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Fussball

Mehr als Ibras Teddybär

Von Marco Kieferl
Seit Jahren sind Ibrahimovic und Maxwell gute Freunde
© getty

Maxwell gehört zu den erfolgreichsten Fußballern dieses Jahrtausends, erkämpfte sich einen Stammplatz bei Inter Mailand, dem FC Barcelona und Paris Saint-Germain. Dennoch gilt der Brasilianer oft nur als Sidekick von Zlatan Ibrahimovic. Trotz jahrelanger Freundschaft eint die beiden wenig, abgesehen von der Vorliebe für wunderschöne Tore. Vielleicht gelingt ein solches auch gegen Montpellier (JETZT im LIVESTREAM).

Nicht viele Menschen auf dieser Erde können von sich behaupten, sie würden Zlatan Ibrahimovic verstehen oder hätten sich gar seine Freundschaft verdient. Maxwell Scherrer Cabelino Andrade kann immerhin Letzteres behaupten. Schließlich war es der Brasilianer, der Ibrakadabra während seiner ersten Zeit bei Ajax Amsterdam unter die Arme griff.

"In meinem ersten Monat bei Ajax hatte ich kein Geld, weil ich nicht wusste, dass das Gehalt erst am Monatsende ausgezahlt wird. Also rief ich Maxwell an, einen Brasilianer, der gemeinsam mit mir als Neuverpflichtung vom Flughafen abgeholt wurde, und ich erzählte ihm, dass ich nichts zu Essen in meinem Haus hätte", beschreibt Ibrahimovic in seiner frei übersetzten Biographie.

Nur wenige Zeilen später holt er zum zlatanesquen Ritterschlag aus: "Stellen Sie sich einen Teddybär vor und Sie haben Maxwell. Er ist der beste Kerl der Welt und meinte damals nur: "Ok, komm in mein Haus". Er gab mir eine Matratze auf der ich schlafen konnte und wir wohnten zwei Wochen lang bei ihm, fuhren gemeinsam ins Training und kochten sogar gemeinsam.

Dauerbrenner und Spieler der Saison

Ibrahimovic ist nicht der einzige prominente Fürsprecher des 34-jährigen Brasilianers. Während der Schwede seiner Zeit große Probleme mit seinen Trainern in Amsterdam hatte, setzte sich Maxwell auf der linken Außenbahn auf Anhieb durch und machte bereits in seiner ersten Saison 2001/2002 31 Pflichtspiele, ehe er nur zwei Jahre später zum besten Spieler der holländischen Eredivisie gewählt wurde.

Dabei war und ist Maxwell kein Spieler, der sich über unmittelbare Torbeteiligungen definiert. Im Heimatland von Tormaschinen wie Ruud van Nistelrooy oder Marco van Basten genügten dem Linksfuß zwei Tore und sechs Vorlagen für diese Auszeichnung. Maxwell definiert sich über das Spiel per se, über maßgenaue Zuspiele und seine ausgezeichnete Technik. Nicht zuletzt deswegen beschreibt ihn Kumpel Zlatan Ibrahimovic als "unwahrscheinlich eleganten Linksaußen".

Bei welchem Topklub Maxwell in Europa auch spielte, der Brasilianer setzte sich über kurz oder lang immer durch. Nur zweimal absolvierte der Linksverteidiger seit seiner Ankunft in Amsterdam weniger als 30 Pflichtspiele pro Saison.

"Traum eines jeden Trainers"

Maxwell hat nicht den kräftigen Schuss oder den Offensivdrang eines Dani Alves, nicht die markigen Grätschen eines Philipp Lahm und bringt es in 490 Pflichtspielen auf der linken Außenbahn mit 24 Treffern und 42 Vorlagen im Vergleich mit genannter Konkurrenz auf verhältnismäßig wenig Torbeteiligungen. Auch ein Lautsprecher wie Ibrahimovic wird der Brasilianer in diesem Leben nicht mehr werden.

Wohl gerade deshalb wird er bei den Fans oft unterschätzt und galt vor allem in Barcelonas Weltauswahl der Guardiola-Ära als letzte Schwachstelle in einem nahezu perfekten Kader. Doch während der Brasilianer bei Fans und Medien stets etwas unter dem Radar flog, genoss er bei seinen Trainern stets allergrößte Wertschätzung.

"Maxwell verdient den allerhöchsten Respekt. Er ist die Art von Spieler, die sich ein Trainer erträumt", schwärmte Guardiola noch während der letzten Champions-League-Saison von seinem ehemaligen Schützling: "Ob im Training oder Spiel, Maxwell gibt immer sein Bestes. Er zeigt in jedem Moment diesen Teamgedanken, der für mich als Trainer unbezahlbar ist."

Ibra einen Schritt voraus

Der Brasilianer war zweifelsohne der Teil der unzertrennlichen Maxwell-Ibrahimovic-Kombination, mit der sich Guardiola besser verstand. Drei Jahre spielte er unter Pep und hatte als Stammspieler erheblichen Anteil am Gewinn zweier spanischer Meisterschaften, der Copa del Rey und nicht zuletzt der Champions-League, einem Triumph den er seinem schwedischen Freund nach wie vor voraus hat.

Ibrahimovic und Maxwell begegneten sich nach ihrer gemeinsamen Zeit in Amsterdam zu Beginn der Saison 06/07 bei Inter Mailand wieder. Gemeinsam führten sie das schwächelnde Internazionale nach Jahren ohne Meistertitel wieder an die Spitze der Serie A. Trotz einer wahren Flut an Ibrahimovic-Traumtoren ging der Preis für den Inter-Treffer des Jahres 2007 an Maxwells 50-Meter-Einlage gegen Parma.

Im Zuge des Rekordsommers 2009 mit dem spektakulären Tausch zwischen Barcelona und den Nerazzurri ging neben all dem Trubel um Ibrahimovic förmlich unter, dass Kumpel Maxwell bereits knapp zwei Wochen zuvor bei den Katalanen unterschrieben hatte.

In der Heimat verkannt

Nach Maxwells Wintertransfer zu Paris Saint-Germain sollte es erneut nur ein halbes Jahr bis zum Sommer 2013 dauern, ehe der große Schwede dem 1,76 Meter kleinen Brasilianer folgte. Bis heute sind beide mit zehn nationalen Meistertiteln die erfolgreichsten Fußballer dieses Jahrtausends. Doch während der Schwede über den gemeinsamen Berater Mino Raiola bereits wieder fleißig Wechselgerüchte schürt, scheint für Maxwell nur ein Karriereende in Paris denkbar.

So glücklich seine Karriere auf Vereinsebene bis heute durchlief, so traurig ist seine Geschichte in der Selecao. Maxwell hatte trotz diverser Titel nur von Luiz Felipe Scolari das Vertrauen geschenkt bekommen. Unter Felipao debütierte er im stolzen Alter von 32 Jahren für Brasilien und durfte sich letztlich sogar den Traum von der Heim-WM erfüllen.

Es sollte jedoch nur ein Einsatz zu seinen bisherigen neun Pflichtspielen hinzukommen. Maxwell fristete während des Turniers ein Dasein auf der Tribüne, ehe er für das undankbare Spiel um Platz Drei gegen die Niederlande in die Startelf berufen wurde. Auf dem Weg zum Neuaufbau des Kaders für die WM 2018 legt Carlos Dunga keinen Wert auf den 34-Jährigen.

Karriereende in Sicht

Mit 36 Startelfeinsätzen, vier Einwechslungen und vier Toren bei drei Vorlagen gehört Maxwell aber noch lange nicht zum alten Eisen. Von seiner Sprintstärke ist seine Art des Fußballs nicht abhängig, das Zusammenspiel mit Ibrahimovic klappt wie eh und je und auch der Rückhalt von Laurent Blanc ist ihm sicher.

Erst vor wenigen Monaten wurde er in das Ligue-1-Team der vergangenen Spielzeit gewählt. Dennoch könnte man Maxwell Scherrer Cabelino Andrade in dieser Saison zum letzten Mal auf dem Rasen des Prinzenpark spielen sehen.

"Ich denke, dass hier wird mein letzter Vertrag sein", sagte Maxwell während der Vorbereitung angesprochen auf die Verlängerung seines Arbeitspapieres mit PSG bis 2016: "Man weiß nie, was im Fußball passiert, aber ich möchte meine Karriere hier beenden." Es sei denn, ein gewisser Schwede zieht nochmals um, hat nichts zu Knabbern im Haus und wünscht sich nichts sehnlicher als einen 1,76-Meter großen Teddybär in Lebensgröße.

Maxwell in der Übersicht

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