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Fussball

"Ich muss nicht mit Wehmut zurückblicken"

Von Interview: Fatih Demireli
Hamit Altintop erzielte sein einziges Pflichtspieltor für Galatasaray auf Schalke
© getty

Drittes Fußball-Land, dritte Meisterschaft für Hamit Altintop: Nachdem der Türke schon mit Bayern München und Real Madrid Titel feierte, holte Altintop mit Galatasaray die 19. Meisterschaft. Im Interview spricht der 29-Jährige über die Erfolgssaison und sein Tor auf Schalke. Außerdem rätselt er, warum David Alaba über Galatasaray twittert.

SPOX: Hamit Altintop, herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft. Galatasaray hat den 19. Titel zwei Spieltage vor Schluss perfekt gemacht. War es leichter als gedacht?

Hamit Altintop: Wir haben in der Hinrunde noch etwas inkonstant gespielt. Viele neue Spieler, ich inbegriffen, mussten integriert werden. In der Rückrunde haben wir besser gespielt und die Punkte konstant geholt. Es ist eine verdiente Meisterschaft. Aber ich hoffe, wir werden nächstes Jahr noch besser, noch konzentrierter. Dann können wir auch in der Champions League mehr erreichen.

SPOX: War Ihr Bruder Halil, der bei Trabzonspor spielt, der erste Gratulant?

Altintop: Wir telefonieren nach wie vor drei Mal am Tag. Wir haben nach dem Spiel gesprochen und er hat mir natürlich gratuliert. Ich hoffe, dass Trabzonspor das Pokalfinale erreicht. Dann kann er auch mit einem Pokal in den Sommerurlaub gehen.

SPOX: Trabzon liegt 1200 Kilometer Luftlinie entfernt. Wie oft sehen Sie sich?

Altintop: Endlich konnte ich ihn nach neun Monaten mal in Trabzon besuchen. Er hat mich öfters besucht als ich es bis jetzt tun konnte. Natürlich ist die Bindung noch sehr eng. Er ist sehr glücklich verheiratet und hat zwei Kinder.

SPOX: Er ist ein Jahr vor Ihnen in die Türkei gewechselt. Sie sind jetzt gefolgt und haben im ersten Jahr die Meisterschaft geholt und das Viertelfinale der Champions League erreicht. Haben Sie alles richtig gemacht?

Altintop: Das war eine Entscheidung der vollen Überzeugung. Ich habe all die Jahre immer betont, dass die Türkei eine Option für mich ist, um einen Beitrag für die Entwicklung zu leisten. Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe und nicht mit Wehmut zurückblicken muss. Das war eine durchdachte Sache, so wie es bisher immer in meiner Karriere war: Das war vor meinem Wechsel vom FC Bayern zu Real Madrid genauso wie auch bei meinem Transfer nach München.

SPOX: In Ihre Person wurden bei Galatasaray große Erwartungen gesetzt. Wie schwer war es, diesen gerecht zu werden?

Altintop: Es war keine sehr gute Saison von mir, aber es war eine erfolgreiche. Ich konnte zur positiven Entwicklung in dieser Saison beitragen und nur das zählt. Wichtig war, dass ich nach zwei Jahren wieder mehr als 40 Spiele machen konnte. Nächstes Jahr darf man eine Steigerung erwarten.

SPOX: Sie kennen Fatih Terim seit Jahren von der Nationalmannschaft. Sie beide haben eine sehr spezielle Bindung. Wie wichtig war er in dieser schwierigen Phase?

Altintop: Er war sehr, sehr geduldig mit mir. Ich hatte anfangs keinen Rhythmus, weil ich erst eine schwere Verletzung an der Bandscheibe überstanden hatte und zuvor kaum spielte. Ich habe in den ersten Monaten Zeit gebraucht, aber die Kommunikation mit dem Trainer hat gestimmt und deswegen war es für mich einfacher reinzukommen.

SPOX: Sie haben davor eine Saison bei Real Madrid gespielt. War die Erfahrung wichtig?

Altintop: Das kann ich heute noch nicht beurteilen. Aber wenn man sich als Sportler und als Persönlichkeit weiter entwickeln will, jeden Tag auf einem sehr hohen Niveau arbeitet, kann das eigentlich nur Vorteile haben.

SPOX: War es also kein verlorenes Jahr?

Altintop: Definitiv nicht.

SPOX: Gegen Real Madrid ging es dann in der Champions League mit Galatasaray. Was war denn das Saison-Highlight für Sie: Die Meisterschaft, das Traumtor auf Schalke oder die Duelle mit Real?

Altintop: Die Meisterschaft ist immer die Basis. Die anderen Faktoren sind ein Bonus, aber auch schöne Erinnerungen.

SPOX: Vor dem Tor gegen Schalke haben Sie wettbewerbsübergreifend acht Mal Pfosten oder Latte getroffen. Hatte das Tor eine befreiende Wirkung?

Altintop: Ach ja, die Pfostenphobie (lacht)... Es war befreiend, aber vielmehr war es wichtig, weil wir auch dank dieses Tores weitergekommen sind.

SPOX: Sie haben eingangs die Transfers des Klubs angesprochen: Welche Rolle haben Wesley Sneijder und Didier Drogba gespielt?

Altintop: Das haben gerade diese Spiele gezeigt. Wir waren flexibler und konnten auch offensiver agieren. Wir haben gegen Real Madrid und gegen Schalke mit einer Raute im Mittelfeld 4-4-2 gespielt. Das macht kaum noch eine Mannschaft, dafür braucht man das nötige Spielverständnis und Spielwitz. Das waren sehr gute Investitionen des Klubs.

SPOX: Drogba hat sich auch als Teamleader gleich hervorgetan.

Altintop: Didier ist ein hervorragender Typ. Er ist ein Spieler mit extrem viel Erfahrung und er gibt der Mannschaft sehr viel. Wir sind sehr zufrieden mit ihm.

VIDEO: Didier Drogba auf der Meisterfeier von Galatasaray

SPOX: Der Name Drogba weckt in München keine guten Erinnerungen. Wie oft schauen Sie eigentlich noch, was der FC Bayern so treibt?

Altintop: TRT zeigt alle Bayern-Spiele live. Ich schaue mir nicht alles an, aber die wichtigen Spiele verfolge ich schon noch: Bayern gegen Barca zum Beispiel. Ich wünsche all meinen Ex-Mannschaften viel Erfolg. Man hat zusammengearbeitet, hat an einem Strang gezogen und hat etwas geteilt.

SPOX: Wie rege ist noch der Kontakt nach München?

Altintop: Das wird mit jedem Jahr etwas weniger, aber zum Zeugwart oder zu den Physios habe ich schon noch hier und da Kontakt.

SPOX: David Alaba twittert relativ viel über Galatasaray, freut sich beispielsweise über Tore. Wissen Sie woher seine Sympathie für Gala kommt?

Altintop: Ich weiß nicht, ob er jemanden kennt oder einfach nur ein riesen Drogba-Fan ist. Vielleicht liegt es ja auch an mir... (lacht)

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