Wie Caglar Söyüncü zu einem der besten PL-Innenverteidiger wurde: Einst hat er Tomaten gepflückt

Caglar Söyüncü steht seit Sommer 2018 bei Leicester City unter Vertrag.
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Der ehemalige Freiburger Caglar Söyüncü ist einer der Aufsteiger dieser Premier-League-Saison: Er avancierte zu einem der besten und begehrtesten Innenverteidiger der Liga und rangiert mit seinem Klub Leicester City auf Tabellenplatz zwei.

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die aktuell hervorragende Besetzung der Innenverteidigung von Leicester City zu analysieren. Als Experte könnte man sagen: Kluge Transferpolitik. Als Fan könnte man singen: "Fuck off Maguire, Fuck off Maguire, We don't need you, We've got Söyüncü." Und beides hat seine Richtigkeit.

Im Sommer 2018, Leicesters Maguire war gerade zu einem der Gesichter des Erfolgslaufs der englischen Nationalmannschaft bei der WM in Russland avanciert, verpflichtete Leicester Caglar Söyüncü für rund 21 Millionen Euro vom SC Freiburg.

Leicester spielte daraufhin eine durchwachsene Saison und Söyüncü keine Rolle. Zeitweise fehlte er verletzt, zeitweise wurde er zur Reservemannschaft geschoben und für die Profis machte er insgesamt nur sechs Premier-League-Spiele. Söyüncü hatte kaum Selbstvertrauen und außerdem Kommunikationsprobleme, Englisch musste er erst lernen.

Leicester stellt die zweitbeste Defensive der Premier League

Vergangenen Sommer dann verkaufte Leicester Maguire für 87 Millionen Euro an Manchester United - und verzichtete darauf, einen Nachfolger zu verpflichten. Brendan Rodgers, der das Traineramt im Februar übernommen hatte, vertraute Söyüncü. "Wenn man ihn von außen betrachtet, dann muss man ehrlich gestehen, dass er den Eindruck hinterlässt als ob er fehlerbehaftet und sehr riskant auftreten könnte", sagte Rodgers. "Nach unserer ersten Einheit habe ich aber bemerkt, was für ein guter Spieler er ist."

Zur neuen Saison beorderte Rodgers Söyüncü in die Startelf - und seitdem überzeugt er an der Seite des erfahrenen Jonny Evans. Mit lediglich 19 Gegentoren nach 21 Spielen stellt der Tabellenzweite Leicester aktuell die zweitbeste Defensive der Premier League. Die englische Zeitung Guardian nominierte neulich ihre Elf der größten Durchstarter Europas 2019. In der Innenverteidigung: Söyüncü.

Caglar Söyüncü profitiert von Brendan Rodgers' Spielweise

Entgegen kam ihm bei seiner rasanten Entwicklung Rodgers' bevorzugte Spielweise. Er setzt auf Ballbesitzspiel und braucht dafür spielstarke, passsichere, kreative Innenverteidiger. Innenverteidiger wie Söyüncü. "Er versucht nicht, den Ball einfach so aus der Gefahrenzone zu schlagen, sondern die Situationen klug zu lösen", lobte Rodgers. "Mit seiner guten Spieleröffnung passt er perfekt zu unserer neuen Spielweise", sagte Teamkollege Christian Fuchs gegenüber SPOX und Goal.

Mit einer Passquote von über 90 Prozent zählt Söyüncü zu den ligaweit passsichersten Innenverteidigern, seine 1400 gespielten Pässe werden lediglich von Virgil van Dijk vom FC Liverpool und Kurt Zouma vom FC Chelsea übertroffen. Die Stärken im Passspiel gehen beim 1,87 Meter großen Söyüncü jedoch nicht auf Kosten einer soliden Zweikampfführung. Er gewinnt 63,98 Prozent seiner Zweikämpfe. Und ist außerdem aktuell ligaweit der schnellste Spieler.

"Caglar ist zurzeit einer der besten Innenverteidiger der Premier League", findet Söyüncüs Nationalmannschafts-Kollege Cenk Tosun vom FC Everton und der langjährige englische Nationalspieler Jamie Carragher schrieb bei Twitter: "Ich liebe es, Caglar Söyüncü zuzusehen." Laut der Times soll nun sogar Manchester City Interesse an einer Verpflichtung haben.

Von 2016 bis 2018 spielte Caglar Söyüncü in der Bundesliga für den SC Freiburg.
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Von 2016 bis 2018 spielte Caglar Söyüncü in der Bundesliga für den SC Freiburg.

Mit Cengiz Ünder in der Nachwuchsabteilung von Altinordu

Ein solcher Wechsel wäre die vorläufige Krönung einer Karriere, die einst in seiner Heimatstadt Izmir an der Westküste der Türkei ihren Anfang genommen hat. Söyüncü begann seine Karriere beim Stadtteilverein Menemen Belediyespor und spielte später für den Nachwuchs von Altinordu Izmir (beziehungsweise Gümüsordu Izmir, deren Zweitmannschaft).

Der Verein ist bekannt für seine herausragende Akademie. "Meiner Meinung nach hat Altinordu die beste Jugendabteilung der Türkei", erzählte Cengiz Ünder vor einiger Zeit im Interview mit DAZN. Genau wie Söyüncü entstammt auch der ein Jahr jüngere Ünder der Altinordu-Akademie. Die beiden kennen sich seit über zehn Jahren, teilten sich einst sogar das Zimmer - und wurden gleich ausgebildet.

Bei Altinordu bezieht sich das nicht nur auf den Fußball, sondern auch auf das Leben. "Die Jugendarbeit von Altinordu ist eine ganz besondere. Denn man wird nicht nur fußballerisch, sondern auch charakterlich ausgebildet. Man muss Tomaten pflücken und Tiere füttern und wird so auf sein zukünftiges Leben vorbereitet", sagte Ünder. Nahe des Trainingszentrums gibt es einen Bauernhof, um den sich die Jugendspieler kümmern.

Caglar Söyüncü Weg über Freiburg nach Leicester

Das zukünftige Leben von Söyüncü und Ünder handelt aber nicht von Tieren und Tomaten. 2014 feierten sie beide ihr Profidebüt für Altinordu in der zweiten Liga, 2016 verließen sie beide den Klub. Ünder wechselte zunächst zu Basaksehir Istanbul und dann weiter zur AS Rom. Söyüncü für 2,65 Millionen Euro zum SC Freiburg.

Dort hatte er zunächst das gleiche Problem wie später in Leicester: wenig Anschluss an die Mannschaft aufgrund von Kommunikationsproblemen. Immerhin bekam er jedoch von Beginn an ausreichend Spielanteile und steigerte sich zunehmend. Zeitgleich erarbeitete er sich einen Stammplatz in der türkischen Nationalmannschaft.

2018 dann wechselte Söyüncü für rund 21 Millionen Euro zu Leicester, wo sie nun, eineinhalb Jahre später singen: "Fuck off Maguire, Fuck off Maguire, We don't need you, We've got Söyüncü."

Caglar Söyüncü im Steckbrief

geboren23. Mai 1996 in Izmir (Türkei)
Größe1,87 m
Gewicht82 kg
PositionInnenverteidiger
starker Fußrechts
PL-Spiele/Tore48/1
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