Klopp: Meine Stärke und meine Schwäche

Von Mario Krischel
Jürgen Klopp treibt den Aufbau "seines Liverpools voran
© getty

Seit seiner Ankunft im Oktober 2015 formt Jürgen Klopp die Reds immer mehr zu "seinem" FC Liverpool. Jetzt erklärte der ehemalige Dortmund-Coach, wie er die Aufgabe an der Anfield Road angegangen ist - und warum er meistens eher Vater als Trainer ist.

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Seit Tag eins an der Merseyside sind sie in England begeistert von Klopp. Seine emotional ansteckende und hingebungsvolle Art und Weise, wie er sie an der Seitenlinie und auf Pressekonferenzen vorlebt, ist nicht nur Fassade. Das erfährt der neutrale Zuschauer auch, wenn er einen Blick auf die Aufstellung der Reds am vergangenen Sonntag schaut.

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Im FA Cup-Duell gegen den Viertligisten Plymouth Argyle schickte Klopp mit durchschnittlich 21 Jahren und 296 Tagen die jüngste Liverpool-Startelf aller Zeiten aufs Parkett. Langsam aber sicher wird erkennbar, dass Klopp in Liverpool ähnlich vorgeht wie er es 2008 in Dortmund begonnen hatte. Er zieht die jungen Spieler heran, integriert sie und gibt ihnen die Chance, sich zu beweisen. Das beste Beispiel ist der gerade erst 17-jährige Ben Woodburn, der im League Cup nach seiner Einwechslung sofort einschlug.

"Du sammelst deine eigenen Erfahrungen"

Mit seinem Treffer zum 2:0-Endstand trug sich Woodburn als jüngster Torschütze des FC Liverpool in die Vereinschroniken ein. Klopps Erfolgsrezept? In einem Interview mit dem Foar-Magazin gibt er Auskunft: "Wir üben keinen Druck auf sie aus. Wir können warten. Wir sagen nicht 'in diesem Alter musst du so und so weit sein', sondern geben ihnen Zeit. Mein Gott, man kann doch über einen 17-Jährigen noch nicht urteilen."

Händeringend versucht er ihnen beizubringen, dass es nur so funktionieren kann, denn "so sollte das Leben sein: Du sammelst deine eigenen Erfahrungen und egal, ob sie gut oder schlecht sind, du teilst sie mit deinen Mitmenschen. Das Problem ist heutzutage, dass alles sehr schnell geht. Jeder will alles sofort. Niemand gibt dir noch die Zeit, dich zu entwickeln. Normalerweise".

Nur 7,5 Millionen im Minus

Klopp aber sieht sich als genau das - als verantwortlicher Entwickler. "Es ist meine Stärke und möglicherweise meine Schwäche, dass ich mich für die Jungs absolut verantwortlich fühle. Das macht das Leben nicht immer einfach für mich - aber für sie ist es einfach eine große Chance."

Besonders in Zeiten, in denen die Premier League in einer Transferphase mehr als eine Milliarde Euro investiert, will Klopp auf seine Tugenden vertrauen. Liverpool ist am Transferboom keineswegs unbeteiligt - alleine Mane kostete über 40 Millionen. Doch seit Klopp da ist, überlasten die Ausgaben die Einnahmen um gerade einmal 7,5 Millionen.

"Wir müssen unabhängiger vom Geld sein", erzählt Klopp. Man solle das Geld und seine Einstellung vergleichen - "Was willst du wirklich? Wofür stehst du?" Und dann muss jeder am Ende des Tages seine eigenen Werte entwickeln, denn "die Welt kann sich sehr schnell verändern".

Jürgen Klopp im Steckbrief

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