regionalliga?

Schorch: Unser wichtigstes Ziel ist der Aufstieg. Diesen müssen wir entweder spielerisch erreichen, sofern es weitergeht, oder indem der Verband die richtige Entscheidung trifft. Wenn die Saison abgebrochen wird, muss man anerkennen, dass wir knapp zwei Drittel der Saison abgeliefert haben und die Saison auch entsprechend werten. Hätten wir noch 15, 16 offene Spiele, würde ich das anders sehen.

Sie leisten gemeinsam mit Ihrer Freundin Einkaufshilfe für gefährdete Menschen. Darüber hinaus haben Sie zuletzt zwei Trikots versteigert, der Erlös soll an die Initiative WeKickCorona gehen. Spielen noch weitere Überlegungen hinsichtlich Unterstützung während der Corona-Phase eine Rolle?

Schorch: Ich versuche, zu helfen, wo ich kann. Ich fahre zum Beispiel 14 Kilometer, um meine Brötchen in einer Bäckerei eines Bekannten zu holen, damit ich ihn irgendwie unterstütze.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung