Fussball

Nabil Fekir: Das steckt hinter seinem mysteriösen Transfer zu Real Betis

Nabil Fekir wechselte von Olympique Lyon zu Real Betis.

Vor einem Jahr noch das Transferziel Nummer eins des FC Liverpool, heute der Sensationsneuzugang von Real Betis: Was hinter dem mysteriösen Wechsel des französischen Weltmeisters Nabil Fekir steckt.

So schlecht war das ja gar nicht. 1:1 nach 45 Minuten gegen den FC Barcelona im Camp Nou, Fekir selbst hatte den Treffer für seinen neuen Arbeitgeber erzielt.

Nach 90 Minuten schritt der französische Weltmeister jedoch mit gesenktem Kopf vom Platz. 2:5 lautete das Endergebnis aus Sicht von Real Betis. Es war für die Gäste bereits die zweite Niederlage im zweiten Spiel der noch jungen Saison in Spanien. Eine Niederlage, die einmal mehr zeigte, warum Betis seit Jahren vergeblich um eine Rückkehr in die europäische Elite kämpft.

Die Defensive ließ jegliche Stabilität vermissen, die Offensive jegliche Konsequenz. Am Ende war es aber auch eben der große FC Barcelona, der dem neu formierten Team des neuen Trainers Rubi da gegenüberstand. Der FC Barcelona, für den Fekir vor nicht allzu langer Zeit noch gut und gerne hätte spielen können. Im Sommer 2018 nämlich reihten sich die Katalanen in die lange Liste internationaler Topklubs ein, die den hochbegabten Techniker beäugten. Sie nahmen aber relativ schnell Abstand von dem Gedanken, sich ernsthaft um Fekir zu bemühen, weil dessen Arbeitgeber Olympique Lyon rund 60 Millionen Euro für ihn verlangte.

"Unser Messi": Lyon-Boss ließ Fekirs Liverpool-Traum platzen

Stattdessen sicherte sich Barca die Dienste von Malcom, der mittlerweile bei Zenit St. Petersburg unter Vertrag steht. Für Fekir war das kein Problem, zu dieser Zeit war er mit seinen Gedanken ohnehin schon in Liverpool. Der englische Traditionsklub beabsichtigte, Lyons Forderungen Folge zu leisten und erzielte mit dem Spieler eine Einigung. Fekir sollte die Nachfolge des heutigen Bayern-Stars Philippe Coutinho antreten, nahe der Anfield Road gingen schon Schals mit Fekirs Namen über die Theken inoffizieller LFC-Shops.

Kurz vor dem Abschluss des Transfers aber überkam Jean-Michel Aulas ein Moment der immer seltener werdenden Fußballromantik. Er verkündete zur Überraschung aller Beteiligten, dass das Eigengewächs nirgendwo hingehen werde. "Er ist unser Lionel Messi", sagte der Klubchef von OL über Fekir und verwies auf dessen bis 2020 datiertes Arbeitspapier. Der verbale Ritterschlag heiterte den Spieler nicht auf, er war erbost und traurig zugleich über seinen geplatzten Wechsel zu Jürgen Klopp, von Aulas in Aussicht gestellte Gespräche über einen besser dotierten Vertrag lehnte er prompt ab.

Fekir: Betis statt Klopp, 20 Millionen statt 60 Millionen

Immerhin machte Fekir aber dort weiter, wo er in der Vorsaison aufgehört hatte. Mit zwölf Toren und neun Vorlagen erwies sich der vielseitig einsetzbare Offensivspieler einmal mehr als wichtige Säule der Lyonnais. Die Chance, nach Liverpool zu gehen, stellte sich aber als einmalige heraus. Klopps Interesse war nach dem lang herbeigesehnten Champions-League-Sieg abgeklungen, obwohl Fekir wegen seines nahenden Vertragsendes in Lyon für 20 Millionen Euro zu haben war. Man munkelt, Liverpool habe in erster Linie wegen Fekirs anhaltender Knieprobleme Abstand von einem Transfer genommen. 2015 hatte er einen Kreuzbandriss am rechten Knie erlitten und fiel seitdem hin und wieder kurzfristig aus.

Ein Umstand, der auch andere Spitzenvereine wie Real Madrid und den FC Bayern davon abgehalten haben soll, ihre Bemühungen um Fekir zu intensivieren. Also unterschrieb der Linksfuß Ende Juli bei Real Betis, einem Klub, bei dem Anspruch und Wirklichkeit seit Jahren weit auseinander klaffen. Die Andalusier gurken trotz vergleichsweise hoher Investitionen im Mittelfeld der Liga herum, landeten in der zurückliegenden Spielzeit nur auf Platz zehn. Die Ankunft von Fekir löste folglich einen tagelangen Jubelsturm bei den Fans aus, die sich wieder nach dem Jahr 2005 sehnen, als der Klub Pokalsieger wurde und einen Champions-League-Platz erreichte.

Viele verstanden den Transfer trotzdem nicht, bezeichneten ihn als "Rätsel" oder "Sensation". Für Fekir, mit 26 Jahren im besten Karriere-Alter, machte er aber durchaus Sinn, denn er wollte unbedingt eine Veränderung in seiner Karriere vornehmen und sah die beste Möglichkeit dazu in Sevilla. "Nabil war schon immer ein Rebell. Er hat nach dem geplatzten Wechsel zu Liverpool mit Lyon abgeschlossen und sich geschworen, dass er nach der Saison ein neues Abenteuer im Ausland erleben möchte", erzählte Gerard Bonneau, sein ehemaliger Jugendtrainer bei OL, der spanischen Zeitung El Pais.

Fekir-Wechsel zu Betis: Auch eine Familienangelegenheit

Der Fußball in Spanien habe Fekir "schon als Jugendlicher begeistert", so Bonneau, weshalb er nach Informationen von SPOX und Goal im letzten Moment auch noch Anfragen der italienischen Klubs SSC Neapel und AC Mailand ablehnte. Dass seine Wahl auf Betis fiel, sorgte dennoch für Verwunderung, weil auch der erfolgreichere Klub aus Sevilla, der FC, Interesse an ihm zeigte. "Sevilla wollte mich, aber Betis war schneller. Ich bin jemand, der sein Wort hält", erklärte Fekir bei seiner Vorstellung im Estadio Benito Villamarin.

Um Geld ging es ihm offenbar nicht, bei den Verdiblancos soll Fekir nach Angaben der in Sevilla ansässigen Zeitung El Desmarque rund 3,5 Millionen Euro netto pro Jahr einstreichen. Bei OL hatte er nicht viel weniger verdient. Allerdings erfüllte ihm sein neuer Klub einen Herzenswunsch seiner Familie, der sich nicht mit Geld aufwiegen lässt. Yassin Fekir, sein vier Jahre jüngerer Bruder, durfte mit ihm in den Süden Spaniens wechseln. Aktuell trainiert er noch bei der zweiten Mannschaft von Betis mit, soll aber an einen andalusischen Klub verliehen werden, der höherklassig spielt. Der FC Cadiz, ein ambitionierter Zweitligist, gilt als möglicher Abnehmer für den Linksaußen, der auf 21 Minuten als Profi kommt. Vater und Berater Mohamed soll die treibende Kraft bei dem Deal gewesen sein.

"Familie ist sehr wichtig", wurde Hatem Rezigui, ein Vertrauter der Fekirs, nach dem Abschluss des Transfers von französischen Medien zitiert. "Dass Yassin mit Nabil geht, ist eine schöne Sache, aber nicht der Hauptgrund für den Wechsel. Es war mit Sicherheit kein Muss, Nabil hätte auch so bei Betis unterschrieben." Ob er seinen Fünfjahresvertrag erfüllt, sei einmal dahin gestellt. Er fokussiert sich darauf, den Klub zurück in einen europäischen Wettbewerb zu führen. Auch wenn es nach dem verpatzten Start mit der Klatsche in Barcelona sowie der 1:2-Heimpleite gegen Real Valladolid durchaus Grund zur Skepsis gibt.

Die nächsten fünf Spiele von Betis und Fekir

DatumUhrzeitWettbewerbGegner
31. August21.00 UhrLa LigaCD Leganes (H)
15. September21.00 UhrLa LigaFC Getafe (H)
20. September21.00 UhrLa LigaCA Osasuna (A)
24. September20.00 UhrLa LigaUD Levante (H)
27. September21.00 UhrLa LigaFC Villarreal (A)
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