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Fussball

WM-Playoffs: "Gebrochenes" Italien versinkt im Tal der Tränen

SID
Roberto Mancini trainiert seit 2018 die italienische Nationalmannschaft.

Italien trauert: 256 Tage nach dem EM-Triumph von Wembley hat der viermalige Weltmeister die WM-Teilnahme verspielt. Die Folgen sind noch nicht absehbar.

Trauer, Tränen, Verzweiflung, Wut: Noch im Juli feierte Italien als Europameister emotionale "notti magiche", nur 256 Tage später beklagen die stolzen Azzurri ein "disastro Italia" - ein "Weltdesaster", eine "neue Apokalypse", wie die Gazzetta dello Sport martialisch titelte.

Das blamable 0:1 in Palermo gegen den Fußball-Zwerg Nordmazedonien in den Playoffs zur WM in Katar hat den viermaligen Weltmeister in seinen Grundfesten erschüttert und in tiefe Depressionen gestürzt - mit unabsehbaren Folgen. Trainer Roberto Mancini, nach dem EM-Titel noch als Magier verehrt, ließ seine Zukunft offen. Italienische Medien spekulierten bereits über den langjährigen Kapitän Fabio Cannavaro als möglichen Nachfolger.

Dabei hatte die Squadra Azzurra nach dem Triumph von Wembley geglaubt, die Schmach der verpassten WM-Qualifikation 2018 endgültig getilgt zu haben - und nun dieser "Weltalbtraum" (Tuttosport). Für Abwehr-Ikone Giorgio Chiellini ist das Scheitern die Folge monatelangen Versagens. "Wir haben seit September Fehler gemacht, dafür haben wir jetzt bezahlt", sagte der 37-Jährige: "Wir sind gebrochen, am Boden zerstört."

Dabei hatte Mancini noch vor der Partie großspurig vom WM-Titel geträumt. Nun wusste der 57-Jährige erst einmal nicht, wie es überhaupt weitergeht. "Wir werden sehen - die Enttäuschung ist zu groß, um über die Zukunft zu sprechen", sagte der geknickte Coach: "Es ist schwer, an solche Dinge zu denken. Es wird nicht einfach in den nächsten Tagen."

In der Tat. Die Last-Minute-Pleite, für die ausgerechnet der ehemalige Palermo-Profi Aleksandar Trajkovski (90.+2) sorgte, wird noch sehr lange nachhallen. Schon jetzt üben die italienischen Blätter an Mancini und seinem Team, allen voran an Torjäger Ciro Immobile, heftige Kritik.

Italien: "Jetzt muss viel neu aufgebaut werden"

Mancini habe "seinen magischen Touch verloren und den Fehler begangen, weiterhin auf Immobile zu hoffen", monierte die Gazzetta. Der Corriere dello Sport schimpfte über das "niedrigste Niveau aller Zeiten" und schrieb von einer "neuen Stunde Null" für Italiens Fußball: "Jetzt muss viel neu aufgebaut werden."

Der "verbitterte" Verbandschef Gabriele Gravina will an Mancini festhalten. "Ich wünsche mir, dass er bleibt. Wir haben uns für ein Projekt verpflichtet", sagte er bei RAI. Man brauche jetzt aber viel Energie, "um wieder in Gang zu kommen".

Die heißblütigen Italiener kennen sich aus mit derartigen Dramen - gerade in der jüngeren WM-Geschichte. 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien waren die Azzurri, 2006 noch Weltmeister in Deutschland, bereits in der Vorrunde gescheitert, 2018 in Russland erst gar nicht dabei gewesen.

Der EM-Triumph von London sollte endgültig der Wendepunkt sein. Sollte! "Im vergangenen Sommer hatte ich mit der Mannschaft das schönste Erlebnis meines Lebens, heute ist es für mich die größte Enttäuschung", sagte Mancini. So sei eben "der Fußball. Manchmal passieren unglaubliche Dinge - und es ist passiert."

Es ist wirklich "incredibile", unglaublich. Unter Mancini war Italien in 37 Spielen unbesiegt - Weltrekord! In 42 Partien gab es gerade mal zwei Niederlagen, gegen die Schweiz in der Gruppenphase und nun gegen Nordmazedonien - doch die waren entscheidend, um Italien in ein tiefes Tal der Tränen zu stürzen.

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