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Fussball

Der dritte Akt des Pharaos

Von Andreas Inama
Stephan El Shaarawy will mit Monaco wieder durchstarten
© getty

Stephan El Shaarawy wechselte diesen Sommer überraschend in einem Blitz-Coup vom AC Milan zum AS Monaco. Für ihn ist es gleichbedeutend mit einem Neuanfang. Der Einstand im Fürstentum war vielversprechend, die Leistungen sofort überzeugend. Doch an der spielerischen Klasse hat es nie gemangelt - letztlich ist es eine Frage des Körpers. Vor dem Spiel zwischen Monaco und Lille (ab 20.30 Uhr im LIVESTREAM FOR FREE) nimmt SPOX den Offensivspieler unter die Lupe.

Sinisa Mihajlovic suchte nicht lange nach Ausreden, als er nach dem Transfer von Stephan El Shaarawy gefragt wurde: "Ich denke angesichts unseres neuen 4-3-1-2-Systems war es das Beste, dass er geht."

Im Zuge der Umbauten bei den Mailändern mussten einige Opfer gebracht werden, um den Verein schnellstmöglich wieder zur Gloria alter Tage führen zu können. El Shaarawy passte nicht in das Konzept. Die direkte Art des Trainers ist im sonst so von inhaltslosen Floskeln geprägten Fußballer-Jargon eine erfrischende Abwechslung, doch dürfte gerade diese Aussage einige Milan-Fans vor den Kopf gestoßen haben.

Die Worte, die danach folgten, sorgten dennoch für Verständnis: "Er hat zwei schwierige Jahre hinter sich. Auch deshalb ist es wichtig, dass er neue Motivation findet und auf seiner Lieblingsposition spielen kann." Mihajlovics Aussagen waren diesmal wohl gewählt, der Teil über die Lieblingsposition des "Faraone" nicht irgendein Vorwand.

Das Positions-Missverständnis

Anfang Juli hatte Silvio Berlusconi verlauten lassen, dass El Shaarawy trotz der Systemumstellung auf ein 4-3-1-2 den Verein nicht verlassen würde. Der Selbsternannte Trainerberater setze auf "Elsha" als Teil des Dreiermittelfelds. Und wenn Berlusconi so was sagt, wird es von den Trainern auch meistens umgesetzt.

Aber sowohl Mihajlovic als auch der Außenstürmer dürften von der Idee nicht besonders begeistert gewesen sein. So kam man zum Schluss: El Shaarawy kann gehen. Der neue Verein ist nun der AS Monacogeworden.

Milans Lebensversicherung

Mit ihm lässt Milan das größte Versprechen gehen, das man in den letzten Jahren an Land gezogen hat. 2011 holte Milan ihn im zarten Alter von 19 Jahren vom FC Genua für eine stolze Summe von 15,5 Millionen Euro. Während er in der ersten Saison noch vorwiegend Ergänzungsspieler war, etablierte er sich 2012/2013 zur Lebensversicherung im rotschwarzen Trikot: 16 Tore in 24 Spielen sicherten Milan den Einzug in die Champions League. Der Pharao wurde als der neue Superstar gefeiert.

"Stephan hat uns oft aus dem Schlamassel gezogen, ohne ihn wären wir jetzt nicht dritter. Er ist fürs Team enorm wichtig, nicht nur wegen der vielen Tore", hieß es damals von Adriano Galliani, der seinen neuen Augapfel mit Lobeshymnen überschüttete.

Doch der Knick in seiner Karriere folgte postwendend: Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück, in zwei Saison reichte es für nicht mehr als 24 Spiele im Milan-Trikot. Nicht genug für einen Klub, der schnellstmöglich wieder zu Europas Spitze gehören will. Der Flügelflitzer wurde entbehrlich, es reicht nicht mehr für das neue "grande Milan".

In einer Nacht- und Nebelaktion transferierte Milan ihn nach Südfrankreich. Vorerst nur leihweise, doch erreicht er die 15-Spiele-Marke, dann muss Monaco 13 Millionen Euro über die Alpen überweisen.

Zeit für einen Neuanfang

"Ich fühle mich großartig. Ich muss alles erst noch richtig realisieren, meine Entscheidung musste ich innerhalb von 24 Stunden treffen. Das war nicht einfach. Aber ich musste eine neue Erfahrung machen und ich glaube, das ist der richtige Weg", sagte El Shaarawy.

Nach einer langen Leidenszeit stehen die Zeichen endlich wieder gut. Trainer Leonardo Jardim wollte ihn unbedingt. In Monaco gab es nach dem letztjährigen Umbruch eine klare Änderung in der Marschroute: Es sollen junge Spieler mit viel Potenzial geholt werden. Jung ist El Shaarawy mit fast 23 Jahren noch - und Potenzial hat er allemal.

Außerdem passt er wie die Faust aufs Auge in das System von Jardim. Als Mannschaft, die sich sehr über eine stabile Defensive definiert und auf Konter setzt, hat man mit dem Italiener einen vermeintlichen Glücksgriff gemacht. El Shaarawy ist Antrittsschnell, hat Zug zum Tor und lässt sich beim Abschluss nicht lange bitten. Finten und Tricks, die den Spielfluss nur unnötig verlangsamen, sucht man bei ihm vergebens.

Eine beispiellose Verletzungsmisere

Neben den Benfica-Zugängen Helder Costa (21) und den 15-Millionen-Mann Ivan Cavaleiro (21) will man El Shaarawy auf seiner Stammposition auf dem linken Flügel wieder zu alter Stärke verhelfen und dieses Jahr in der Meisterschaft und Champions League angreifen.

Doch ein Aspekt spricht besonders gegen den Mailänder Neuzugang: Seine zahlreichen Verletzungen könnten die Biografie eines Spielers am Ende seiner Karriere füllen. In den letzten zweieinhalb Jahren verpasste El Shaarawy insgesamt 57 Spiele. 316 Tage war er verletzt oder angeschlagen. Besonders drei Mittelfußbrüche zwischen September 2013 und Januar 2015 setzten ihn immer wieder außer Gefecht.

In seinen ersten Spielen für die Monegassen hat der Italiener jedoch schon angedeutet, was man von ihm erwarten darf, sollte sein Körper mitspielen. In seinem zweiten Einsatz in der Champions-League-Qualifikation gegen Young Boys Bern erzielte er eine Minute nach seiner Einwechslung sein erstes Tor für die Elf aus dem Fürstentum.

Auch in der Ligue 1 betrieb er bei einem engagierten Auftritt Werbung in eigener Person. Gegen Nizza wurde er in der 43. Minute eingewechselt, leitete den Ausgleich ein und war auch mit einem verkorksten Schuss nicht unwesentlich an der siegbringenden Führung beteiligt.

Der dritte Akt

Bisher hat es zwar noch zu keinem Startelfeinsatz gereicht, zumal er nach wie vor noch nicht bei 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit angelangt ist. Nichtsdestotrotz scheint sich das Blatt in El Shaarawys noch so junger Karriere wieder zu wenden.

Es beginnt sozusagen der dritte Akt in seiner Laufbahn, bei dem endlich er - und nicht sein Körper - die Hauptrolle einnehmen soll. Sollte die Leistungskurve weiterhin kontinuierlich nach oben wandern, dürfte die Stammelf auch ob seiner schon vorhandenen internationalen Erfahrung nur noch eine Frage der Zeit sein.

Stephan El Shaarawy im Steckbrief

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