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Fussball

Max Eberl im "kicker meets DAZN"-Podcast: "Auf dem Fußball wurde viel Müll abgeladen"

Von Filip Knopp
Eberl hat kein Verständnis für die Kritik an Löw.

Max Eberl hat sich im "kicker meets DAZN"-Podcast für mehr Demut und Sachlichkeit im Fußball ausgesprochen. Dass dieser im Zuge der Corona-Pandemie "als Feindbild auserkoren" worden sei, habe den Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach bestürzt.

Der 47-Jährige äußerte sich zudem zu der hohen Belastung für die Spieler angesichts der kurzen Sommerpause, dem Kampf um Trainer Marco Rose und der Erwartungshaltung in Mönchengladbach.

Max Eberl über ...

... das 1:1 gegen Union Berlin und den Saisonstart: "Man muss fairerweise sagen, dass Union fast fehlerlos gespielt hat. Andersherum kann man sagen: Wir haben es in unserem Tempo und in unserer Dynamik nicht geschafft, den Gegner in Unordnung und Wallung zu bringen, wie wir es normal können. Es zeigt, dass wir noch einiges zu tun haben, obwohl wir eine sehr gute Mannschaft und sehr gute Ausgangslage haben. Es geht nicht mit Reden, sondern Arbeit auf dem Platz. Das ist die Quintessenz von dem Spiel."

... das nahende Derby gegen den 1. FC Köln: "Unser Ziel ist, gut vorbereitet in das Spiel zu gehen. Die Spiele gegen Dortmund und Union waren nicht schlecht, sie waren nur nicht so erfolgreich, wie wir uns das vorgestellt hatten. Auch letzte Saison lief zum Start nicht alles rund. Wenn wir unsere Spieler weiter fit bekommen, haben wir auch eine sehr gute Chance, in Köln zu gewinnen."

Max Eberl: Belastung "am Rande der Vertretbarkeit"

... die Belastung durch die kurze Erholungszeit zwischen den Saisons: "Es ist am Rande der Vertretbarkeit. Wir spielen eine Saison, wo wir einen Monat später anfangen. In diese Zeit wird dann aber ein Länderspiel mehr reingepackt. Man versucht, die Anzahl der Spiele zu schaffen, mit einem Monat weniger, ohne Winterpause. Mit der Europameisterschaft im Sommer, der danach folgenden Saison und dann der Winter-WM in Katar - da kommt auf alle eine extreme Belastung zu. Wir werden ab Oktober alle drei Tage spielen. Damit muss man sorgsam umgehen, um die Belastung zu verteilen und zu ermöglich, dass die Spieler im Bestfall trotzdem Top-Leistungen bringen können. Wir sollten alle gemeinschaftlich gucken, dass wir diese Spiele und Wettbewerbe so laufen lassen, dass es eben auch ein schöner Wettbewerb ist und er nicht 'durchgeprügelt' wird."

... die Erwartungshaltung in Mönchengladbach: "Das wird die größte Herausforderung für uns sein. Wir sind in den letzten zehn Jahren sehr viele und große Schritte gegangen. Jetzt werden die Schritte kleiner, weil die Luft auch immer dünner wird. Durch die neuen Erwartungshaltungen um uns herum aufgrund der Ausgangslage, des Kaders und des sportlichen Erfolgs aus der letzten Saison ist das eben das große Thema. Damit müssen und wollen wir auch umgehen. Das sind ganz neue Erfahrungen."

... die Kommunikation der Saisonziele nach außen: "Kommunikation ist ein extrem wichtiges Thema. Man sieht es ja bei dem einen oder anderen Verein, dass Misskommunikation zu Problemen führen und es dadurch unruhig werden kann. Mit Kommunikation kann man einen Verein in ruhigeres Fahrwasser bringen. Neben der Kaderplanung für eine neue Saison gehört das Resümee einer alten Saison dazu, man betrachtet die Bundesliga und dann sagt man für sich: Okay, wo stehe ich und wie wollen wir es nach außen kommunizieren? Was ist realistisch? Wir können sehr viel erzählen und selbstbewusst auftreten, tatsächlich müssen wir es aber auch leben und auf dem Platz zeigen."

Die Platzierungen von Borussia Mönchengladbach in der Eberl-Ära

SaisonPlatzierung in der Bundesliga
2008/0915
2009/1012
2010/1116
2011/124
2012/138
2013/146
2014/153
2015/164
2016/179
2017/189
2018/195
2019/204

Eberl über Kritik am Geschäft Fußball: "Uns geht es um dieses Spiel"

... die Leistungsträger, von denen keiner abgegeben wurde: "Wir haben sehr früh und klar kommuniziert, dass wir das nicht tun werden und auch nicht müssen. Mit Saisonende hatten wir kein Angebot auf dem Tisch von irgendeinem Verein für irgendeinen Spieler. Natürlich gab es mal den einen oder anderen, der noch mal lose nachgefragt hat. Aber für uns war schnell klar, dass es wir es nicht tun wollen, und das hat auch jeder verstanden."

... die Kritik am Fußball im Zuge der Corona-Pandemie mit dem Vorwurf, er würde für sich eine Sonderstellung in der Gesellschaft beanspruchen: "Ich bin ein Kind des Fußballs und war teilweise schockiert, wie über den Fußball gesprochen, wie abgerechnet wurde. Ich hatte das Gefühl, dass alle darauf gewartet haben, endlich mal dieser Geldmaschine richtig die Stirn zu bieten. Im Fußball verdienen wir natürlich gutes Geld, aber tatsächlich geht es uns um dieses Spiel. Darum, ein Wochenende positiv zu gestalten, den Gegner zu schlagen. Es hat mich echt getroffen, dass auf dem Fußball so viel Müll abgeladen und er ein Stück weit als Gesicht des Bösen dargestellt wurde. In der Corona-Zeit wurde der Fußball von vielen Parteien als gemeinsames Feindbild auserkoren. Es wurde sehr viel Demut proklamiert. Da würde ich mir auch wünschen, dass man im Umkehrschluss mit diesem Abrechnen an jedem Spieltag - wer ist gut, wer ist schlecht, wer muss an den Pranger, wer muss im schlimmsten Fall entlassen werden - auch etwas demütiger wäre und es viel mehr sachlich um dieses Spiel geht. Ist das Ergebnis positiv, ist vieles oder alles gut. Ist es negativ, ist vieles schlecht. Das ist mir teilweise zu einfach."

Eberl über Marco Rose: "Wir mussten um ihn kämpfen"

... das Zustandekommen von Treffen mit potenziell neuen Trainern wie zuletzt bei Marco Rose: "Erstmal versucht man, einen Ort zu finden, wo man ausschließen kann, dass man gesehen wird, um die Thematik ruhig zu halten. Es sind Hotels, wo man sich dann erst abends trifft. Wenn es schon zu einem Treffen kommt, ist ja grundsätzlich ein Gedanke da, dass man sich etwas vorstellen könnte. So geht man auch in dieses Gespräch rein. Man lernt sich kennen und steigt sehr schnell in die Thematik Fußball ein. Ich stelle unseren Verein gerne vor, die Geschichte. Ich beschreibe, was wir die letzten Jahre geleistet haben, was Borussia Mönchengladbach für ein großer Verein in Deutschland und Europa ist. Dann möchte ich mit dem Trainer über seine Ideen sprechen. Ich möchte auch den Menschen verstehen und kennenlernen. Sowohl bei Spielern als auch beim Trainer möchte ich ein möglichst großes Bild haben, um die Wahrscheinlichkeit, dass es schiefgehen könnte, zu minimieren. Bei Marco waren es, wie bei anderen Kollegen auch, super angenehme Gespräche. Ganz locker, nichts Steifes. Im Nachgang telefoniert und trifft man sich noch ein zweites Mal, wo es mehr um Details geht."

... die Verpflichtung von Rose: "Wir mussten um Marco kämpfen, denn er war nicht umsonst ein sehr beliebter Trainer auf dem deutschen Markt. Zu dem Zeitpunkt haben viele Vereine gesucht. Wir haben gekämpft, aber ich habe auch gesagt: Ich wäre enttäuscht, aber es ist kein Problem, wenn man sich anders entscheidet. Ich will und wünsche mir, dass jeder Spieler und jeder Trainer wirklich überzeugt ist und auch Lust darauf hat. Wenn das nicht der Fall ist und Zweifel herrschen, soll man es lieber sein lassen."

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