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Fussball

"Besser als Ronaldo, Neymar oder Messi!" Dener - der tragische Tod von Ronaldinhos Vorbild

Von Gabriel Wonn
Dener starb am 18. April 1994 bei einem Autounfall.

Niemand weiß, was der Fußballwelt verloren ging, als Mega-Talent Dener 1994 starb. Einige meinen: Alles.

Wer an schönen Fußball denkt, an Tricks, Technik, Show, Rhythmus, der denkt an die erfolgreichste Fußballnation der Welt: Brasilien. Es scheint seit Beginn des Spiels so, als sei fast jeder brasilianische Junge mit dem Talent geboren, mit einem Ball am Fuß Magie entstehen zu lassen. Kunst um der Kunst willen, Fußball, weil es Spaß macht. Jogo Bonito.

Wenn es um das Land der Edeltechniker und Samba-Kicker geht, dann fallen jedem Fan absolute Größen des Sports ein: Pele, Ronaldo, Romario, Rivaldo und viele mehr. Geht es um technisch höchste Brillanz, Leichtigkeit und pure Spielfreude, dann assoziieren Menschen weltweit vor allem Ronaldinho damit. Der vielleicht größte Ballzauberer der Fußballgeschichte ist Vorbild Unzähliger.

Was antwortet ein solcher Spieler auf die Frage, zu wem er bei solchen eigenen Fähigkeiten selbst überhaupt aufgeschaut hat? Pele ist eh klar. Ronaldo, okay, Teamkamerad bei Brasilien und damals das Maß aller Dinge. Maradona, zwar Argentinier, aber natürlich muss ein Spieler wie Ronaldinho diese Ikone des Dribblings einfach lieben.

Es sind die Besten der Besten, die die brasilianische Legende nennt, wenn es darum geht, wessen Spielweise sie besonders schön fand. Und dann fällt noch ein Name: Dener.

Dener: Ronaldinhos Vorbild und eines der größten Talente aller Zeiten

Äh, wer bitte? Ist das so ein brasilianischer Geheimtipp? Ein gescheitertes Juwel, das keiner mehr kennt? Gescheitert nicht, nein. Dener ist tot. Seit 28 Jahren bereits. Am 18. April 1994 stirbt eines der wohl größten Talente aller Zeiten bei einem Autounfall - und hinterlässt eine potenziell riesige Lücke, die wir vielleicht gar nicht begreifen können, weil sie nie gefüllt war. Robinho, noch so ein technische hochveranlagter Brasilianer, sagt später jedenfalls: "Es ist eine Schande, dass er so früh gestorben ist. Er war der Wahnsinn!"

Dener ist bereits als Kind einer dieser brasilianischen Jungen, die das Spiel zu einer Augenweide machen. Er ist klein, wendig, extrem schnell - und er hat zunächst mit Futsal begonnen, bevor er wirklich ein Fußballer wurde. Technik auf engstem Raum, in diesem Bereich macht dem kleinen Dener früh niemand etwas vor. Ganze Heerscharen von Verteidigern können nur noch staunend hinterherblicken, wenn der Wirbelwind wieder eine komplette Mannschaft austanzt.

Portuguesa wird auf ihn aufmerksam, holt ihn in de Jugendakademie. Dener ist ein schwieriger Charakter, das zeigt sich früh. Ein Rebell, ein Junge von ganz unten. Antonio Lopes, damals Trainer des Klubs, erinnert sich: "Es war einer meiner ersten Tage im Verein. Ein Berater sagte mir: 'Es gibt einen Jungen, der bald gehen könnte. Er hat ein Mädchen geheiratet, ist in einer schwierigen Situation. Aber der Junge ist richtig gut.' Ich sagte ihm, er soll den Jungen herschicken, um bei uns Profis mitzutrainieren. Als er das erste Mal den Ball bekam, tunnelte er Vladimir, einen zweikampfstarken Spieler, an dem man schwer vorbeikam. Danach machte er einen Sombrero Flick über einen anderen Spieler hinweg. Ich ging zum Präsidenten und sagte ihm, dass man den Jungen unbedingt halten müsse."

1994 fährt statt Dener ein gewisser Ronaldo für Brasilien zur WM

Dener bleibt im Klub und gewinnt 1991 das berühmte Copinha-Turnier, bei dem die besten Jugendteams Brasiliens gegeneinander antreten. Nach zehn Minuten trifft er im Finale gegen Gremio, es ist der entscheidende Moment für sein Team, das am Ende 4:0 gewinnt. Es ist wohl unnötig, zu erwähnen, dass er zum Spieler des Turniers gewählt wird. Über Nacht kennt jeder in Brasilien den kleinen Edeltechniker aus Sao Paulo.

Es ist sein Durchbruch, er wird von Nationaltrainer Falcao sogar in die Selecao berufen. Dener spielt gegen den großen Rivalen Argentinien, ist beim 3:3 am dritten Tor seiner Mannschaft beteiligt. Als Falcaos Nachfolger Parreira ihn 1992 nur noch ein weiteres Mal einsetzt und ihn wegen Jugend und rebellischem Verhalten nicht zur WM 1994 mitnehmen will, ist Brasilien entsetzt. Man fordert Deners WM-Teilnahme - bevor es dazu kommen kann, ist er tot. Statt ihm fährt im Alter von nur 17 Jahren ein gewisser Ronaldo mit zum Turnier.

1993 darf sich Dener auch anderswo beweisen, er wird für drei Monate an Gremio verliehen und kann prompt die Meisterschaft bejubeln. Sie wird sein einziger großer Titel bleiben. Ein Jahr später folgt eine Leihe zu Vasco da Gama. In einem Freundschaftsspiel gegen den argentinischen Klub Newell's Old Boys glänzt er, Mauricio Pochettino und der große Diego Maradona zählen an diesem Tag zu seinen Gegenspielern. Als er wieder einmal eines seiner unnachahmlichen Dribblings vollführt und sein Abschluss erst am Keeper scheitert, fangen die Kameras einen bezeichnenden Moment ein: Maradona lächelt.

Beinahe Bundesliga: Dener "besser als Neymar, als Messi"

Natürlich steht zu diesem Zeitpunkt schon Europa auf der Matte. PSV ist dran, aber besonders nah an einer Verpflichtung ist tatsächlich der VfB Stuttgart. Weniger Tage vor seinem Tod soll es eine mündliche Vereinbarung gegeben haben. Eines der größten Talente der Welt wäre wohl um ein Haar in der Bundesliga gelandet. Doch dann kommt der 18. April.

Dener ist nur Beifahrer, der Fahrer ist ein Freund des jungen Brasilianers. Er wird überleben und laut Berichten erst ein paar Jahre später im illegalen Drogenhandel umkommen. Doch der 23-jährige Dener verlässt das Auto nicht mehr lebend, er erstickt an den Sicherheitsgurten. Es ist das traurige Ende des vielleicht größten Talents aller Zeiten. Wie gut er geworden wäre? Man wird es nie erfahren. Doch sicher ist: Viele der größten brasilianischen Fußballer des 21. Jahrhunderts wurden von Dener inspiriert.

"Dener war viel großartiger als viele der Weltbesten. Seine Kreativität, seine Schnelligkeit, seine Improvisationsfähigkeit. Von 1990 bis heute hat niemand so etwas gemacht. Er ist der beste Spieler von 1990 bis heute. Größer als Zidane, Romario, Ronaldinho, Ronaldo Fenomeno. Besser als Neymar, als Messi. Ich habe Pele spielen sehen, ich weiß, wovon ich spreche", so beschreibt es Deners Biograph Ubirajara Nassar. Mehr geht nicht - oder leider besser gesagt: Mehr wäre nicht gegangen.

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