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Fussball

Vom Arthur-Pjanic-Deal bis zu Fragen zu Ronaldos Verkauf: Könnte Juventus erneut der Zwangsabstieg drohen?

Von Mark Doyle
Juventus Turin droht ein erneuter Zwangsabstieg.

Warum steht Juventus im Zentrum des Skandals?

Im Sommer 2020 wechselte Arthur vom FC Barcelona nach Turin, im Tausch ging es für Miralem Pjanic von Juve zu Barca. Offiziell waren diese beiden Transfers nicht miteinander verknüpft und wurden nicht als Teil desselben Deals kommuniziert.

Barcelona verkündete, dass Juve sich bereit erklärt hatte, zunächst 72 Millionen Euro für Arthur zu zahlen, während Pjanic Barca eine Ablöse in Höhe von 60 Millionen Euro kostete.

Somit konnten beide Vereine einen Gewinn aus dem Abgang ihres jeweiligen Spielers verbuchen, während Juventus lediglich die überschüssigen zwölf Millionen Euro in bar zahlen musste. Das Geschäft kam beiden Parteien zugute - speziell aber dem finanziell arg gebeutelten Barcelona, das dem Verbuchen eines Gewinns am Ende des Geschäftsjahres damit näher kam.

Jedenfalls ging es bei diesem Tausch mehr um Finanzen als um Fußball. Und darüber wurde in der Folge auch offen geschrieben. Keiner der beiden Spieler war seine jeweilige Ablöse wert, schon gar nicht im Zuge der wirtschaftlichen Komplikationen, die die Corona-Pandemie mit sich brachte. Dennoch drohte zunächst keine Untersuchung, geschweige denn eine Bestrafung. Bis jetzt ...

Warum könnte sich das jetzt ändern?

Es hat sich herausgestellt, dass drei verschiedene italienische Gremien die Transfers von Juventus und anderen Vereinen unter die Lupe genommen haben. Darunter ebenjener Spielertausch zwischen Arthur und Pjanic, ebenso wie zum Beispiel ein ähnliches Geschäft aus dem Jahr 2019, bei dem Danilo für 37 Millionen Euro von Manchester City zu Juve wechselte, während Joao Cancelo für 65 Millionen Euro Ablöse die andere Richtung einschlug.

Vor etwas mehr als einem Jahr begann die COVISOC, die Aufsichtskommission der Serie A, mit der Untersuchung von "Dutzenden" Transfers, bei denen es um die Bewertung von Spielern ging. Sie leitete ihre Erkenntnisse an die Turiner Staatsanwaltschaft weiter, die im Mai eine strafrechtliche Untersuchung mit dem Namen "Prisma" einleitete.

Am 12. Juli begann dann die CONSOB, die Finanzaufsichtsbehörde, die für die Überwachung der Geschäfte von börsennotierten Vereinen (wie Juventus) zuständig ist, mit der Untersuchung von 62 Transfers in den Spielzeiten 2018/19, 2019/20 und 2020/21 - an 42 davon war Juve beteiligt.

Nach Angaben von Sky Sport Italia und ANSA hatten diese Deals einen Gesamtwert von 282 Millionen Euro an Kapitalgewinnen.

Ist Juventus der einzige Top-Klub, der involviert ist?

Ganz und gar nicht. Einige der untersuchten Deals betreffen Sampdoria, Roma und Atalanta, darunter der Verkauf von Cristian Romero aus Bergamo an Tottenham.

Der bekannteste Transfer, der untersucht wird, ist aber wohl der von Victor Osimhen, der letztes Jahr von Lille zu Napoli wechselte.

Auf dem Papier betrug die Ablösesumme 70 Millionen Euro, doch 20 Millionen Euro davon entfielen auf vier Spieler von Napoli: Torhüter Orestis Karnezis und drei Primavera-Spieler (Claudio Manzi, Ciro Palmieri und Luigi Liguori), die aber sofort wieder abgegeben wurden, ohne einen einzigen Einsatz für Lille absolviert zu haben.

Auf die Frage nach der Untersuchung der Rechtmäßigkeit dieses Transfers sagte der Präsident von Napoli, Aurelio De Laurentiis, der New York Times: "Ich mache mir keine Sorgen, denn ich bin ein Kämpfer."

Die Ermittlungen haben sich jedoch in der vergangenen Woche erheblich ausgeweitet, insbesondere was die Rolle von Juve betrifft.

Es geht nicht nur darum, dass die Turiner an zwei Dritteln der Transfers beteiligt sind. Hinzu kommt, dass Juve an der Börse notiert ist und damit in den Zuständigkeitsbereich der italienischen Finanzpolizei Guardia di Finanzia fällt.

Die Guardia di Finanzia war es auch, die in der vergangenen Woche auf dem Vereinsgelände in Continassa auftauchte, um Dokumente zu den fragwürdigen Transfers zu beschlagnahmen.

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