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Fussball

Wenn der Scheich die Lust verliert

Von Fabian Swidrak
Scheich Abdullah ben Nasser al Thani hatte große Pläne mit dem FC Malaga
© Getty

Neben Geld brachte der Multimilliardär auch entsprechend große Pläne mit nach Andalusien. Zunächst sollte der Verein, der sich wenige Wochen zuvor gerade noch auf Platz 17 in der Tabelle retten und damit den Abstieg in die Segunda Division abwenden konnte, erst einmal im sicheren Mittelfeld der Liga etabliert werden.

Allerdings nur als Zwischenschritt auf dem Weg, die Nummer eins in Spanien zu werden. "Wir wollen die Vorherrschaft von Real Madrid und dem FC Barcelona beenden", nennt Scheich Al Thani die Dinge beim Namen und legt nach: "Den Clasico werden die Leute schon bald vergessen haben".

Qatar Stadium und Nachwuchsakademie in Planung

Immerhin ließ er seinen mutigen Worten zunächst auch Taten folgen. 150 Millionen Euro hat er seit der Übernahme in den Verein investiert. Neben Ruud van Nistelrooy, Santi Cazorla und Joris Mathijsen so auch Martin Demichelis vom FC Bayern München weggelockt und Hoffnungsträger Isco aus der zweiten Mannschaft des FC Valencia geholt.

Aber nicht nur das Personal sollte an die neuen Ziele angepasst werden. Das alt ehrwürdige Estadio La Rosaleda mit seinen knapp 29.000 Sitzplätzen sollte durch ein neues Stadion ersetzt werden.

Einen hochmodernen Fußballtempel mit einer Kapazität jenseits der Marke von 60.000 Zuschauern. Voll klimatisiert und ausgestattet mit der neuesten Technik. "Qatar Stadium" hätte die neue Arena heißen sollen und so für die WM 2022 in Katar die Werbetrommel rühren.

Doch damit nicht genug: Selbst an die fernere Zukunft des Klubs hatte man gedacht und die Planung der größten Nachwuchsakademie Spaniens in Auftrag geben. Über kurz oder lange wollte man sich so ins Konzert der ganz Großen katapultieren und dauerhaft zu Europas besten fünf Teams gehören.

Saisonstart übertrifft alle Erwartungen

Zwar scheint dieser Traum momentan wieder in weite Ferne gerückt zu sein, sportlich hat der FC Malaga aber dennoch einen äußerst vielversprechenden Saisonstart hingelegt. Nach acht Spieltagen in der Primera Division steht die Mannschaft von Trainer Pellegrini mit 17 Punkten auf Platz drei und damit sogar vor Real Madrid.

Die bisher einzige Niederlage der Saison gab es bei Atletico Madrid (1:2). Und das auch nur, weil Kapitän Weligton den Ball kurz vor Schluss ins eigene Tor bugsierte. Mit nur fünf Gegentoren stellt Malaga zudem die beste Defensive der Liga.

Auch der Start in die Champions League verlief nach Maß. Zwei klare 3:0-Erfolge gegen die Millionentruppe von Zenit St. Petersburg um die Superstars Hulk und Axel Witsel, sowie gegen den RSC Anderlecht bedeuten Tabellenplatz eins und zwei Punkte Vorsprung auf den AC Mailand.

Dabei musste Malaga auf dem Weg in die Königsklasse den Umweg über die Qualifikation gehen, behielt gegen Panathinaikos Athen aber die Oberhand.

Nur durch den Einzug in die Gruppenphase konnte es sich der Klub überhaupt leisten, wenigstens noch den ein oder anderen Restposten auf dem Transfermarkt abzugreifen. So etwa Mittelstürmer Javier Saviola (30) von Benfica Lissabon oder die beiden auf Leihbasis verpflichteten Roque Santa Cruz (30, Manchester City) und Oguchi Onyewu (30, Sporting Lissabon).

Wer noch eine Bestätigung brauchte, dass Malaga in dieser Saison mit den Großen mithalten kann, bekam diese am Mittwochabend in der Champions League gegen den AC Mailand (1:0). Neben dem FC Porto, dem FC Barcelona und Manchester United sind die Andalusier das einzige Team der Königsklasse ohne Punktverlust.

Naht Rettung aus Nordamerika?

Zumindest träumen dürfen die Verantwortlichen des Klubs seit einigen Wochen auch wieder, was die finanzielle Zukunft angeht. Laut einem Bericht der renommierten "L.A. Times" soll David Beckham mit einer Übernahme des FC Malaga liebäugeln.

Zusammen mit Los-Angeles-Galaxy-Manager Alexis Lalas will er angeblich rund 75 Prozent der Aktien des spanischen Erstligisten aufkaufen. Ein großer Vorteil für den FC Malaga: Diese Art des Einstiegs wäre möglich, ohne die Verbindung zu den Geldreserven der Golfregion endgültig zu kappen.

Eine Daseinsberechtigung haben die Spekulationen allemal. Beckhams Vertrag bei den Kaliforniern läuft zwar noch bis Dezember 2013, der inzwischen 37-Jährige fühlt sich aber fit und möchte sich noch einmal auf höherem Niveau versuchen, als es ihm in der nordamerikanischen Major Soccer Leauge möglich ist. In den vergangenen Jahren überbrückte der Engländer die Winterpause in Amerika immer wieder mit Engagements in Europa. Zuletzt lehnte der AC Mailand ein solches Angebot aber ab.

Lässt sich Al Thani vom Beckham-Fieber anstecken?

Auch von Englands damaligem Nationaltrainer Stuart Pearce wurde er nicht für die Olympischen Spiele in London berücksichtigt.

Ein Einstieg in Malaga könnte also die letzte und einzige Möglichkeit sein, noch einmal auf die große Fußball-Bühne Europas zurückzukehren.

Und wer weiß, ob es sich Scheich Abdullah ben Nasser Al Thani nicht noch einmal anders überlegt, wenn sein Spielzeug von Fußball-Ikone David Beckham aufs Feld geführt wird.

Vielleicht steht der reiche Katari dann bald wieder klatschend und mit einem breiten Grinsen im Gesicht daneben, wenn in Malaga ein neuer Spieler vorgestellt wird.

Der FC Malaga in der Übersicht

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