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Fussball

Hannes Thor Halldorsson: Der einzige Keeper, der einen WM-Elfer von Messi parierte, ist heute Regisseur

Von Lucas Neumann

Bereits im Kindesalter galt Hannes Thor Halldorsson in Island als talentierter Torhüter. Ein Skiunfall, bei dem er sich die Schulter auskugelte, warf den damals 14-Jährigen allerdings langfristig aus der Bahn. Eine etwaige Fußballkarriere war in weite Ferne gerückt, Halldorsson widmete sich stattdessen seiner zweiten großen Leidenschaft: Dem Filmemachen.

Im Alter von 20 Jahren stand er schließlich am Scheideweg, als ein unerwartetes Angebot als Aushilfstorwart beim damaligen Drittligisten Leiknir Reykjavik hereinflatterte: Entweder einen langen Rehabilitationsprozess in Kauf nehmen oder die sportliche Karriere frühzeitig an den Nagel hängen und sich vollends auf das Dasein als Regisseur konzentrieren.

"Ich hatte zwar Zweifel, dass ich es im Fußball weit bringen könnte, aber es war schon immer mein Traum, in der höchsten isländischen Spielklasse zu spielen", so Halldorsson im Gespräch mit dem Daily Star. Also gab er dem Fußball doch nochmal eine Chance.

Hannes Halldorsson: Vom Aushilfskeeper zum WM-Teilnehmer

Tatsächlich sollte es lediglich zwei Jahre dauern, bis der Keeper sich seinen Traum verwirklichte: 2007 heuerte er bei Fram Reykjavik an und spielte von nun an erstklassig. 2011 durchlebte er dann seine bis dato erfolgreichste Phase, als er mit seinem neuen Klub KR Reykjavik das Double gewann und im selben Jahr sein Debüt in der Nationalmannschaft feierte.

Von nun an etablierte er sich als eines der Gesichter, die die erfolgreichste Ära des Verbands prägen sollten. Scheiterte man 2014 in den WM-Qualifikationsplayoffs noch an Kroatien, folgte 2016 die erstmalige Quali für eine Europameisterschaft. Dort avancierten die Isländer prompt zu den Publikumslieblingen und schafften es durch leidenschaftliche Auftritte sogar bis ins Viertelfinale - inklusive einem geschichtsträchtigen Triumph gegen die Three Lions.

Zwei Jahre später folgte die erste WM-Teilnahme der Historie. Zwar nahm das Gastspiel in Russland bereits in der Gruppenphase ein Ende, doch vor allem für Halldorsson blieb dabei ein historischer Moment in Erinnerung.

Halldorsson pariert Messi-Elfer: "Wie ein Lottogewinn"

"Wenn man in ein solches Spiel einsteigt, denkt man über Traumszenarien nach", sagte Halldorsson über das Eröffnungsspiel gegen die klar überlegenen Argentinier: "Natürlich träumt man davon, einen Elfmeter von Lionel Messi zu halten. Aber das ist einfach nur unwahrscheinlich - wie ein Lottogewinn."

Der Lottogewin folgte dann tatsächlich: In der 63. Minute, beim Stand von 1:1, gab es Elfmeter für die Albiceleste. "La Pulga" trat an. Und scheiterte an Halldorsson, der die Ecke des Superstars erahnte. "Ich hatte am Abend zuvor entschieden, wohin ich hechten würde. Wir haben viel darüber gesprochen und versucht zu erraten, was er tun würde. Es war eine gute Vermutung", so der 77-fache Nationaltorhüter.

Damit kann er sich nun mit einer traumhaft anmutenden Bestmarke schmücken: Bis heute ist Halldorsson der einzige Keeper, der einen Messi-Elfer bei einer WM-Endrunde parieren konnte.

Drei Jahre nach diesem Ereignis verkündete der mittlerweile 37-Jährige seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Nun kann er sich wieder ruhigen Gewissens auf sein zweites Standbein konzentrieren, dass ihn neben dem Fußball schon seit seiner Jugend begleitet. Sein erster Streich als leitender Regisseur: "Cop Secret." Die Actionkomödie, die kürzlich beim Locarno Film Festival Premiere feierte, soll nächstes Jahr auch in die deutschen Kinos kommen.

Zwar fällt der Film in die Kategorie "Fiktion", dennoch dürfte er vermutlich glaubhafter sein als die klischeehafte und filmreife Fußballkarriere des Hannes Thor Halldorsson.

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