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Fussball

Manchester United: Das ist Hoffnungsträger Anthony Elanga

Von Stefan Rommel
Anthony Elanga jubelt nach seinem Treffer gegen den FC Brentford

Anthony Elanga sticht bei Manchester United hinein in die Phalanx der etablierten Angreifer. Der Youngster überzeugt mit Unbekümmertheit und einer guten Portion Selbstbewusstsein und hat einen wichtigen Fürsprecher: Trainer Ralf Rangnick.

Am Dienstag hätten sie ihn ganz gut gebrauchen können, diesen Anthony David Junior Elanga. Der hatte Manchester Uniteds U19 in der Gruppenphase zu Platz eins und der direkten Qualifikation fürs Achtelfinale der UEFA Youth League verholfen.

Im K.o.-Spiel gegen Borussia Dortmund stand der 19-Jährige dann aber nicht im Kader. Uniteds herausragende Mittelfeldspieler Hannibal Mejbri und Zidane Iqbal mussten also ohne ihren Zielspieler im Angriff auskommen - und am Ende scheiterte United mit 1:3 nach Elfmeterschießen und ist raus aus dem Kampf um Europas Krone.

Was bei den Junioren nicht geklappt hat, könnte ja aber bei den Herren noch Wirklichkeit werden. Auch dank tatkräftiger Unterstützung von Tony Elanga hat Manchester United im Champions-League-Achtelfinale gegen Atletico alle Chancen auf den Einzug in die Runde der letzten Acht. Weil Elanga im Hinspiel ein recht wichtiges Tor gelang, kaum dass er fünf Minuten auf dem Platz war. Es war Elangas erster Ballkontakt überhaupt, der zum wichtigen 1:1 im Wanda Metropolitano führte.

Anthony Elanga ist ein United-Hoffnungsschimmer

Drei Tage zuvor hatte er das Spiel bei Leeds United mit einem späten Tor endgültig entschieden, ebenfalls nach einer Einwechselung kurz zuvor, was die leidlich zu Übertreibungen neigende Yellow Press schon vom Super-Sub Elanga fabulieren ließ und einem neuen Ole Gunnar Solskjaer. Drunter geht es auf der Insel offenbar nicht, wenn ein United-Ergänzungsspieler mal ein paar Tore erzielt.

Aber selbst wenn Elogen dieser Art Unsinn sind und die Überhöhung des Spielers deutlich zu früh kommt: Mit Anthony Elanga hat Manchester United einen Spieler, der etwas anders ist als alle anderen. Und der in einer immer noch ruckeligen Saison mit vielen kleinen und großen Enttäuschungen so etwas wie ein Hoffnungsschimmer ist.

Rangnick holte Elanga sofort in den Kader zurück

Elanga ist in Malmö geboren und aufgewachsen, Vater Joseph kickte in den Nullerjahren als Profi bei Malmö FF und Bröndby, kehrte aber zum Karriereende wieder nach Schweden zurück und blieb dann mit der Familie auch in Malmö. Anthony spielte als Kind bei Elfsborg und kurzzeitig auch bei Malmö FF, ehe er mit zwölf Jahren den Sprung nach England wagte und ins Internat von Manchester United zog.

Sieben Jahre später tauchte Elanga dann wie aus dem Nichts in der Premier League auf, knapp zwei Wochen nach seinem Debüt folgte das erste Tor im Profifußball. Dann endete - aus Elangas Sicht leider - die Saison und in der aktuellen Spielzeit wurde es schnell wieder etwas ruhiger. Der 19-Jährige wandelte zwischen den Welten, trainierte mal bei den U-18-Junioren, dann wieder bei den Profis.

Elanga bekam Spielzeit in der Youth League, bei Uniteds zweiter Mannschaft in der Premier League 2 und natürlich in Schwedens U-21-Nationalmannschaft. Zwar besitzt der Spieler auch einen kamerunischen Pass, seine Nationalmannschaftskarriere verlief bisher aber ausschließlich in Gelb und Blau. Auch dank Elangas Toren, bisher sind es sechs in sieben Spielen, führt Schweden seine EM-Qualifikationsgruppe noch vor Italien und Irland an.

Mit Solskjaers Demission und der Übernahme von Ralf Rangnick bei den Profis wendete sich das Blatt dann auch im Klub. Es lag bestimmt nicht nur an Rangnicks Faible für junge, entwicklungsfähige Spieler, dass er plötzlich stets im Profi-Kader landete und bis auf wenige Ausnahmen seitdem auch regelmäßig zum Einsatz kommt.

Unbekümmertheit, Energie und jede Menge Mut

Rangnick schätzt Elangas Unbekümmertheit, die viele seiner Stars in der Form nicht mehr auf den Platz bringen. Da wird dann auch der eine oder andere Fehler verziehen. Die Energie, den Mut und auch die Schnelligkeit, die Elanga dem immer noch zu biederen und langsamen Spiel Uniteds geben kann, helfen jedenfalls ein gutes Stück weiter. Gegen Atleticos bissige Defensivreihe war von Jadon Sancho, Marcus Rashford oder dem großen Cristiano Ronaldo zumindest nichts zu sehen. Elanga bot gleich in der ersten Aktion einen tiefen Laufweg an und vollstreckte dann kühl.

Es war Uniteds 500. Tor in einem Europapokal-Spiel, Elanga wurde zu Manchesters jüngstem Torschützen in K.o.-Phasen der Königsklasse. Jünger noch als Ronaldo, Wayne Rooney und Rashford. "Es macht Spaß, ihm zuzuschauen", sagte Rangnick nach dem Spiel in Madrid über seinen Youngster, der dem Trainer durch sein Tor auch unangenehme Nachfragen ersparte. "Ich wünschte, ein paar andere Spieler würden ihn zum Vorbild nehmen. Nicht weil er alles richtig macht - sondern weil er es genießt, auf dem Platz zu stehen!"

Was das bedeutet, zeigt Elanga nun schon seit einigen Wochen, mal in Teilzeit, mal über die kompletten 90 Minuten: Der Spieler hat offensichtlich keinen Respekt vor großen Namen und auch keine Angst, sich in Offensiv-Zweikämpfe zu werfen. Da kann er sich behaupten und sich auch entsprechend wehren. Zuletzt musste Elanga aber auch erfahren, dass die gesteigerte Aufmerksamkeit jetzt schon ein paar Schattenseiten mit sich bringt, gegen die er sich nicht so leicht verteidigen kann.

Rassistische Attacken gegen Anthony Elanga

Beim Spiel in Leeds wurde er von einem Gegenstand am Kopf getroffen. Ein Zufall vielleicht, die Polizei nahm danach neun Fans vorläufig fest und strengt nun wie der Verband ein Ermittlungsverfahren an. Schon vor dem Zwischenfall war Elanga auch Zielscheiben rassistischer Anfeindungen geworden. Bei Uniteds Ausscheiden im FA-Cup gegen Zweitligist Middlesbrough war Elanga im Elfmeterschießen gleich mit dem ersten Versuch gescheitert, der Fehlschuss kostete United das Weiterkommen.

In den Sozialen Medien wurde der Youngster dafür regelrecht angefeindet, die Hasskommentare erinnerten frappierend an die Tage nach Englands Niederlage im EM-Finale gegen Italien, als Rashford, Sancho und zuletzt Bukayo Saka vom Punkt scheiterten. Immerhin wurden die entsprechenden Einträge bei Instagram schnell wieder gelöscht.

Elanga: Großes Selbstvertrauen, große Klappe

Rein sportlich wird Elanga inzwischen von einigen Experten als eine Mischung aus Antreiber und möglicher Verhandlungsmasse gesehen: Seit der Teenager sich immer vehementer in den Kader und zweitweise in die erste Elf drängt, hat auch Rashford sein lange verschollenes Potenzial wieder entdeckt. Der Konkurrenzkampf scheint Rashoford ein wenig anzutreiben, der seit der EM im letzten Sommer und nach einer Schulterverletzung in einem veritablen Loch steckte und jetzt langsam wieder seine Form findet.

Allerdings halten sich die Gerüchte um unter anderem Rashford, über den es immer wieder heißt, er brauche vielleicht eine Luftveränderung. Die wiederum könnte es nur geben, wenn das Vertrauen in Elanga groß genug ist, Rashfords Platz mittelfristig einzunehmen. So weit ist der Teenager dann vielleicht aber doch noch nicht, auch wenn sein Selbstverständnis etwas anderes andeutet. Er sollte der Atletico-Defensive ein bisschen Schrecken einjagen, hatte ihm sein Trainer kurz vor der Einwechslung mit auf den Weg gegeben.

Anthony Elanga aber hatte einen anderen, deutlich größeren Plan: "Ich habe euch doch gesagt, wie ruhig und cool ich sein kann. Jede Chance, die ich vom Trainer bekomme, will ich zu 150 Prozent nutzen und das Vertrauen zurückzahlen. Also habe ich versucht, der beste Spieler auf dem Platz zu werden." Bei nur 18 Minuten Spielzeit war das vielleicht ein bisschen vermessen. Aber so ein Tor im Europapokal-Achtelfinale - bei den Profis - ist ja für den Anfang auch gar nicht so schlecht.

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