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Fussball

Der rasante Aufstieg und tiefe Fall von Leeds United um die Jahrtausendwende

Als Peter Ridsdale zu pokern begann

Hiden kehrte im Sommer 2000 nach Österreich zurück, viel interessanter war aber, was auf der Ausgabenseite passierte: Leeds verpflichtete unter anderem den 22-jährigen Innenverteidiger Rio Ferdinand für 26 Millionen Euro, Stürmer Mark Viduka für 9,2 Millionen und machte insgesamt ein Transferminus von knapp 40 Millionen.

Später sollte sich herausstellen: Ridsdale hatte hoch gepokert. Zu hoch. Um die Transferoffensive zu finanzieren, borgte er sich umgerechnet rund 100 Millionen Euro, die er mit TV- und Ticketeinnahmen aus anvisierten späteren Champions-League-Teilnahmen zurückzahlen wollte. Bei der ersten Teilnahme stürmte die Mannschaft zwar mit begeisterndem Fußball bis ins Halbfinale, wo sie mit 0:0 und 0:3 am FC Valencia scheiterte - verpasste mit Platz vier in der Premier League einen Punkt hinter Liverpool aber knapp eine neuerliche Qualifikation.

Ridsdale Poker war nicht aufgegangen - und statt zurückzuziehen, erhöhte er den Einsatz. Wie bereits im Jahr zuvor betrug das Transferminus auch im Sommer 2001 rund 40 Millionen Euro. Allein die beiden Stürmer Robbie Keane und Robbie Fowler kosteten gemeinsam knapp 35 Millionen. Doch auch trotz dieser Neuzugänge landete Leeds in der Premier League lediglich auf Platz fünf.

Der Ausverkauf von Leeds United

Um erste Schulden zu begleichen, verkaufte Ridsdale daraufhin Ferdinand für rund 46 Millionen Euro an Manchester United. Aufgrund zunehmender Meinungsverschiedenheiten entließ er gleichzeitig O'Leary und ersetzte ihn durch Trainerroutinier Terry Venables. Während die Mannschaft in der Saison 2002/03 in den Abstiegskampf schlitterte, wurde die missliche finanzielle Lage immer offensichtlicher. Leeds brauchte dringend Geld und das machten sich die Konkurrenten zu Nutze: Woodgate, Fowler und Bowyer gingen in der Winterpause weit unter Marktwert.

Vor allem der Verkauf des Eigengewächses Woodgate löste Entrüstungsstürme unter den Fans aus, denen Ridsdale erwiderte: "Wir haben den Traum gelebt." Hieß auch: Der Traum war vorbei. Und nun galt es eben, den Preis dafür zu bezahlen. Im März trat Venables zurück und kurz darauf musste Ridsdale gehen. Die Schuldenlast betrug zu diesem Zeitpunkt umgerechnet schon rund 150 Millionen Euro.

Vom Champions-League-Halbfinalisten zum Drittligaklub

Ridsdale hatte seinen Lieblingsklub, für den er einst mit 13 vor dem Stadion im Schlafsack übernachtet hatte, fast ganz nach oben und dann noch viel weiter nach unten geführt. Wie weit nach unten, das war zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht abzusehen. Um den Spielbetrieb aufrechterhalten zu können, musste Leeds in der Folge nicht nur die verbliebenen Schlüsselspieler, sondern auch sein Stadion und das Trainingsgelände Thorp Arch verkaufen. 2004 stieg die Mannschaft aus der Premier League ab, 2007 auch aus der zweitklassigen Championship.

"Zu diesem Zeitpunkt war keiner mehr da, den ich von damals kannte", sagt Hiden. "Dass es so weit kommen würde, hätte sich zu meiner Zeit keiner vorstellen können. Damals herrschte eine richtige Aufbruchstimmung und es hat sich alles in die richtige Richtung entwickelt. Der Klub hätte über viele, viele Jahre sehr erfolgreich sein können." Hätte Ridsdale 2000 nicht begonnen zu pokern. Oder hätte sich die Mannschaft in der darauffolgenden Saison für die Champions League qualifiziert.

Innerhalb von sechs Jahren war so aus einem Champions-League-Halbfinalisten ein Drittligaklub ohne Stadion und Vereinsgelände geworden - dafür aber mit einem Eintrag in die englische Fußball-Terminologie. "Doing a Leeds", der Niedergang eines Klubs in Folge einer Transferoffensive bei gleichzeitig ausbleibender Champions-League-Qualifikation.

Die Platzierungen von Leeds United zwischen 1997 und 2004

SaisonPlatz
1996/9711
1997/985
1998/994
1999/003
2000/014
2001/025
2002/0315
2003/0419
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