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Fussball

"Schlag Porto, oder du bist gefeuert": Wie ein Ultimatum das Ende von Carlo Ancelotti bei PSG einläutete

Von Chris Lugert

Carlo Ancelotti erlebte die erste Phase bei PSG nach der katarischen Übernahme. Ein scharfes Ultimatum sorgte schließlich für ein vorzeitiges Ende.

Das Jahr 2011 teilte die Vereinsgeschichte von Paris Saint-Germain in zwei Hälften. In eine Zeit vor der Übernahme durch einen katarischen Investmentfonds, als Glamour, Erfolg und Milliarden keine Rolle spielten und der Klub eher eine graue Maus im französischen Fußball war. Und in eine Zeit danach, als mithilfe gigantischer Ablösesummen ein europäischer Riese geschaffen werden sollte, der allerdings auch immer wieder kuriose Wege fand, in der Champions League an den eigenen Ansprüchen zu scheitern.

Einer, der die Anfänge des "neuen" PSG hautnah miterlebt hat, war Carlo Ancelotti. Der Italiener übernahm Ende 2011 das Traineramt in der französischen Hauptstadt von Antoine Kombouare. Eigentlich gab es zu diesem Zeitpunkt keinen Grund für einen Trainerwechsel, PSG führte die Tabelle in der Winterpause an. Doch Ancelotti, schon damals ein hochdekorierter Trainer, versprach vermutlich mehr Strahlkraft - passend zum neuen Selbstbild des Klubs.

Zudem gab es eine enge Beziehung zu Sportdirektor Leonardo, der nach der Katar-Übernahme die sportliche Leitung übernahm. Leonardo war zuvor bei der AC Mailand Spieler unter Ancelotti gewesen. "Ich habe das Projekt gemocht", begründete Ancelotti später bei Movistar+, warum er sich für PSG entschieden hatte.

"Wir haben die Trainingsstruktur verändert, Küchen eingebaut und so weiter. Denn französische Spieler kommen immer eine halbe Stunde vor dem Training und bleiben danach noch eine halbe Stunde. Ich habe das Projekt gemocht, aber im zweiten Jahr waren sie mit mir nicht mehr so glücklich", blickte Ancelotti zurück. Was war passiert?

Schon das erste halbe Jahr von Ancelotti verlief nicht optimal, denn obwohl er PSG als Tabellenführer übernahm, musste der Klub den Meistertitel dem HSC Montpellier überlassen. Es folgte ein weiterer Großangriff auf dem Transfermarkt, unter anderem kam Zlatan Ibrahimovic. Und entsprechend ungefährdet marschierte PSG dann auch durch die Liga. Doch schon im Herbst 2012 kam es zum entscheidenden Riss im Verhältnis zwischen Ancelotti und der Vereinsführung, der schließlich in Ancelottis Abschied 2013 mündete.

Ancelotti: Nach PSG direkt CL-Sieger mit Real Madrid

"Vor einem Champions-League-Spiel, als wir die K.-o.-Runde bereits erreicht hatten, hatten wir ein Ligaspiel verloren, danach aber wieder eines gewonnen. Aber sie sagten mir, wenn ich Porto nicht schlage, würden sie mich entlassen", schilderte Ancelotti, der entsprechend geschockt reagierte. "Ich meinte zu ihnen: 'Wie könnt Ihr mir so etwas sagen? Das schädigt das Vertrauen.' Im Februar habe ich dann entschieden, zu gehen, obwohl sie mit mir verlängern wollten", sagte er. Er verabschiedete sich mit der Meisterschaft und einem Champions-League-Viertelfinale.

Anschließend wechselte Ancelotti zu Real Madrid und führte die Königlichen 2014 direkt zur lang ersehnten "Decima", dem zehnten Titel in der Königsklasse. PSG hingegen wartet bis heute darauf, sich den Henkelpott in die Vitrine stellen zu dürfen.

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