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Fussball

"Willkür, Macht, Bosheit und Erfolg"

Von Daniel Reimann
Jose Mourinho war von 2010 bis 2013 Trainer von Real Madrid
© getty

SPOX: Vor jener bereits angesprochenen Partie 2011 gegen Barca hat Casillas die Mannschaft nach Mourinhos Ansprache aufgefordert, seine Instruktionen zu ignorieren. Angeblich waren alle einverstanden. Ist in diesem Moment die Beziehung zwischen Trainer und Team zerbrochen?

Torres: In diesem Moment ist nichts zerbrochen. Es kommt oft vor im Fußball, dass Fußballer entscheiden, auf eigene Faust zu handeln. Das war kein Bruch zwischen Mourinho und der Mannschaft. Es gab zwar einen Konflikt, aber das Team respektierte Mourinho weiterhin als Anführer und einen guten Trainer. Es dauerte zwei Jahre, bis fast das gesamte Team gegen Mourinho war.

SPOX: Welche Momente waren dabei entscheidend?

Torres: Zu Beginn seiner letzten Saison ging die Beziehung endgültig zu Bruch, als Mourinho öffentlich sagte, er habe kein Team und dass seine Spieler versagten. Er hat die Professionalität seiner Spieler öffentlich infrage gestellt. Von diesem Moment an war das Tischtuch zwischen Mourinho und seinen Spielern irreversibel zerschnitten. Mourinho distanzierte sich von seinem Team und begann einen neuen Verein zu suchen. Gleichzeitig verloren die Spieler ihren Glauben in Mourinho. Sie respektierten ihn nicht länger, weder als Trainer noch als Person. Es gab nur sehr wenige Spieler, die tatsächlich noch loyal zu Mourinho standen.

SPOX: Welche Spieler blieben ihm denn bis zum Ende hin treu?

Torres: Fabio Coentrao, di Maria - auch wenn er Zweifel hatte, nachdem ihn Mourinho öffentlich kritisiert hatte - Xabi Alonso und Arbeloa. Das waren die einzigen.

SPOX: Weshalb waren sie nach all den Geschehnissen noch immer loyal zu Mourinho?

Torres: Das ist eine bedeutsame Frage. Die Antwort ist sehr vertraulich. Ich verstehe zum Beispiel nicht, weshalb Xabi Alonso derart Mourinho-treu war. Ich verstehe es bei Coentrao, denn seine Karriere erlebte dank Mourinho einen enormen Schub. Mourinho machte ihn zu einem Stammspieler bei Real Madrid. Vor Marcelo, der viel besser ist als er! Dafür musste Mourinho eine sportliche Regel brechen, die besagt, dass der bessere spielt. Auf diese Art hat er Coentrao protegiert und ihm zu viel Prestige, Ruhm und Geld verholfen.

SPOX: Aber weshalb tat Mourinho das?

Torres: Weil Coentrao ein Spieler von Jorge Mendez ist, von Mourinhos Berater. Er war Objekt eines Investmentfonds von Benfica. Als Benfica ihn nach Madrid ziehen ließ, hat der Verein einen Teil aus diesem Fonds erhalten (20 Prozent, Anm. d. Red). Wer genau hinter diesem Fond steht, ist ein Geheimnis, das weiß nur die Bank. Aber Mendez hat durch Coentraos Wechsel eine enorme Provision erhalten.

SPOX: Was war mit Arbeloa? Weshalb hat er Mourinho bis zum Schluss unterstützt?

Torres: Mourinho hatte ihm einen Stammplatz garantiert. Der Verein wollte einen Rechtsverteidiger verpflichten, aber Mourinho widersprach und sagte: Nein, ich habe Arbeloa und der wird bei mir immer spielen. Madrid hatte zwar Carvajal, aber Mourinho brauchte ihn nicht, also musste er nach Leverkusen gehen. Mourinho hat Arbeloas Vertrag, seine Position im Team verteidigt. Er hat ihm als Spieler eine Bedeutung verliehen.

SPOX: Blieben denn die Mourinho-Befürworter wie beispielsweise Xabi Alonso auch nach dessen Weggang innerhalb der Mannschaft isoliert?

Torres: Absolut. Das Team hat Xabi den Rücken zugewandt. Er hatte nur zwei Freunde, Granero und Arbeloa. Alonso geht nicht zum Mannschaftsessen, er hat keinerlei persönliche Beziehung zu Casillas oder Ramos. Er kommt um zu spielen und kehrt wieder nach Hause zurück. Seine Freunde hat er außerhalb des Fußballs.

SPOX: Andere Spieler wie zum Beispiel Casillas stellten sich gegen Mourinho. Dieser wurde daraufhin degradiert. Aus sportlichen Gründen? Oder war es Mourinhos Rache an einem seiner stärksten Kritiker?

Torres: Casillas hat Mourinho bis zum Sommer 2011 nie öffentlich kritisiert. Bis zum Supercopa-Spiel gegen Barca 2011, als Mourinho seinen Finger Vilanova ins Auge drückte. Am darauffolgenden Tag rief er Xavi und Puyol an, um um Verzeihung zu bitten. Casillas fürchtete, dass der Konflikt zwischen Mourinho und Barcelona die spanische Nationalmannschaft zerstören könnte. Deshalb wollte Casillas mit den Spielern von Barcelona Frieden schließen. Darüber hinaus versuchte er, es öffentlich zu machen und erzählte der Presse, dass er Barcelonas Spieler für sein unsportliches Verhalten und das der ganzen Mannschaft um Verzeihung gebeten habe.

SPOX: Aber Casillas selbst hat doch nichts Verwerfliches getan...

Torres: Es geht um die Schlussminuten des Spiels, als Marcelo Fabregas umgegrätscht hat. Fabregas ging zu Boden, direkt an der Seitenlinie. Während er sich das Bein hielt, näherte sich Mourinho von hinten an und trat ihm auf die Hand. Es folgte eine Rudelbildung, in der Mourinho auch noch Vilanova attackierte. Casillas beschwerte sich bei Xavi, Fabregas würde simulieren, er sei nur ein Schauspieler. Doch als er nach Hause kam und all diese Szenen sah... er, der Fabregas Ehre und Würde abgesprochen hatte... da fühlte er sich schuldig und dumm. Er hatte das Gefühl, es sei seine Pflicht als Kapitän dieser Mannschaft sich zu entschuldigen.

SPOX: Und seitdem war Mourinho gegen ihn?

Torres: Von diesem Moment an war Casillas für Mourinho ein Verräter. Im darauffolgenden Freundschaftsspiel bestrafte er Casillas und setzte ihn auf die Bank. Von da an beschloss Casillas: Ich werde nie wieder Befehle befolgen, die meinem Gewissen widersprechen. Wenn der Trainer mich anweist, den Schiedsrichter zu provozieren oder die Spieler von Barcelona systematisch einzuschüchtern, werde ich es nicht befolgen, wenn ich es nicht für richtig halte.

SPOX: Hat er das so auch an Mourinho kommuniziert?

Torres: Ja, aber Mourinho hat nicht geantwortet. Er sagte nichts, er schwieg nur. Erst ein Jahr später bat er den Verein, Diego Lopez zu holen, um die Verletzung von Casillas zu kompensieren.

Seite 1: Grenzgänger Mourinho - neurotisch, egoman, aber nicht verrückt

Seite 2: Attacken gegen Barca-Spieler, "Verräter" Casillas und der Bruch mit Mou

Seite 3: Der Wahnsinn um Bale, Mythos Perez & Geschäftemacherei im Bernabeu

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