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Fussball

FC Liverpool: Die "Spice Boys" und die irre Geschichte mit der Münze

Von Chris Lüngert

Mitte der 1990er-Jahre hatte der FC Liverpool eine Truppe von Hochtalentierten beisammen. Doch an der Professionalität mangelte es.

Als Jürgen Klopp den FC Liverpool 2020 zum ersten Meistertitel seit 30 Jahren führte, baute er sich und allen Spielern des Kaders ein Denkmal in der Stadt - zumindest zunächst in den Köpfen der Fans, womöglich irgendwann dann auch real in Stein.

Dabei hätte diese Sehnsucht gar nicht so groß sein müssen, denn auch in den Jahren zwischen 1990 und 2020 gab es immer wieder titelfähige Reds-Mannschaften. Meistens standen sich diese aber selbst im Wege, oder standen halt nicht - Stichwort: Steven Gerrard.

In der Saison 1996/97 hatte Liverpool ebenfalls eine ziemlich talentierte Truppe beisammen. Trainer war damals Roy Evans, zu den Leistungsträgern gehörten Namen wie Jamie Redknapp, Robbie Fowler, John Scales und Steve McManaman. Auch ein 16 Jahre alter Michael Owen und ein 18 Jahre alter Jamie Carragher schnupperten bereits Profi-Luft bei den Reds.

FC Liverpool: "Die "Spice Boys" waren geboren

Doch so talentiert sich die Liverpooler Mannschaft damals auf dem Platz präsentierte, so interessiert zeigten sich die Spieler an all den Möglichkeiten abseits davon. Partys, Frauengeschichten, jede Menge Alkohol - Redknapp und Co. waren auf den Titelseiten des Boulevards ebenso oft zu finden wie auf den Sportseiten. Schnell hatte die Clique einen ganz eigenen Spitznamen weg: "Spice Boys".

Natürlich wurde der Name in Anlehnung an die "Spice Girls" erfunden, die damals absolute Weltstars waren. Und noch bevor sich "Posh Spice" Victoria Adams und Fußballstar David Beckham im Sommer 1999 das Ja-Wort gaben, soll sich Liverpools Fowler mit "Spice Girl" Emma Bunton, auch bekannt als "Baby Spice", getroffen haben. Eine offizielle Bestätigung der Liaison gab es allerdings nicht.

In dieser Zeit nahm das Marketing auch im Fußball immer weiter zu, Fernsehen wurde über Satellit ausgestrahlt und somit erreichte auch die Premier League immer mehr Menschen. Die Einnahmen und damit auch die Gehälter stiegen und besonders junge Spieler kamen plötzlich in den Genuss großer Summen, die ihnen alle Gelegenheiten eröffneten. Nichts war mehr unmöglich.

Liverpools junge Wilde: Der sportliche Erfolg blieb aus

Lag der Fokus voll auf dem Sport, zeigten die jungen Wilden des FC Liverpool, wozu sie fähig sind. In der Saison 1996/97 blieben sie die ersten acht Spiele ungeschlagen, darunter waren beeindruckende Siege gegen Chelsea und Arsenal. Doch dann gab es auch die andere Seite, nämlich enorme Inkonstanz, etwa mit Niederlagen wie gegen das Kellerkind Coventry.

Und dann gab es da auch noch eine weitere Geschichte, die - sofern sie stimmt - den Charakter der Truppe bestens beschreibt: So gab es innerhalb des Liverpooler Teams das sogenannte "Pound Game", das so ähnlich funktioniert wie der "Plumpsack", der vor allem von Vorschulkindern gespielt wird. Bei den Profis sah das so aus: Während (!) einiger Spiele ließen sie eine Pfund-Münze herumgehen und der Spieler, der sie beim Schlusspfiff hatte, musste für den gesamten Kader an jenem Abend die Getränke ausgeben. Neil Ruddock hatte Jahre später von dieser absurden Geschichte berichtet.

Nun waren die Liverpooler Spieler sicher nicht die einzigen, die es hin und wieder faustdick hinter den Ohren hatten. Bei Manchester United tummelten sich etwa Roy Keane und Eric Cantona. Ein großer Unterschied aber waren die Titel. Wer Erfolg hat, hat Recht. Und Man United wurde 1997 Meister, sieben Punkte vor den "Spice Boys". Im Finale des FA-Cups trafen beide Teams aufeinander, und zumindest mit einem Sieg in diesem Spiel wäre den Liverpool-Jungstars einiger Hohn in der Rückschau erspart geblieben.

Doch nachdem die Spieler vor der Partie in feinsten Armani-Anzügen das Spielfeld inspiziert hatten, geriet das Spiel zu einer Show der Langeweile, ehe ein spätes Tor von Cantona das Spiel zugunsten Uniteds entschied. Somit gingen die "Spice Boys" zwar als talentierte und bunte Truppe in die Geschichte ein, aber auch als eine, die es nicht verstand, aus diesem Talent auch große Erfolge herauszuholen.

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