Fussball

Franck Ribery brilliert bei der AC Florenz: Der Traum vom letzten Titel

Von Gianluca Fraccalvieri
Franck Ribery spielt seit Sommer 2019 für die AC Florenz.

Vor einem Jahr hat Franck Ribery den FC Bayern in Richtung Italien verlassen. Bei der AC Florenz spielt der Franzose mittlerweile groß auf - und schmiedet große Pläne für die Zukunft.

Seit dem Restart der Serie A Mitte Juli stand Franck Ribery in jedem der bisherigen neun Spiele von Beginn an auf dem Feld, am 35. Spieltag am Mittwoch erkämpften er und die Fiorentina ein 0:0 beim Tabellendritten Inter Mailand.

Ein Erfolg für den Klub, aber auch für Ribery. Schließlich hatte die Bayern-Legende seit dem 30. November und der anschließenden Operation am Knöchel kein einziges Pflichtspiel mehr absolviert und auch Vater Zeit nagt langsam an dem 37-Jährigen - sollte man zumindest meinen.

"Wenige Minuten genügen und man begreift, wie stark Ribery dieser Mannschaft gefehlt hat", kommentierte die Gazzetta dello Sport das 1:1 der Fiorentina gegen Schlusslicht Brescia zum Liga-Restart. In den Wochen drauf überhäufte die italienische Presse den Franzosen förmlich mit Lobpreisungen.

"Le Roi Franck ist zurück", titelte Tuttosport, während die Gazzetta dello Sport Riberys Leistung vergangenen Sonntag beim 2:0 gegen den FC Turin gar als "Poesie" bezeichnete. Mit 65 Ballberührungen (laut Corriere dello Sport) war Ribery der aktivste Spieler auf dem Feld und bereitete zudem zwei Tore vor. "Fantastico", resümierte das Blatt im Anschluss.

Und Riberys positiven Einfluss auf die Mannschafft lässt sich auch mit Zahlen belegen. In den 17 Partien, die der ehemalige Bayern-Star nicht mindestens 45 Minuten auf dem Platz stand, holte sein Team nur 18 Zähler, in den 18 Spielen mit Ribery auf dem Feld dahingegen 25. Das ist natürlich auch nicht gerade die Bilanz eines Spitzenteams, sagt aber vieles aus über den Zustand der AC Florenz in dieser Saison.

Franck Ribery: Weltklasse in einer mittelmäßigen Mannschaft

Die Tatsache, dass Riberys Leistungen Woche für Woche in solch einer Art und Weise herausstechen und er mit seinen 37 Jahren Star, Aushängeschild und Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft ist, ist, abseits von jeglichem Hang zur Nostalgie und Sympathie für der Franzosen, jedoch auch ein Alarmsignal für die Gigliati.

In der Liga dümpelt man im Tabellenmittelfeld herum, bereits früh in der Saison war klar, dass es nur um den Klassenerhalt gehen würde. Von regelmäßigen Besuchen in der Europa- oder gar Champions League, wie es um die 2010er Jahre rum der Fall war, ist man im Moment weit entfernt. Nach dem 35. Spieltag liegt die Fiorentina mit 43 Punkten auf Platz zehn.

Und doch gilt Florenz in Italien noch immer als Versprechen für die Zukunft.Mit Nikola Milenkovic, Gaetano Castrovilli, Christian Kouame, Usan Vlahocic, Patrick Cutrone und Federico Chiesa hat man gleich sechs verheißungsvolle Youngster in der Mannschaft, von denen keiner älter als 23 ist.

Chiesa, ein wendiger Flügelstürmer, galt schon vor Jahren als kommender Weltstar, feierte im März 2018 als 20-Jähriger bereits sein Debüt für die Squadra Azzurra, schafft es aber zu selten, sein enormes Talent auf den Platz zu bringen. Am Mittwoch wurde er in der 75. Minute für den müden Ribery eingewechselt, konnte aber auch keine entscheidenden Impulse mehr setzen gegen Inter.

Ähnliches gilt für Castrovilli (23), der von seiner Spielweise und seinen Dribblings, obwohl zentraler Mittelfeldspieler, ein wenig an Ribery erinnert und von dem Oldie in Zukunft weiter angeleitet werden soll. "Gaetano ist sehr stark und hat eine große Hingabe, aber er muss weiterarbeiten, denn nur so können sich seine Ziele erfüllen", sagte Ribery in einem ausführlichen Interview mit der Gazzetta dello Sport über den jungen Italiener.

Franck Ribery denkt nicht an ein Karriereende

Wer nun aber denkt, Ribery würde sich langsam mit der Rolle als Mentor für die jungen Spieler zufriedengeben, hat sich gewaltig geirrt. Von einem Karriereende will der 37-Jährige, dessen Vertrag in Italien im Sommer 2021 ausläuft, noch nichts wissen.

"Ich trainiere und spiele wie am ersten Tag. Ich bin überhaupt nicht müde von dem, was ich tue. Fußball ist für mich mehr als ein Job, er ist Spaß und Leidenschaft", verriet er der Gazzetta dello Sport.

Selbst von dem Einbruch bei ihm zu Hause während des Auswärtsspiels in Parma ließ sich Ribery nicht aus der Ruhe bringen und schmiedet vielmehr schon große Pläne für die Zukunft. "Es wäre schön, den Fans eine Trophäe zu schenken", fuhr er fort. Es wäre der erste Titel für die Fiorentina seit 2001, damals gewannen die Viola die Coppa Italia.

Sollte Ribery dieser, zugegeben sehr ambitionierte, Coup in den nächsten eins, zwei, oder gar drei (?!) Jahren nicht gelingen, wird seine Reputation wohl kaum Schaden nehmen. Zumal es nach seiner aktiven Karriere ohnehin an den Ort zurückgehen dürfte, an dem sich Ribery als unersättlicher Titelsammler bewiesen hat.

"Bayern und München sind mein zweites Zuhause. Es fehlen mir so viele Dinge, angefangen mit den Freunden, die ich dort habe", sagte er der Gazzetta.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung