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Fussball

Auswärtsspiel – die SPOX-Kolumne: Wie Joan Laporta den neuen FC Barcelona schönredet

Von Fatih Demireli
Laporta und Xavi wollen Barca in eine bessere Zukunft führen.

Der FC Barcelona hat Milliarden Schulden und ist trotz positiver Entwicklung der Fußball-Mannschaft noch weit weg von der Spitze. Doch Barcelonas Präsident Joan Laporta versteht es wie kein anderer einen frischen Wind wehen zu lassen. Auch dank Xavi Hernandez.

Vor knapp über einem Jahr hat der FC Barcelona einen neuen Präsidenten gewählt. Victor Font, ein damals 48 Jahre alter Geschäftsmann, stellte sich zur Wahl auf und erzählte, wie er mit völlig neuen Methoden dem Weltklub wieder auf die Beine helfen will.

Er sprach von Innovation, von Mitspracherecht der Mitglieder, von Demokratie, von Transparenz, von komplett neuen Wegen der Klubführung. Rund 55.000 Barcelona-Mitglieder wählten dann Joan Laporta, der all das nicht versprochen hatte.

Laporta ließ sein Charisma spielen, ließ die Muskeln der Nostalgie spielen. Sein Narrativ war: "Ich bin der Typ, mit dem ihr damals zweimal die Champions League gewonnen habt. Das sollte reichen!" Beim stolzen Barcelona-Volk, das sich an die erfolgreichen Jahre zurücksehnte, kam die Message an und sie wählten ihn mit überwältigender Mehrheit.

Ohne ihn häufte Barcelona Milliarden-Schulden an, hatte einen unzufriedenen Lionel Messi, der unter dem ehemaligen Vorstand um Josep Bartomeu nicht mehr spielen wollte und es fehlte die Perspektive, wie der Klub gesund wird.

FC Barcelona: Wieder etwas mehr Barca-Fußball unter Xavi

Heute, ein Jahr später, hat Barcelona immer noch Milliarden-Schulden, Messi ist weg und über die Perspektive, das Barcelona finanziell gesund wird, lässt sich streiten. Doch wer Laporta zuhört, könnte manchmal denken, dass der Klub überhaupt keine Probleme hätte.

"Wir sind wieder da", posaunte er zu Jahresbeginn, als der FC Barcelona Ferran Torres für 45 Millionen Euro von Manchester City verpflichtete, kurz nachdem man Samuel Umtiti das Gehalt kürzen musste, damit der Transfer überhaupt offiziell werden kann. Trotz finanzieller Probleme baute er den Kader im Winter gehörig um, holte nach Torres auch Pierre-Emerick Aubameyang oder Adama Traore und lässt zumindest wieder etwas mehr Barca-Fußball erkennen.

Viel mehr als unter Quique Setien oder Ronald Koeman, die aber auch überhaupt keine Chance hatten, in der Finsternis, die beim Klub aufgrund vieler politischer Themen herrschte, nachhaltig erfolgreich zu arbeiten und letztlich gescheitert sind.

Laporta dagegen wusste, dass jeder noch so gute Plan, den Klub zur alten Stärke zu führen, nur über den sportlichen Erfolg führen kann. Die besten Finanzprojekte, die größten Deals werden die dunklen Wolken nicht vertreiben, wenn die die Herren-Fußballmannschaft ein trostloses Dasein fristet.

Barca: Wie Xavi und Laporta mit den Namen Haaland spielten

So gesehen ist es keine Überraschung, dass Laporta den riskanten Weg geht und weiter nachhaltig am Kader arbeitet. Und noch weniger war es überraschend, dass er mit Xavi Hernandez einen Trainer holte, der an sein Barca von damals erinnert. Xavi bekommt die Kombination aus katalanischer Demut und Selbstvertrauen sehr gut hin.

Er spricht zwar immer von Entwicklung, von einer Vision, von jungen Spielern, die das Barcelona von Morgen prägen sollen und lässt seine Rolle dabei komplett außen vor. Aber wenn er wie zuletzt gefragt wird, ob es stimme, dass sich Borussia Dortmunds Erling Haaland für den FC Barcelona entschieden hat, verzieht er keine Miene und sagt voller Überzeugung: "Jeder Spieler auf der Welt will zum FC Barcelona."

Auch Laporta ließ keine Gelegenheit aus, sehr offensiv über Haaland aber auch über andere mögliche Topstars zu sprechen. Wohlwissend, dass gerade Haaland schwer zu holen ist. Dass er nun sagt, dass "auch wenn sich unsere Lage etwas gebessert hat", Barca "nichts tun werde, was die Finanzen des Vereins gefährdet" und sich damit vom Werben um Haaland schon wieder verabschiedet hat, ist für Laporta nicht weiter schlimm.

Barca: Joan Laporta kündigt Transfers für den Sommer an

Man hat in der Welt vernommen, dass Barcelona wieder da ist, dass sich der Klub um Haaland bemüht hat und wieder im großen Schwimmbecken mitschwimmt. Das reicht erstmal als Wirkung. Für den Rest wird es schon eine Lösung geben.

Laporta kündigte bei seiner Wahl Sparmaßnahmen an und geht, wie nun bei einem drohenden Paket von über 300 Millionen Euro, wie man es im Fall von Haaland erwartet, auch entsprechend zurückhaltend vor, aber nach außen hin, heißt es: Die Show geht weiter.

Denn so krank Barcelona auch ist, darf es an seinem Glanz nicht verlieren. Weder im Gesamtbild noch sportlich. So kündigt Laporta auch schon für Sommer - unabhängig von Haaland - die nächsten Schritte auf dem Transfermarkt an: "Wir arbeiten daran, die Mannschaft zu verbessern. Wir müssen eine Stufe höher gehen, um mit den Besten konkurrieren zu können."

Denn zu den Besten gehört Barcelona aktuell nicht mehr. Zwar hat man in der Primera Division zuletzt wieder aufgeholt und ist wieder auf Champions-League-Niveau, doch dass man aufgeholt 15 Punkte hinter Real Madrid steht, sagt alles. Dass Barcelona aus der Champions League ausgeschieden ist, auch.

FC Barcelona: Warum die Europa League so wichtig ist

Zwar erregt die Europa League auch bei den Katalanen die Hingabe, die einst Franz Beckenbauer für diesen Wettbewerb hegte, aber Trainer Xavi geht auch ganz offen mit dem Ziel um, den Titel zu holen. Beim Auswärtsspiel gegen Galatasaray (ab 18.45 Uhr im LIVETICKER) steht nach dem 0:0 im Hinspiel daher viel auf dem Spiel.

"Auch wenn es die Europa League ist", sagt Xavi, "wir wollen sie gewinnen." Und auch wenn es nur "die Tür zur Champions League öffnet".

Als das Aus in der Königsklasse nach einer Niederlage beim FC Bayern besiegelt war, sagte er noch in der Nacht im Münchener Pressesaal, dass die neue Barcelona-Ära "heute beginnt". Er nutzte den traurigsten Augenblick, um neue Euphorie zu entfachen. Seine Worte finden Gehör und wahrscheinlich ist insgeheim das Vertrauen größer in seiner Person als in jede andere - selbst mehr als bei Laporta.

Der Barcelona-Präsident sieht diesen Einfluss auch: "Xavi hat die Mentalität der Mannschaft verändert. Wir können sehen, dass es eine Zukunft gibt." Eine Zukunft, die sich nicht zuletzt durch den Deal mit dem Musik-Streamingdienst Spotify noch rosiger gestalten lässt. Bis zu 70 Millionen Euro jährlich soll Barcelona diese Vereinbarung einbringen, dafür wurden der Stadionname und die einst so heilige Brust des Trikots geopfert.

Bei der Verkündung sprach Präsident Laporta wie eine Pressemitteilung und sagte Dinge wie: "Wir sind sehr stolz, diese bahnbrechende Zusammenarbeit mit einer weltbekannten Marke wie Spotify ankündigen zu können." Die Vereinbarung ermögliche es, dass "Unterhaltung und Fußball kombiniert und gleichzeitig mehr Menschen auf der Welt erreicht werden".

Kein Wort von finanzieller Konsolidierung, kein Wort von Schuldenabbau. Mag sein, dass das ein ganz guter Nebeneffekt ist, auch wenn die Gesamtsumme nur ein Bruchteil vom großen Schuldenberg ist. Aber in der Erzählung des neuen FC Barcelona sagt man andere Dinge.

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