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Fussball

"Messi ist physisch limitiert"

Lionel Messi wird gegen Real Madrid der Trumpf des FC Barcelona sein
© getty

SPOX: Trotz der von Ihnen angesprochenen Schwächen von Barca hinkt Real in La Liga deutlich hinter den Katalanen her. Woran liegt das?

Roncero: Das ist sehr schwierig und vermutlich nicht in wenigen Sätzen zu erklären. Ich glaube aber, dass Real Madrid sich recht früh auf die Champions League konzentriert hat. Und angenommen Real gewinnt in Barcelona, dann ist man bis auf sieben Punkte an Barca dran. Die Meisterschaft ist bei noch sieben verbleibenden Spieltagen also trotzdem noch drin.

SPOX: Der Start von Neu-Coach Zinedine Zidane hingegen verlief mehr als ordentlich. Glauben Sie, dass er auf lange Zeit der richtige Trainer für Real ist?

Roncero: Ja. Ohne Zweifel. Er ist der Beste. Zidane kennt die Mannschaft, den Klub und das Umfeld wie kaum ein anderer. Er kann sich noch gut in die Spieler hineinversetzen und kennt deshalb ihre Sorgen und Gedanken. Zudem versteht er das Spiel mit den Medien sehr gut. Das muss man in Spanien auch erst mal beherrschen. Er drückt sich bei den Pressekonferenzen immer sehr eloquent aus. Man merkt ganz einfach, dass er weiß, was er macht und hinter seinen Entscheidungen steht.

SPOX: Wie wird die Leistung von Toni Kroos in Madrid bewertet. Ihm wird ja oft vorgeworfen, dass er das Spiel verschleppt und langsam macht.

Roncero: Mir gefällt die Spielweise von Kroos sehr gut, auch wenn er nicht den spektakulärsten Fußball spielt. Er ist ein unglaublich kompletter Fußballer und wichtig für das Spiel. Bei Real spielt er im defensiven Mittelfeld. Ich glaube, dass er etwas offensiver spielen sollte. Dort würden seien Fähigkeiten noch deutlich besser zum Tragen kommen. Er ist ein sehr kreativer Spieler, der mit seinen Pässen den Unterschied ausmachen kann. Warum ihn also nicht eine Position weiter nach vorne stellen?

SPOX: Ist Kroos auch ein Schlüsselspieler für Samstag? Oder wer entscheidet El Clasico am Wochenende?

Roncero: Ich hätte natürlich gerne, dass Ronaldo das übernimmt (lacht).

SPOX: Ihm sagt man ja aber nach, dass er in den großen Spielen meist untertaucht.

Roncero: Das stimmt. Er macht eigentlich immer enorm viele Tore, in den wichtigen Spielen kann er das Level dann hin und wieder nicht halten. Aber am Wochenende wird Ronaldo einen guten Nachmittag im Camp Nou erwischen, da bin ich mir sicher.

SPOX: Beschreiben Sie ein wenig die Stimmung, die in Madrid während des Spiels herrscht.

Roncero: Die ist natürlich sehr, sehr speziell. Man merkt es in der Woche vor, während und nach einem Clasico in den Bars und den Restaurants. Dort ist es normal, dass man sich trifft und über Fußball plaudert. Wir Spanier lieben es, über Fußball zu philosophieren. Das ist Teil unserer Kultur. Und dann ist es klar, dass es nur ein Thema gibt, wenn Real gegen Barca spielt. Das Schöne ist, dass dann jeder auch eine eigene Meinung hat und diese in der ganzen Bar lautstark vertritt. Da kommt es schon mal zu hitzigen Diskussionen. Das macht das spanische Flair aus. Allerdings muss ich sagen, dass es dieses Jahr bislang ein wenig anders ist. Die Situation in der Liga gibt es noch nicht so wirklich her. Aber das kommt sicherlich noch.

SPOX: Trauen sich denn auch Barca-Fans in die Kneipen von Madrid?

Roncero: In Madrid gibt es nicht so viele Barca-Fans. Diese Stadt ist eigentlich nur in zwei Fanlager geteilt: Atletico- und Real-Fans.

SPOX: Wie ist die zahlenmäßige Verteilung?

Roncero: Ungefähr 65 Prozent der Einwohner von Madrid sind Anhänger von Real, zwischen 25 und 30 Prozent halten zu Atletico und eigentlich nur knapp 5 Prozent zu Barca. Das ist nicht wirklich viel. In Katalonien sieht es überraschenderweise etwas anders aus. Dort gibt es zwar auch nicht wahnsinnig viele Real-Fans, verhältnismäßig jedoch deutlich mehr als Barca-Fans in Madrid.

SPOX: Was macht die Feindschaft zwischen Real und Barca aus?

Roncero: Es ist ganz einfach die größte Rivalität des modernen Fußballs. Das hat sich über viele Jahre so entwickelt und ist tief in der Geschichte Spaniens verankert. Das ist auch speziell in den neunziger Jahren noch mal hochgekocht. Damals hatte Barcelona unter Cruyff vier Meisterschaften in Folge gewonnen. Allerdings muss ich sagen, dass für die Einwohner von Madrid seit einigen Jahren kurioserweise die Rivalität mit Atletico fast gleich stark ist.

SPOX: Gibt es global gedacht eine vergleichbare Rivalität in der Welt des Sports?

Roncero: Nein. Für mich ist es die größte Rivalität der Welt. Es gibt andere große Duelle im Fußball wie beispielsweise Boca gegen River, Milan gegen Inter oder Bayern gegen Dortmund. Aber das sind im Vergleich zum Clasico meist eher nationale Feindschaften. Das ist bei Real gegen Barca etwas anders. Das polarisiert die ganze Welt und lässt diese wie kaum ein anderes Sportereignis stillstehen.

SPOX: Ein objektiven Expertentipp zum Abschluss: Wer wird El Clasico dieses Jahr gewinnen und warum?

Roncero: Ich denke, dass Real das Spiel gewinnen wird. Sie werden eine Antwort auf das 0:4 im Hinspiel geben müssen und auch werden. Deshalb mein Tipp: 2:1 für Real Madrid.

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