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Fussball

Monsieur Henry sucht das Glück

Von Alexis Menuge / HolgerBritzius
Thierry Henry, FC Barcelona, Primera Divsion, Spanien
© Getty

München - Spricht man derzeit von der Mannschaft der Stunde in Europa, fällt meist der immergleiche Name: Arsenal! Noch ungeschlagen in allen Wettbewerben zelebrieren die Gunners mit Fabregas, Walcott, van Persie und Hleb wunderschönen und erfolgreichen Offensivfußball mit reichlich Toren.

Für die Treffer war beim aktuellen Premier-League-Spitzenreiter acht Jahre lang ein Mann zuständig, der durch Kaltschnäuzigkeit, elegantes Spiel und vor allem eben Treffsicherheit Denkmalstatus bei Arsenal hat - das Torphänomen Thierry Henry.

Pro Saison netzte er seit seiner ersten Runde jeweils mindestens 17 Mal, insgesamt erzielte er in 369 Pflichtspielen satte 226 Tore für die Rot-Weißen. Wohl ein Rekord für die Ewigkeit.

"Was macht eigentlich..."

Einen solchen hat der 30-jährige Franzose auch in der Equipe tricolore inne. Mit seinen beiden Toren zuletzt in der EM-Qualifikation gegen Litauen überholte er den großen Michel Platini als ewigen Torschützenkönig der Nationalmannschaft. Chapeau. Doch das war auch die letzte Nachricht über Henry, die den Gazzetten Futter gab.

Denn inzwischen könnte man eine Story über den Knipser, despektierlich ausgedrückt, fast schon in der Rubrik "Was macht eigentlich...?" unterbringen. Die Antwort ist: Er spielt seit Saisonbeginn beim FC Barcelona. Dort angekommen scheint er aber noch nicht.

Henry ein zweiter Kluivert?

Zwar machte Henry schon seine Tore in Liga (4) und Champions League (1) und wird wohl auch am Ende der Saison wieder auf mindestens 17 Treffer kommen, aber die große Angst vor dem Strafraumschreck geht nicht mehr um. Henrys Stern strahlt in Katalonien lang nicht so hell wie in Nord-London. 

Die spanische Presse vergleicht ihn schon mit Barcas früherem Fehleinkauf Patrick Kluivert und die französischen Medien fragen sich, ob er sich als erster Franzose in Barcelona durchsetzen und damit seine einzigartige Karriere krönen kann.

Die elf Gründe für Henrys Scheitern beim FC Barcelona

Da kann natürlich auch SPOX.com nicht außen vor bleiben. Frankreich-Experte Alexis Menuge stellt allerdings gar nicht erst in Frage, ob es Henry bei Barca schaffen wird, er liefert gleich elf Gründe für sein Scheitern.

Der zu späte Wechsel: Nach dem Champions-League-Sieg über Arsenal London (2:1) im Mai 2006 hatte Barca mit aller Macht versucht, Henry zu verpflichten. Doch der damalige Gunners-Kapitän erhielt eine ordentliche Aufstockung seines Gehalts und verlängerte nochmals seinen Vertrag. Damals sagte er: "Ich bleibe bei Arsenal bis zum Ende meiner Karriere." Der Absprung 2006 wäre wohl geschickter gewesen.

Die neue Verletzungsanfälligkeit: Bis zum Alter von 29 Jahren war der französische Nationalspieler so gut wie nie verletzt. Dank einer Top-Einstellung sowie einem gut trainierten Körper und einer ebensolchen Ernährung. Seitdem wird er immer wieder von diversen Verletzungen gestoppt. Von März bis August 2007 war er zum Beispiel an der Leiste verletzt. Unsteter Lebenswandel?

Die privaten Probleme: "Thierry ist durch die Scheidung von seiner Frau zur Zeit psychisch angegriffen. Er darf nicht einmal seine Tochter sehen. Für ihn ist es sehr schwer, mit dieser Situation umzugehen", sagte kürzlich sein ehemaliger Teamkollege bei Arsenal und guter Freund Robert Pires. Im Juli 2003 hatte Henry das englische Top-Model Nicole Merry geheiratet und sich kurz vor dem Wechsel nach Barcelona getrennt.

Die Zeit als Alleinherrscher ist vorbei: In London war er der Kapitän und der Publikumsliebling. Dort war er der Star. In Katalonien ist er ein Star unter vielen und kann damit offenbar nicht sehr gut umgehen. Ihm fehlt der Rummel, der um die Jungstars Lionel Messi und Giovani dos Santos veranstaltet wird.

Die Motivation der Gegner: In der Premier League hatte Henry viel Raum auf dem Platz. In der Primera Division sind dagegen die Gegner besser auf ihn eingestellt und versuchen den großen Star aus der Premier League konsequent aus dem Spiel zu nehmen. So kommt er nicht zur Entfaltung seines Spiels, das eben von den Räumen lebt. Er kann sich nicht mehr davon stehlen.

Das Spielsystem bei Barca: Henry muss immer wieder auf die Flügel weichen, um sich den Ball zu erkämpfen. Er würde aber lieber im Sturmzentrum spielen, den Ball abtropfen lassen und dann wieder den Weg in den freien Raum gehen - der Arsenal-Move eben. Doch die jungen Mitspieler gehen auf diese Art zu spielen nicht ein, wollen selbst glänzen. Kommt Eto'o nach seiner Verletzung wieder, wird es eng für Henry.
Das falsche Pflaster Barcelona: Vor Henry gab es schon einige Franzosen, die beim FC Barcelona unter Vertrag standen. Kein einziger von ihnen konnte sich allerdings je durchsetzen: Ob Laurent Blanc, Emmanuel Petit, Christophe Dugarry oder Ludovic Giuly - letzten Endes scheiterten alle. Auch Lilian Thuram macht nicht gerade den glücklichsten Eindruck bei Barca..

Die Fans in Barcelona: In Highbury und später ein Jahr im Emirates Stadium war er der unumstrittene Held der Arsenal-Supporters. Nach jedem Tor ging er zu seinen Fans, um sich feiern zu lassen - ein Ritual, in der Liga alleine 174-fach zelebriert und wichtig für Henry. Im Camp Nou sitzen die Anhänger, die ohnehin schon fast alle Stars gesehen haben, viel weiter weg und sind auch nicht so leidenschaftlich wie die Engländer. Henry braucht aber diese Bestätigung und fühlt sich nicht geliebt.

Das Nachtleben in Barcelona: In der englischen Hauptstadt war er stets mit dem Sohn von Arsenals Ex-Präsident David Dein auf Tour. Ein Gala-Abend jagte den nächsten und er war durch seine ständige Präsenz in der Londoner High-Society sehr beliebt. In Barcelona ist er auch in diesem Punkt noch nicht angekommen, obwohl er diese Anerkennung braucht, um sich wohl zu fühlen. Zudem ist er Single und soll diesen neuen Status auch weidlich ausnutzen.

Der Trainer: Zwar galt Barca-Coach Frank Rijkaard als das große Idol seiner Jugendzeit. Doch mit Arsene Wenger verband ihn eine enge Beziehung, die fast schon einen Vater-Sohn-Status hatte. Er braucht das volle Vertrauen des Trainers, um Top-Leistungen bringen zu können, doch Rijkaard ist da um einiges distanzierter. Trotz seiner langjährigen Erfahrung und 30 Lenzen fehlt Henry der "Vater".

Der Druck: Ein Tor reicht nicht, zaubern ist Pflicht. Gegen Olympique Lyon am ersten Spieltag der Champions League erzielte Henry das finale 3:0 in der Nachspielzeit. Zuvor hatte er einige klare Torchancen nicht genutzt, was die spanische Presse sogleich heftig kritisierte. Mit Kritik kann Henry allerdings schlecht umgehen. Er akzeptiert so gut wie keine negativen Kommentare über sich. Doch der Druck wird weiter zunehmen, wenn er nicht mehr Spiele folgen lässt, wie das gegen den Tabellenletzten Levante, als er dreifach traf.

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