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Fussball

Als Sam Allardyce auf falsche Investoren reinfiel und nach nur 68 Tagen seinen Job als England-Coach verlor

Von Stanislav Schupp
Sam Allardyce war nach seinem Aus als England-Coach bei Crystal Palace, Everton und West Bromwich Albion tätig.

Die Amtszeit von Sam Allardyce als englischer Nationaltrainer ging als eine der kürzesten in die Geschichte ein. Vor fünf Jahren redete sich "Big Sam" leichtsinnigerweise um Kopf und Kragen.

Wenn Sam Allardyce heute auf seine Amtszeit als englischer Nationaltrainer zurückblickt, weist er eine 100-prozentige Erfolgsquote mit den Three Lions auf.

Zugegeben: In die Ära von "Big Sam" fällt exakt ein Spiel (ein 1:0 gegen die Slowakei in der Qualifikation für die WM 2018), insgesamt ging sie auch nur 68 Tage.

Ursprünglich war der mittlerweile 66-Jährige seinen selbsterklärten "Traumjob" angetreten, um den englischen Fußball nach dem enttäuschenden Ausscheiden in der Gruppenphase der WM 2014 sowie im Achtelfinale der EM 2016 gegen Island aus der Krise zu führen.

Dass Allardyce stattdessen - abgesehen von diversen Interimstrainern - mit der kürzesten Amtsperiode der Verbandshistorie in die Geschichte eingeht, hat er einer nach eigener Aussage "dummen Sache" zu verdanken.

"Hier liegt das große Geld": Allardyce und eine folgenschwere Verlockung

Nur kurz nach seiner Vertragsunterzeichnung bei der FA im Juli 2016 ließ Allardyce sich in ein folgenschweres Gespräch mit angeblichen Investoren aus Fernost verwickeln.

Verdeckte Reporter des Telegraph hatten sich als Geschäftsleute ausgegeben und Allardyce während des Gesprächs heimlich gefilmt. Dabei sollen sie den langjährigen Premier-League-Coach nach Möglichkeiten zum Umgehen der in England damals frisch verbotenen Dritteigentümer-Verträge für Spielertransfers, bei denen sich Investoren Anteile an künftigen Transfererlösen sichern, gefragt haben.

Allardyce lieferte. Tatsächlich sei es "kein Problem", diese Regel zu umgehen. Und überhaupt sei es "lächerlich", solche Verträge zu untersagen, schließlich "liegt hier das große Geld." Allardyce soll zu Protokoll gegeben haben, selbst Agenten zu kennen, "die das die ganze Zeit tun."

Angeblich sollen ihm die vermeintlichen Investoren für die Tipps 500.000 Euro in Aussicht gestellt haben. Zudem noch einen Beratervertrag über 461.000. Für jegliche Beschäftigungen außerhalb des Verbandes hätte der Fußballlehrer freilich das Einverständnis der FA benötigt.

Allardyce-Rundumschlag: Auch Hodgson und Prince William bekamen ihr Fett weg

Einmal in Fahrt gekommen, gerieten auch die FA und Allardyce-Vorgänger Roy Hodgsons in "Big Sams" Schusslinie.

Während Allardyce den Verband aufgrund der eine Milliarde Euro schweren Renovierung des Wembley-Stadions als "dumm" bezeichnete, verspottete er Hodgsons aufgrund seines Sprachfehlers; der 74-Jährige hat Schwierigkeiten, das "r" auszusprechen.

Zu allem Überfluss verunglimpfte Allardyce noch einige Spieler und übte Kritik an FA-Präsident und Thronfolger Prinz William für dessen Abwesenheit bei der Präsentation des Logos für die EM 2020.

"Versucht, jemandem zu helfen, den ich seit 30 Jahren kenne"

Der FA wurde das entsprechende Videomaterial vorgelegt, kurze Zeit später zog der Verband die Konsequenzen.

"Es waren sehr schwierige 24 Stunden. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass Sams Verhalten unpassend war und nicht das ist, was wir von einem Nationalcoach erwarten", hieß es von Seiten der FA: "Sam ist absolut bestürzt. Er erkennt, dass er einen schrecklichen Fehler gemacht hat." Die Entscheidung sei zwar "schmerzhaft, aber richtig" gewesen.

Allardyce bestritt die Szenen nicht, entschuldigte sich beim Verband und beschwerte sich ansonsten, hinters Licht geführt worden zu sein. "Hinterlistigkeit hat in diesem Fall obsiegt und das muss ich akzeptieren", sagte er am Morgen nach seiner Entlassung. "Es war eine falsche Entscheidung und ich muss nun die Konsequenzen dafür tragen."

Rückblickend bezeichnete "Big Sam" die ganze Angelegenheit als "dumme Sache." Er habe versucht, "jemandem zu helfen, den ich schon seit 30 Jahren kenne" und die Situation dabei falsch eingeschätzt.

Statt Allardyce: Southgate führt England zurück in die Spur

Allardyce ging ein paar Wochen ins Ausland, um sich "zu erholen und über alles nachzudenken". Nachhaltigen Schaden fügte ihm die Chose nicht zu. Als wieder etwas Gras über die Sache gewachsen war, kehrte er um Dezember 2016 wieder als Trainer in die Premier League zurück - Crystal Palace verpflichtete ihn. Auch beim FC Everton und bei West Brom stand Allardyce noch unter Vertrag, seit dem Premier-League-Abstieg West Broms 2021 verließ er (vorerst?) die Trainerbühne.

Auch die FA kam gut aus dem Skandal heraus. Der Verband machte damals kurzerhand seinen talentierten U21-Coach zum Cheftrainer.

Unter Gareth Southgate wurde England bei der WM 2018 Vierter und musste sich bei der letzten EM erst im Endspiel gegen Italien geschlagen geben. Der 51-Jährige führte die Elf in den vergangenen Jahren also aus der sportlichen Krise. Eine Mission, die ursprünglich Allardyce vor fünf Jahren angegangen war.

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