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Fussball

Als Jose Mourinho Tim Wiese zum Herausforderer von Iker Casillas bei Real Madrid machen wollte

Tim Wiese bereute seine Entscheidung gegen Real Madrid schnell.

Dass Wiese, damals 31, am Ende doch einen Wechsel nach Madrid ausschlug und sich stattdessen für die TSG Hoffenheim entschied, war seinem ursprünglichen Berater Roger Wittmann geschuldet. "Er sagte mir nach dem Gespräch mit Mourinho, dass bei solchen Personalgeschichten immer Reals Präsident entscheide", erzählte Wiese.

Weiter habe ihm Wittmann erklärt: "Wenn du einmal patzt, dann bist du raus und die Fans winken dir mit weißen Taschentüchern zu. Überleg dir das gut, du willst doch bestimmt noch einige Jahre spielen - und das wird bei Real definitiv schwierig werden. Willst du nur auf der Bank sitzen?"

Und da Casillas zu jener Zeit "ein heiliggesprochener Torwart" in Madrid gewesen sei, habe Wiese Mourinho abgesagt: "Mir war das irgendwie suspekt." Seine Entscheidung pro Hoffenheim stellte sich bekanntermaßen als fatal heraus.

Wiese bestritt nur elf Spiele für die Kraichgauer, ehe er abgeschrieben war und keinen Verein mehr im Profibereich fand. 2016 ließ der sechsfache Nationalspieler seine Laufbahn beim achtklassigen Kreisliga-Vertreter SSV Dillingen ausklingen. Das Fazit des heute 38-Jährigen: "Die Entscheidung gegen Real habe ich bitter bereut, spätestens nach dem Pokalspiel mit Hoffenheim in der ersten Runde beim Berliner AK, als wir 0:4 untergegangen sind. Da habe ich nur gedacht: Scheiße!"

Erst Adan, dann Lopez: Mourinho wollte Casillas nicht

Und Mourinho? Soll, so erzählt man sich in Madrid noch heute, aus allen Wolken gefallen sein, als Wiese ihm einen Korb gab. Er hatte keine andere Alternative mehr in der Hinterhand, rechnete fest mit der Zusage seiner Neuer-Alternative. Ersatzkeeper Antonio Adan war zu schwach, um ihn Casillas direkt zu Saisonbeginn vor die Nase zu setzen. Weil der spanische Welt- und Europameister in Mourinhos Augen aber nicht gut genug trainierte und Real im Laufe der Hinrunde schlechte Ergebnisse erzielte, entschloss sich der Trainer kurz vor Weihnachten 2012 doch noch zu dem drastischen Schritt, Adan zur Nummer eins zu befördern.

Das löste die Staatsdebatte aus, die er ein halbes Jahr zuvor eigentlich vermeiden wollte, bis er im Januar Diego Lopez von Ligakonkurrent FC Sevilla verpflichtete. Lopez, wie Casillas ein Real-Eigengewächs, war weitaus erfahrener und stärker als Adan, wodurch Mourinho den Verzicht auf "San Iker" auch den Fans gegenüber besser begründen konnte. Der Neuzugang beendete die Saison, wenn auch unter reichlich medialem Wirbel, als Stammkraft.

Da die Causa Casillas aber auch innerhalb der Mannschaft einige Spannungen hervorgerufen hatte, trat Mourinho im Sommer eigenmächtig zurück. Perez, der den Portugiesen noch bis zur Ankunft von Zinedine Zidane als "besten Trainer" seiner Zeit als Präsident betitelte, soll alles unternommen haben, um ihn zu halten - und wäre wohl auch bereit gewesen, Casillas dafür zu opfern.

Ärger mit Perez? "Casillas wollte Karriere in Madrid beenden"

Mourinho aber fürchtete, seine Autorität in der Kabine zu verlieren, da andere Führungsspieler wie Sergio Ramos, Marcelo oder Cristiano Ronaldo wenig begeistert von seinem Umgang mit der Vereinsikone waren. Zumal ihn sein Ex-Klub Chelsea mit einer Rückkehr an die Stamford Bridge lockte. So kam es zur Trennung Mourinho-Real statt Casillas-Real. Und "San Iker" erlangte unter Mourinhos Nachfolger Carlo Ancelotti seinen Status als Nummer eins zurück. Erst im Wechselspiel mit Lopez, dann im Wechselspiel mit Keylor Navas, ehe er sich im Juli 2015 aus Madrid verabschiedete und gen Porto weiterzog.

Dass sein Abschied im Bernabeu vor leeren Rängen und ohne eine ihm würdigen Zeremonie ablief, war wohl auch den Nachwehen der Fehde mit Mourinho geschuldet. Casillas' Mutter schimpfte aber vor allem auf Perez. Der Präsident habe ihren Sohn "nie gemocht", sagte sie. "Iker wollte seine Karriere eigentlich in Madrid beenden. Der Umgang mit ihm ist traurig."

"La Decima" mit Casillas, ohne Mourinho - und ohne Wiese

Heute, fünf Jahre später, sind die Wogen wieder geglättet. "Real Madrid ist Ikers Zuhause. Er darf jederzeit zu uns zurückkehren", meint Perez. Der Sportzeitung Marca zufolge würde der 73-Jährige den früheren Torwart gerne zu seinem persönlichen Berater ernennen. Eine ähnliche Rolle übernahm auch Zidane, ehe er sich für eine Trainerausbildung entschied.

"Ich bin dankbar für meine Karriere und die Leute, die sie mir in dieser Form ermöglicht haben", sagte der mittlerweile 39 Jahre alte Casillas. Zu diesen Leuten darf man in gewisser Weise auch Tim Wiese zählen, der Mourinhos Gedankenspiele mit seiner überraschenden Absage über den Haufen warf und so die Karriere von "San Iker" bei Real verlängerte. Eine Karriere, die 2014 unter Ancelotti auch noch in dem Erfolg gipfelte, auf den Mourinho so umtriebig hingearbeitet hatte: in "la Decima", dem zehnten Champions-League-Sieg.

Iker Casillas im Steckbrief

geboren20. Mai 1981 in Mostoles, Madrid, Spanien
Größe1,82 m
Gewicht84 kg
PositionTor
starker Fußlinks
StationenReal Madrid Jugend, Real Madrid, FC Porto
Profispiele Verein/Nationalelf881/167
Größte ErfolgeWeltmeister (2010), Europameister (2008, 2012), Champions League (2000, 2002, 2014), Spanischer Meister (2001, 2003, 2007, 2008, 2012), Welttorhüter (2008, 2009, 2010, 2011, 2012)
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