Fussball

"kicker meets DAZN - Der Fußball Podcast" - Deniz Aytekin: "Bei Rassismus haben wir eine Null-Toleranz-Grenze"

Von SPOX
Denis Aytekin debütierte 2008 in der Bundesliga, seit 2011 ist der FIFA-Schiedsrichter.

In der neuen Ausgabe von "kicker meets DAZN - Der Fußball Podcast" spricht FIFA-Schiedsrichter Deniz Aytekin über die Vorkommnisse des Wochenendes, Rassismus in Deutschland und Stolperfallen für ihn und seine Berufskollegen.
 

Deniz Aytekin...

... über die Proteste beim Spiel Hoffenheim gegen den FC Bayern: "Wir Schiedsrichter haben mit dem Drei-Stufen-Plan klare Anweisungen, sowohl national als auch international. In diesem Fall war es absolut richtig, den Plan anzuwenden. Denn eine einzelne Person so massiv anzugehen, das hat mit Fußball gar nichts mehr zu tun. Es muss zukünftig jeder seinen Beitrag leisten, dass so etwas im Stadion nicht mehr vorkommt."

... über die Umsetzung dieses Plans beim Thema Rassismus: "Das Problem dabei ist, dass wir Schiedsrichter die Vergehen erst einmal mitbekommen müssen. In der ersten Stufe würden wir bei Beleidigungen oder rassistischen Äußerungen das Spiel sofort stoppen und umgehend eine Stadiondurchsage veranlassen, damit das aufhört. Wenn es nicht aufhört, würden wir in der zweiten Stufe mit den Mannschaften den Platz verlassen. Und am Ende kann das dann in Stufe 3 zum Spielabbruch führen. Das will keiner. Aber bei Rassismus haben wir eine Null-Toleranz-Grenze."

... über ein mögliches, eigenständiges Verlassen des Platzes einer Mannschaft: "Wir können ja niemanden zwingen, Fußball zu spielen. Sollte sich ein Verein dazu entschließen, dann respektiere ich das. Alles andere müsste die Sportgerichtsbarkeit im Nachgang entscheiden."

... über Beleidigungen gegen Schiedsrichter: "In meinen Anfängen wurde ich in manchen Stadien schon beim Warmlaufen so dermaßen ausgepfiffen und beleidigt, dass ich meinen Assistenten schon vorm Herausgehen gesagt habe, dass sie gleich wissen werden, was es bedeutet, wenn man Hass anfassen kann. Das ist der Wahnsinn. Ich habe für mich schnell gelernt, das auszublenden. Denn am Ende wird ja nicht Deniz Aytekin persönlich, sondern der Schiedsrichter attackiert."

Deniz Aytekin: "Was ich da erlebe, ist wirklich manchmal nicht schön"

... über den Antrieb, als Schiedsrichter aktiv zu sein: "Man braucht eine große Leidenschaft für den Fußball. Schiedsrichter zu sein, ist dazu eine ganz besondere Herausforderung. Mein Sohn spielt in der D-Jugend. Was ich da erlebe, ist wirklich manchmal nicht schön. Die große Kunst ist es, immer weiterzumachen. Dafür stelle ich die positiven Erlebnisse vorne an."

... über seine persönliche Entwicklung seit seinem ersten Bundesliga-Einsatz 2008: "Ich bin wesentlich gelassener geworden in meiner Körpersprache und meiner Ansprache an die Spieler. Je mehr Erfahrungen man hat, desto mehr Automatismen greifen und desto mehr nimmt man wahr, weil man weniger mit sich beschäftigt ist. Ich genieße jedes Spiel und die Schönheit des Fußballs. Diese Leidenschaft und den Spaß versuche ich an junge Schiedsrichter weiterzugeben."

... über den Job als Schiedsrichter: "Man muss sich bewusst machen, dass Fehler dazugehören. Die große Kunst ist es, in wichtigen Spielen so wenige wie möglich davon zu machen. Ich habe es bis heute nicht geschafft, ein Spiel fehlerfrei zu leiten. Ich weiß nicht, ob ich es irgendwann schaffen werde. Es passiert einfach. Daraus muss man lernen und sich wieder aufs nächste Spiel freuen."

Deniz Aytekin: "Das Auge ist limitiert"

... über die Spielvorbereitung als Schiedsrichter: "Wir haben Zugriff auf diverse Portale und können uns Videoaufzeichnungen der Mannschaften anschauen. Für uns ist das Umschaltspiel dabei entscheidend. Das kann uns das Genick brechen, wenn ein Ball auf einmal ganz schnell nach vorne gespielt wird und wir, weil wir nicht richtig antizipiert haben, 60 Meter weit weg stehen. Deshalb schauen wir, wie das Verhalten der Mannschaften bei einer Balleroberung ist, ob ein Kurzpassspiel bevorzugt wird oder viele lange Bälle geschlagen werden. Ich schaue auch, wie die Standardsituationen ausgeführt werden, wie Eckbälle und Freistöße getreten werden."

... über härteres Durchgreifen mit schnelleren Gelben Karten: "Wenn ein Spieler mich verbal attackiert und mich behandelt, als wäre ich der letzte Idiot, dann habe ich auch schon vorher keine Anweisung benötigt, um ihn zu verwarnen. So eine Außenwirkung möchte ich auf dem Platz einfach nicht haben. Wenn es im Rahmen war, löse ich das im Gespräch. Durch die neue Regel ist aber zum Beispiel das Ballwegschlagen immer konsequent zu verwarnen. Da hatten wir vorher einen Ermessensspielraum."

... über die Stolperfallen für Schiedsrichter: "Als Schiedsrichter schaue ich meist auf die Füße, also dahin, wo der Ball auch ist. Wenn dann ein Spieler aber zeitgleich oben mit dem Arm ausschlägt, dann bekomme ich das vielleicht nicht mit, weil ich so fokussiert bin. Dann sagen die Fans natürlich, wie kann er so eine klare Aktion nicht ahnden. Das ist dann über die Teamarbeit mit den Assistenten geregelt. Von denen bekomme ich die Ansage, dass oben alles sauber ist. Aber wenn der Assistent sich gerade aufs Abseits konzentrieren muss, können solche Dinge leider durchrutschen. Unser Auge ist limitiert und kann nur einen bestimmten Bereich wahrnehmen."

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